Kleiner Umriss und Ankunft
Vergangene Woche habe ich mal wieder ein Festival besucht, nämlich das nahe der geographischen Mitte Deutschlands gelegene Rockharz. Nicht zum ersten Mal hat mich mein Weg dorthin geführt, denn bereits im Vorjahr haben mich eine gute Bandwahl, die gelungene Organisation, sowie die einladenden Rahmenbedingungen begeistert. Zum einen finde ich es stets ungemein angenehm, den Campingplatz mit dem Auto befahren zu dürfen, da somit lästiges Geschleppe wegfällt, und Wertsachen problemlos sicher verstaut werden können. Außerdem punktet das Festival am Ballenstedter Flughafen mit einer ebenen Campingfläche und der Teufelsmauer, einem Berg gleich neben dem Gelände, der jedes Jahr als kleine Attraktion von einem Großteil der Besucher bestiegen wird.
Die Anfahrt war erwartungsgemäß etwas anstrengender, schließlich befindet sich das Rockharz für mich nicht gerade um die Ecke, aber dank der Vorfreude auf ein ausgelassenes Festival ließ sie sich doch gut bewältigen. Nach der Ankunft mussten wir auch nicht lange bis zur Kontrolle am Einlass zum Camping warten, denn der Besucheransturm wurde in angemessenem Tempo bewältigt. Einmal drin, war es dann jedem selbst überlassen, wo er sich niederließ, lediglich die zahlreichen und sehr breiten Wege zwischen den Zeltreihen durften nicht belegt werden.
Für das Camping geht jedenfalls ein großes Lob an die Organisation, denn der Platz war mehr als ausreichend für das ausverkaufte Rockharz. Statt wie bei anderen Festivals ständig dem Nachbarn auf die Pelle rücken zu müssen, haben hier alle Gäste genügend Raum, um sich auszubreiten.
Am ersten Abend haben in einem Zelt schon einige Bands gespielt, viel davon habe ich allerdings nicht gesehen, weshalb ich zu diesen Gruppen nichts im Artikel schreiben kann. Flutlichter waren ebenfalls vorhanden, standen allerdings nur auf einer Seite des Campgrounds. Zwar reichte es, um sich zu orientieren, wirklich viel gesehen haben wir am anderen Rand des Platzes allerdings nicht. Ohnehin müde von der Anreise war mir das allerdings ziemlich egal, und ich legte mich mit Vorfreude auf die nachfolgenden Konzerte ins Zelt.
Drone
Gleich die erste Band des Tages hat es ziemlich schlimm getroffen. Kurz vor der angepeilten Eröffnungszeit des Geländes stürmte es, und aufgrund heftiger Windböen musste der Einlass bis auf unbestimmte Zeit verwehrt werden. Während sich einige Pavillons und Zelte selbst abbauten, wurden die Fans vor dem Eingang immer zahlreicher und mussten warten, bis sich der Wind wieder legte, und ein paar Schäden auf dem Festivalgelände behoben waren.
Dies zog sich unglücklicherweise bis in die Hälfte der angesetzten Spielzeit der deutschen Thrasher, weshalb es nur knappe vier Songs zu begutachten gab. Auch der Sound war nicht so wirklich gut, denn wo die Drums extrem laut aus den Lautsprechern schallten, fehlte es Gitarren und Stimme an Druck. Gerade angesichts der gelungenen Gesangsleistung war das ziemlich schade, schließlich setzen Drone gerade in dieser Hinsicht einige Akzente.
Trotz aller unglücklichen Umstände versuchte die Band, möglichst viel aus dem gekürzten Auftritt herauszuholen, was um die frühe Stunde sicherlich kein einfaches Unterfangen war. Die Leute wurden schlussendlich doch recht schnell wachgerüttelt und kamen der Anforderungen nach, den nassen Boden vor der Bühne ordentlich umzupflügen.
Natürlich reichte es dem Wetter nicht, bloß ein einziges Mal zu stören, denn mitten im Auftritt gab es noch einen kleinen Regenschauer, der nicht unbedingt förderlich für die Stimmung war. Drone sahen darüber hinweg, nahmen die Sache mit Humor und zeigten sich dankbar für alle Fans, die sich ungeachtet des Regens vor der Bühne austobten und den kurzen Auftritt genossen.
