Captain Risiko – Vom Protest zur Paralyse

Der Name und der Albumtitel deuten es bereits an: hierbei handelt es sich um deutschsprachigen Punkrock (nicht “Deutschpunk”). Captain Risiko kommen aus der Region, genauer gesagt aus Türkismühle, und haben sich im Jahr 2011 zusammengefunden, um als global agierender Superheld das Böse der Welt zu bekämpfen.

Gemäß ihres Bandnamens wird das Album zunächst mit der Captain-Risiko-Hymne eröffnet. Das etwas alberne, aber effektive Intro ließ bei mir zuerst einmal die Erwartung herab sinken. Ich dachte zunächst an albernen Deutschpunk, aber davon ist die Band dann doch weit entfernt.

Vielmehr sind die übrigen Texte des Albums hintersinnig, witzig und vor allem politisch. Sei es die Kapitalismuskritik bei Pharmaindustrie und Zahltag Mauzi, Kritik an der russischen Politik bei Sperrstunde oder an der US-amerikanischen bei Teddybär, die Aussagen sitzen meistens. Bestes Lied ist sicherlich Es brennt!, ein Lied, das fast völlig aus Bonmots besteht:

arbeiten und stets geduckt, sonst schrumpft bald das Sozialprodukt

wer heut spuckt und morgen rennt, der bald sein Rückgrat nicht mehr kennt

das geht mir alles viel zu schnell und morgen dann noch BWL

Textzeilen wie diese sind natürlich eine wahre Freude. Solche Momente gibt es viele auf der Platte, jedoch nur bei diesem Lied in geballter Form. Die Songs sind trotz ihrer durchaus ernsten Themen nicht betroffen und verbreiten keine schlechte Laune, sondern sind zuweilen sehr fröhlich, für meine Begriffe oft schon zu fröhlich. Das stört bei den sozialkritischen Texten durchaus ein bisschen, kommt aber bei den sowieso eher positiven Liedern Weezersong und Zwischen Clowns und Passagieren, die den Eskapismus als Lösungsvorschlag anbieten, ganz gut. Auch Fuckmachine würde ich gerne hervorheben. Musikalisch bewegt man sich in der Schnittmenge zwischen Ärzte und Hosen, aber auch ernsthaftem Punkrock wie bei den seligen …But Alive annodazumals. Die Lieder sind abwechslungsreich gestaltet, zuweilen mit Ska-Rhythmen oder ungewöhnlich funkigen Passagen, also kein Drei-Akkorde-Punk. Ein gelungenes Erstlingswerk…

Das Album ist für 7 Euro im Shop der Band erhältlich. Wer auch nach diesem Review die Katze nicht im Sack kaufen möchte, kann sich auf der Website in drei Lieder, auch in meinen Favoriten, reinhören.

Bildquelle: Homepage der Band

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de, veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier und nutzt seinen alten Blog http://gripweedsgems.blogspot.de/ nur noch selten.

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