Feine Sahne Fischfilet – Scheitern und Verstehen (Audiolith/Finetunes/Broken Silence)

Am 11. November 2012 erscheint das langerwartete dritte Album der Punkrocker Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern. Fast drei Jahre mussten die Fans auf ein neues Lebenszeichen der Band warten und ich hatte Gelegenheit vorab schon einmal reinzuhören. Wer das Sextett nicht kennt: bisher erschienen zwei Alben auf Underground-Labels und seit 2012 steht die Band beim Electropunk-Label Audiolith unter Vertrag. Musikalisch bezeichnet sich die Band gerne als “Punk mit Bläsern”, wohl um sich von der Masse an schlechten (und davon gibt es einige) Skapunk-Bands abzugrenzen. Und das auch zurecht: denn die Band verarbeitet viel mehr musikalische Stile als den schnöden Skapunk. Da gibts markige Streetpunk- und Hardcore-Punk-Einflüsse bei Stumpfe Parolen und Riot in My Heart. Ruhig wird es bei dem schon fast balladesken 3 ½ Meter Lichtgestalt mit Gastvocals von Mary Curry, der wundervollen weiblichen Stimme von Neonschwarz. Ein weiteres Feature gibt es mit Supershirt, die bei dem provokanten Gefällt mir, quasi eine aktuelle Facebook-Fassung des Deutschpunkklassikers Deutschland muss sterben, den Gesang übernehmen.Gut, man muss den Text nicht unbedingt mögen, er ist auch nicht wirklich tiefgründig. Ein Protestsong eben. Aber die Power, die dieser Song hat, lässt ihn sicherlich zu einem Highlight des Albums werden. Genauso, wie der zweite megapolitische Song des Albums: In unseren Augen, der sich mit der NSU-Affäre beschäftigt. Dabei ist die arme Band selbst vor kurzem in das Visier des Verfassungsschutz geraten: (1) Zwei provokante Titel, die sich mehr oder weniger differenziert mit der deutschen Tagespolitik auseinandersetzen. Dazu die Antinazinummer Stumpfe Parolen. Das Album bleibt aber niemals stehen, Verschieden Facetten einer wie auch immer gearteten Subkultur werden angesprochen. Da gibt es Tracks, die sich eher mit dem Partyleben auseinandersetzen, So  die Skanummer Dienstag Nacht, die sich mit dem Kater danach beschäftigt, oder die erste Singleauskopplung Ich bin komplett im Arsch, die irgendwie versucht die Balance zwischen Melancholie und Lebensfreude zu finden. Auch ein krasser Ohrwurm durch den einprägsamen Refrain. Video gibt es im Anhang. Der Opener Dorffeste im Herbst ist ebenfalls eine super Nummer, die eigentlich alle Elemente des Albums vereint und so eine gute Vorrauschau auf das kommende Hörerlebnis legt. Den Schlusspunkt setzt das sehr anfangs ruhige, melancholische Weit hinaus, das aber eben genauso wie der Opener letztlich auch Mut macht und gegen Ende noch etwas an Fahrt gewinnt. Ein schöner Rahmen wurde also ebenfalls gesetzt. Puh, jetzt habe ich also fast alle Songs aufgezählt… Produktion soll auch toll sein, kann ich aber nicht beurteilen, weil die Promo etwas zu laut abgemischt ist. Muss also ein tolles Album sein, oder?

Ja, ist es definitiv. Wird wohl der Durchbruch für die Band werden. Musikalisch so vielschichtige Alben findet man im Bereich der deutschsprachigen Punkmusik selten. Faszinierend ist, das bei all diesen unterschiedlichen Elementen der Stil der Band nicht verloren geht und man immer erkennt, mit wem man es zu tun hat. Die Band hat definitiv eine eigene Linie gefunden. Ein wirklich großes Album, das mir 9 von 10 Punkten wert ist.

Bildquelle: Promopaket

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de, veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier und nutzt seinen alten Blog http://gripweedsgems.blogspot.de/ nur noch selten.