Gespielt wurden Songs aller drei Alben, darunter die Opener „Format C“ und „Boneless“ der beiden aktuellsten Scheiben. Viel kann ich nicht zur Songauswahl sagen, denn bei nur vier Stücken ist man als Band eben ziemlich limitiert, und dass die Auswahl der gespielten Titel sehr kurzfristig erfolgt war, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Mir hat der Auftritt trotz aller Probleme Spaß gemacht, bei ganzer Spielzeit wäre es sicherlich ein flottes und motivierendes Konzert gewesen.
Night In Gales
Die zweite Band auf meiner Liste ist erst im vergangenen Jahr mit ihrem neuen Album „Five Scars“ wieder von den Toten auferstanden. Mein Interesse haben Night In Gales im Voraus damit geweckt, dass am Mikro mit Björn Goosses keineswegs ein unbekanntes Gesicht steht, immerhin leistet der Mann auch bei The Very End eine hervorragende Gesangsarbeit mit viel Wiedererkennungswert.
Losgelegt wurde vor dem in der Running Order angegebenen Zeitpunkt, weshalb ich das erste Lied leider nur aus der Ferne gehört habe. Gespielt wurde gerade im ersten Teil des Auftritts bevorzugt das neue Material, wobei der Sound diesmal glücklicherweise ziemlich gut war. Lediglich die hohen Screams waren manchmal einen Tick zu leise, der cleane Gesang dagegen kam in angemessener Lautstärke daher.
Insgesamt wirkte die stimmliche Leistung sehr kontrolliert und wusste durchgehend zu begeistern, wobei Night In Gales sich gerade bei den neuen Stücken auch instrumental keine Blöße gaben. Melodische Gitarren trieben durch die Songs und prägten sich sofort ein, noch dazu waren die Lieder sehr abwechslungsreich und zeugten von langjähriger Erfahrung.
Auch im Bezug auf das Bühnenleben punkteten Night In Gales, was vor allem der Verdienst des Bassisten und des Sängers war. Beide animierten unablässig das Publikum, untermalten die Musik mit passender Gestik und hielten die Leute durchgehend bei der Stange. Die Gitarristen hätten etwas mehr Bewegung zeigen können, ihre Zurückhaltung wurde allerdings vom agilen Bassisten problemlos aufgefangen. Selten habe ich einen Musiker erlebt, der auf der Bühne so viel Spielfreude zeigt wie dieser Mann, was meiner Stimmung sehr zugutekam.
Zum Schluss wurden dann auch ein paar ältere Titel gespielt, was einen gewissen Bruch mit sich trug. Die neueren Lieder sind allesamt sehr viel melodischer, während die anderen Sachen eher zum Geknüppel neigen. Dies sorgte zwar für ausgiebig durchgeschüttelte Mähnen, hat aber in meinen Augen nicht so recht ins Gesamtbild gepasst. Allerdings muss man berücksichtigen, dass es auch irgendwie ziemlich komisch wäre, wenn man die Bandhistorie einfach ignoriert und durchgehend Songs vom neuen Album gespielt hätte. Der Auftritt als Ganzes war trotzdem sehr stark und hat ungemein viel Spaß gemacht. Gerne wieder!
Municipal Waste
Bei diesem Konzert muss ich zugeben, dass ich mich anfangs ziemlich schwergetan habe. Einerseits ist die eingeschlagene Stilrichtung nicht jedermanns Sache, und ich musste die ersten Lieder über hineinfinden, andererseits war auch der Bass sehr laut aufgedreht, was einen enormen Kontrast zu den anderen Bands dargestellt hat. Einen Moment lang hatte ich mir überlegt, lieber am Camping ein Bier zu trinken, schlussendlich habe ich mich doch durchgebissen, und es hat sich gelohnt.
Ein enormer Pluspunkt war jedenfalls die humorvolle Art der Band. Passend zur Musik waren die Ansagen ziemlich stumpf aber auch sehr lustig, da sie stets Anspielungen auf die sinnbefreiten Texte der Lieder enthielten und auch sonst noch ein paar gelungene Gags zündeten. Viel reden tat die Band nicht, dafür wurde umso mehr gespielt. Verständlich, immerhin sind die Songs recht kurz, da kann man nicht dauernd ausschweifende Reden schmeißen.
Anfangs hat es recht anstrengend angemutet, dass sich die Lieder auf Anhieb untereinander nicht besonders stark unterscheiden, kaum war ich allerdings einmal in der Musik drin, ist der Auftritt wie im Flug vorbeigezogen. So muss es wohl auch dem restlichen Publikum ergangen sein, denn mit der Zeit ist immer mehr Bewegung unter die Leute gekommen, was zu ausgedehnten Circle Pits geführt hat. Ansonsten gab es auch viel Gepoge, die Stimmung unter den Zuschauern war also durchgehend gut.
