Eigentlich müsste man meinen, so ein Wechselspiel zwischen cleanem Gesang und Growls sollte allmählich seinen Effekt verlieren, hält man sich nur einmal die Vielzahl frischer Bands vor Augen, die auf einen derartigen Aufbau setzen. Zumindest bei SAPIENCY ist keineswegs die Luft raus, was wohl unter anderem an den Stimmen der beiden Fronter liegt. Einerseits kommen die uncleanen Parts angenehm kernig daher, auf der anderen Seite hat der Klargesang etwas Raues und tönt mit ausreichend Kraft, womit ein stabiles Grundgerüst für die Songs gegeben wäre.
Gespielt wird Melodeath der moderneren Art, der vor allem über das rhythmische Drumming und die hämmernden Gitarren definiert wird. Weiterhin sind im Hintergrund untermalende Keys zu vernehmen, die sich gut einfügen und die Songs durchgehend bereichern. Abgerundet wird das Gesamtbild natürlich von ein paar schönen Soli, die zwar nicht wirklich herausstechen, dafür aber mehr Farbe in die Songs bringen.
Gerade angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um das erste Album der Band handelt, muss ich den druckvollen Sound sehr loben. Viele andere Debüts scheitern an der durchwachsenen Produktion, hier hingegen wird einem eine dichte und dennoch ausreichend transparente Soundwand geboten, bei der ich mir allerdings vereinzelt die Stimmen einen Tick präsenter gewünscht hätte. Luft nach oben besteht natürlich noch, aber der Sound ist mehr als zweckmäßig. Auch der Bass lässt sich recht deutlich heraushören, was nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Die Songs selbst gehen durchgehend geradewegs ins Ohr, versprechen live ein ausgeprägtes Köpfeschütteln und wissen eigentlich gut zu gefallen. Nur untereinander hätten sie sich doch etwas mehr unterscheiden können, da man in erster Linie auf die beiden Stimmen achtet, und deren Einsatz immer mehr oder weniger nach dem gleichen Schema abläuft. Hier hätte es sich angeboten, manchmal einen anderen Aufbau einzubringen oder den Gitarren etwas mehr Wichtigkeit und entsprechend deren Spiel auch ein paar zusätzliche Highlights beizumessen.
Wo die Lieder einzeln nämlich allesamt ordentlich stark erscheinen, wird die Sache auf Albumlänge zäher als nötig. Natürlich bringen einen die spielerischen Qualitäten der Band dazu, die Scheibe trotzdem mit ordentlich Spaß durchzuhören, das hätte aber mit mehr Abwechslung auch flüssiger gehen können. Begeistern tun auch jene Stücke, die sich gleich beim ersten Durchlauf ins Gehör fressen und einen dazu motivieren, das Album immer wieder zu starten. „Parachute“ und „Isolated“ seien an dieser Stelle einmal genannt.
Insgesamt ist „Fate’s End“ eine durchaus runde Sache, mit der Sapiency eindrucksvoll ihre Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Dass von dieser Band noch einiges zu erwarten ist, dürfte jedem klar sein, der einmal reingehört hat. Zwar befinden sich auf dem Debüt noch ein paar Kinderkrankheiten, darunter der etwas zu ähnliche Aufbau der Lieder in Hinblick auf den Gesang, doch das sollten Sapiency mit Leichtigkeit in den Griff bekommen. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt auf den Nachfolger und vergebe für „Fate’s End“ 7/10 Punkte.
Anspieltipps: Parachute, Isolated