Ein lustiges Detail war wohl, dass die Band auch einmal vor einem Lied bereits nach einen Circle Pit verlangt hat, und erst nachdem sich die Leute von der Stelle rührten, wurde gespielt. Zwar gab sich die Band recht stationär, irgendwo passte das allerdings auch zu ihrer Art, denn ordentlich Laune verbreiteten sie trotzdem.
Der Auftritt selbst war eine runde Sache, besonders wenn zwei- oder gar dreistimmig gesungen wurde, fiel auf, dass es sich um eine eingespielte Truppe handelte. Das antreibende Songmaterial wurde sauber und angemessen rübergebracht, und vereinfacht gesagt hat das Zuhören ordentlich Spaß gemacht.
Sepultura
Dass ich diese Band überhaupt gesehen habe, war mehr Glück als Verstand. Vor dem Festival hatte ich mir nicht noch einmal die Mühe gemacht, um alle auftretenden Bands durchzugehen, wobei ich mich voll und ganz auf die Running Order vor Ort verlassen wollte. Aus welchem Grund auch immer war der Slot von Sepultura darin allerdings einfach leer, und nur durch ein Gespräch auf dem Camping kurz vor dem Auftritt der Band wurde ich wieder an die Brasilianer erinnert, verpasste allerdings zu meinem Bedauern den Anfang der Show.
Von weiter hinten begutachtete ich also den sehr rhythmischen Thrash, wobei mir an meiner Position die Stimme etwas zu sehr in den Hintergrund geriet. Auch ansonsten erschien mir der Sound nicht so ganz gelungen zu sein, was womöglich auf die große Entfernung zur Bühne zurückzuführen war. Irgendwie wirkten die Instrumente etwas matschig, ein Genickbruch war es allerdings nicht.
Der Auftritt selbst gefiel mir recht gut, wobei ich so weit hinten leider wenig von der Stimmung mitbekam und entsprechend auch nicht so wirklich mitgerissen wurde. Die Musik punktete trotzdem durch ihren eigenwilligen Stil. Das exotisch angehauchte Songmaterial war eine schöne Abwechslung zu den anderen Bands, und auch das Bühnenleben wusste zu gefallen, da genug Bewegung und Showeinlagen geboten wurden.
Für Erstaunen sorgte Andreas Kissers Sohn, der für ein Lied seinen Vater an der Gitarre ersetzen durfte und im jungen Alter bewies, dass sich der Nachwuchs nicht zu verstecken braucht. Bei diesem Titel zeigte sich auch der Sänger von einer anderen Seite, indem er auf einer eigenen Trommel dem Drummer unter die Arme griff, was einen ziemlich gelungenen Effekt mit sich brachte.
Sympathisch war auch, dass viele Ansagen in deutscher Sprache erfolgten, was für einen amerikanischen Sänger nicht unbedingt selbstverständlich ist. Die Band hat sich jedenfalls ordentlich ins Zeug gelegt und nichts unversucht gelassen, um ihrem Konzert die nötige Würze zu verleihen. Wie gesagt wurde ich leider recht wenig mitgerissen, da ich sehr weit hinten stand, gefallen hat es mir trotzdem. Wegen der verpassten, ersten Lieder wirkte der Auftritt auf mich auch ziemlich kurz, weshalb ich die Band beim nächsten Mal ganz und von einer besseren Position aus anschauen möchte, sofern nicht wieder eine Lücke in der Running Order im Weg steht. Das war eben Pech.
Rage
Auf Rage hatte ich mich im Voraus richtig gefreut, da ich sie bisher leider noch nie live gesehen hatte. Entsprechend war ich schon etwas früher da und musste ziemlich lange warten, denn bei Hatebreed hatte es zuvor einen Stromausfall gegeben, wobei die Spielzeit einfach verlängert wurde, und Rage erst eine halbe Stunde später als geplant anfingen. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit ließen sich die Fans davon nicht beeindrucken und verharrten eisern vor der Bühne, bis die Band schließlich anfing.
Losgelegt wurde mit einem ordentlichen Block an Material vom neuen Album, wobei auch ein paar meiner Favoriten, wie etwa „Forever Dead“ und „Serial Killer“ gespielt wurden. Bekanntlich sind die aktuellen Songs ja wieder etwas härter, gerade live haben sie aber ungemein viel Spaß gemacht und viel stärker als auf dem Album gewirkt. Grund dafür dürfte unter anderem der quasi makellose Sound gewesen sein, denn außer der dezent schneidenden Bassdrum zu Beginn der Show ließ sich absolut nichts bemängeln.
Faszinierend bei Rage fand ich unter anderem, wie nur drei Männer eine so dichte Klangmauer auf die Beine gestellt haben. „No Regrets“ etwa kam im Gegensatz zur Albumversion ohne Orchester daher und wirkte dennoch keineswegs zu leer. Bei diesem Lied und gleich im Anschluss „Empty Hollow“ kam auch eine weibliche Gastsängerin hinzu, die ihre Arbeit durchaus gut machte, in meinen Augen allerdings einen Tick zu laut war und Peavy manchmal übertönte.
„Empty Hollow“ war dann auch der Song, den ich auch in Zukunft gerne jedes einzelne Mal bei Konzerten dieser Band hören möchte. Kaum ein Lied hat mich live bisher so begeistert wie dieses Juwel vom zweitletzten Album, da konnten selbst die später vorgetragenen Klassiker wie etwa „Higher Than The Sky“ in meinen Augen nicht ganz heranreichen.
Auch abseits vom Musikalischen hat die Band eigentlich in jeder Hinsicht gepunktet. Die Ansagen waren nicht zu lang und haben trotzdem deutlich gemacht, wie viel Spaß die Band auf der Bühne hatte, zudem war man sich auch für ein kleines Experiment nicht zu schade, was Victor Smolskis kleine Reggae-Einlage in einem Lied bewies.
Die instrumentale und gesangliche Glanzleistung trug definitiv Früchte, denn sichtbar angetan von der grandiosen Stimmung im Publikum wurde nach Ablauf der eigentlichen Spielzeit mit „Soundchaser“ noch eine Zugabe vorgetragen. Da Rage die letzte Band des Abends war, konnten sie sich diesen Dank an die Fans erlauben, und mit Sicherheit hätte nicht jede Band spontan überzogen, um sich für das tolle Publikum zu bedanken. Genau so muss ein durchgehend gelungenes Konzert aussehen, dies war zweifellos eines meiner Highlights!
Engel
Eine ziemlich positive Überraschung erwartete mich mit Engel aus Göteborg, die sich dem modernen Melodeath verschrieben haben. Im Vorfeld hatte ich nur kurz hineingehört und die Band für gut befunden, so wirklich befasst hatte ich mich mit ihnen allerdings nicht. Nun, das wird sich wohl in Zukunft ändern, denn das Konzert hat richtig Laune gemacht.
Zwar war der Sound nicht so wirklich das Gelbe vom Ei, denn der cleane Gesang war oftmals nicht deutlich genug zu vernehmen, und den Bass hatte man deutlich zu laut aufgedreht, wobei dieser auch nervigerweise etwas wummerte und dadurch alles andere als klar zu vernehmen war. Zum Glück ließen sich wenigstens die mächtigen Screams in aller Pracht vernehmen, und auch von den Gitarren her gab es keine Probleme. Lediglich die zahlreichen klaren Gesangseinlagen haben manchmal vom Sound her nicht den beabsichtigten Effekt entfaltet.
Tadellos funktioniert hat dagegen das Bühnenleben, denn gerade der Frontmann hat die Meute ordentlich angespornt, wobei auch seine Bandkollegen sich nicht scheuten, den Kontakt zum Publikum zu suchen und ordentlich Stimmung aufleben zu lassen. So entstanden dann auch ein paar Circle Pits, die ziemlich weit nach vorne reichten und anschließend öfters in ausgelassenes Gepoge übergingen.
Dies dürfte auch für die Band ziemlich erfreulich gewesen sein, denn sofern ich mich nicht verhört habe, wurde von einem Lied ein Mitschnitt angefertigt, welcher auf einer zukünftigen Veröffentlichung zu finden sein wird. Nach dieser Ankündigung standen Engel ohnehin auf der gewonnenen Seite, schließlich lässt man sich vor laufender Kamera als Fan nicht zweimal um etwas Bewegung bitten.
Zwischendurch wurde auch kurz der Vater des Drummers auf die Bühne geholt, um ihm vor versammelter Mannschaft zum Geburtstag zu gratulieren, bevor gleich wieder in bester Manier weitergebrettert wurde. Wie bereits erwähnt, ging durch den Sound einiges verloren, trotzdem haben Engel einen runden Auftritt abgeliefert, der sich so eben mehr über die uncleanen Gesangseinlagen definiert hat, als es normalerweise der Fall gewesen wäre.
Blind Guardian
Man merkt, ich war am zweiten Tag einigermaßen faul, da ich bereits an zweiter Stelle über den Headliner schreibe, aber das Camping war eben sehr gemütlich, und auch die Teufelsmauer wollte zwischendurch bestiegen werden. Nun zurück zu Blind Guardian, die achtzig Minuten lang vor einem äußerst zahlreichen Publikum das vertraute Songmaterial zum Besten gaben.
Vertraut trifft auch insofern zu, dass die Band bei all ihren Hits nicht sonderlich viel Spielraum hat, was die Songwahl betrifft. Folglich hatte ich alle Lieder bereits bei früheren Auftritten gehört, ebenso blieben die Ansagen ähnlich, die aber ohnehin meist daraus bestanden, dass der nächste Titel vorgestellt wurde. Auch ein paar Sätze zum Festival und dessen Eigenheiten fielen, Hansi sprach also durchaus spontan und leierte keineswegs seine Pflichtsätze herunter, was in meinen Augen doch viel ausmacht.
Wie gewohnt hat das Material ordentlich mitgerissen, die Stimmung im Publikum war exzellent, und nahezu alle haben kräftig mitgesungen und den Auftritt genossen. Das Hörerlebnis war wie bei jedem Konzert der Band ausgezeichnet, die Höhepunkte folgten einander in sehr kleinen Abständen, und Blind Guardian waren in Höchstform. Auch am Sound ließ sich absolut nichts bemängeln, der Auftritt war also durchgehend auf höchstem Niveau.
Zu meiner Freude wurden auch ein paar Nummern gespielt, die zumindest ich selbst noch nicht so oft live gehört habe, darunter etwa „A Past And Future Secret“. Bis in die vorderen Reihen hat es mich zwar nicht gezogen, da ich Blind Guardian dieses Jahr schon unzählige Male gesehen habe, dennoch wurde mir keineswegs langweilig. Die Lieder taugen einfach immer wieder zum begeisterten Mitsingen, gerade bei „The Bard’s Song (In The Forest)“ dürfte kaum eine Kehle untätig geblieben sein.
Das Konzert war also eine gewohnt gelungene Reise durch sämtliche Schaffensphasen der Krefelder, bei dem sowohl alte Stücke wie „Majesty“, sowie neueres Material, darunter „Sacred Worlds“ vorgetragen wurde. Auch wenn ich mir jedes Mal im Voraus denke, mittlerweile sollte es doch allmählich einmal langweilig werden, wissen Blind Guardian stets zu begeistern. Nur in den vorderen Reihen stehen muss ich dann doch nicht mehr unbedingt, die Stimmung lodert bei diesen Musikern nämlich auch weiter hinten.
Paul Di’Anno
Zu sehr fortgeschrittener Stunde gab es immer noch mehr als nur eine Hand voll Festivalbesucher, die eisern der Müdigkeit trotzten und sich vor der Bühne versammelten, als der ehemalige Sänger der legendären Band Iron Maiden zu seinem Auftritt ansetzte. Eigentlich hätte Paul Di’Anno ja schon im Vorjahr auftreten sollen, aber das hatte ja nicht so wirklich geklappt, weshalb das nun nachgeholt wurde.
Ich hätte mir allerdings mehr Zuschauer erwartet, immerhin hat der gute Mann vor einer Weile angekündigt, sich bald zur Ruhe zu setzen. Für ordentlich Stimmung vor und auf der Bühne hat es dennoch ausgereicht, zumal die anwesenden Leute durchgehend mitgesungen und gefeiert haben, wie es sich für einen derart gelungenen Auftritt gehört.
Zwar war die Show fast so schlicht wie das verschwindend kleine Backdrop, dennoch hat das Spiel alleine unglaublich viel Stimmung gemacht, und der Band hat man ordentlich Spaß auf der Bühne angemerkt. Leider war gerade die Stimme einen ordentlichen Schuss zu leise, aber da hat das Publikum zum Glück gut mitgeholfen, schließlich haben fast alle Leute textsicher mitgesungen und das Konzert zu einem wahren Erlebnis gemacht.
Gespielt wurden viele Klassiker aus Pauls Maidenzeit, aber auch sein späteres Schaffen wusste zu begeistern. Gerade bei „Charlotte The Harlot“ oder dem abschließenden „Running Free“ war das Zuhören und Mitsingen einfach nur ein Riesenspaß, der gerne hätte länger dauern können. Eine Dreiviertelstunde war entschieden zu wenig, um die ganzen Klassiker auch nur annähernd alle unterzubringen, und gerade bei der aufgebauten Stimmung hätte ich mit Freude doppelt so lange da gestanden.
Natürlich war gerade der Sound ein gewisser Dorn im Auge, da man den namensgebenden Sänger der Band zeitweise nicht deutlich heraushörte. Schade, dass es wohl nicht mehr viele Gelegenheiten geben wird, um Paul Di’Anno live zu erleben, denn die Band macht eine richtig gute Arbeit. Selbst ich als jemand, der Maiden nur gelegentlich hört, zähle diesen Auftritt zu den spaßigsten und interessantesten Darbietungen auf dem diesjährigen Rockharz.
Chthonic
Aus zweierlei Gründen habe ich mich auf das Konzert dieser taiwanesischen Black Metal Band gefreut: einerseits machen diese Leute echt gute Musik, die sich angenehm von den Genrekollegen abhebt, andererseits frage ich mich seit ich sie kenne, wie man diesen Namen überhaupt ausspricht. Nun, jetzt weiß ich es, verrate es aber hier niemandem, damit sich die Leute jetzt voller Spannung auf das nächste Konzert begeben, denn einen starken Auftritt haben sie entsprechend meiner Erwartungen ebenfalls abgeliefert.
Auch wenn es sich um Black Metal handelt, hätte so eine unheilige Zeit nicht unbedingt sein müssen, zwanzig nach elf zählt für mich schließlich noch zu den frühen Morgenstunden. Nun, was macht man nicht alles für gute Musik? Viele Leute hatten den gleichen Gedankengang, denn vor der Bühne war tatsächlich ein recht ordentliches Publikum zusammengekommen.
Als Aushilfsdrummer hatte man zwar einen Europäer genommen, die restlichen Bandmitglieder erschienen dagegen in einer sehr eigenwilligen Montur und brachten damit allein optisch ein ordentliches Maß an Abwechslung mit, schließlich sieht man nicht jeden Tag ein paar Asiaten so richtig ansehnlichen Black Metal machen. Neben ordentlich Tempo und Härte stachen mir zwei Sachen sehr positiv ins Auge: einerseits wurde das normale Spektrum an Instrumenten durch ein sogenanntes Er-Hu ergänzt, welches vom Sänger gespielt wurde, weiterhin brachten Chthonic durchaus melodische und erfrischend mitreißende Soli in ihre Lieder ein.
Das Gitarrenspiel wusste überhaupt sehr zu gefallen, nachdem es ab der Mitte des ersten Songs zu hören war, denn gleich zu Beginn der Show hatte es einen Ausfall gegeben. Auch sonst blieb die Band nicht so ganz von Problemen verschont, denn einerseits war der Bass einen Tick zu präsent und hat leicht gewummert, weiterhin haben sich auch die Drums von der Lautstärke her nicht so ganz eingefügt, und die Stimme war in den Höhen zu leise. Dabei war es gerade diese Tonlage, wo der Frontmann seine Stärken entfaltete.
Leider hatte man es nicht unbedingt gut mit Chthonic gemeint, und sie mussten bereits nach einer halben Stunde die Bühne wieder räumen. Während dieser Zeit haben sie jedoch alles gegeben und auch massig Zuspruch erhalten, meine Erwartungen hat die Band jedenfalls erfüllt, wenn nicht gar übertroffen. Gerade um diese Uhrzeit schon so mitgerissen zu werden, hätte ich absolut nicht erwartet.
Gernotshagen
Es folgte wieder eine deutsche Band, die Gangart blieb aber recht hart. Gernotshagen spielen episch angehauchten Pagan Metal mit dezenten Influenzen aus dem Bereich des schwarzen Metals. In altertümlich angehauchten Trachten betraten sie nach dem ruhigen Intro schließlich die Bühne und legten mit dem Titelstück des neuen Albums „Weltenbrand“ los, welches etwas gemütlicher daherkommt, dennoch auf seine Weise mitreißend wirkt.
Besonders die kräftige Stimme fiel mir gleich auf, die stets von tiefen Growls auf ziemlich hoch angesiedelte Screams sprang und dabei durch eine konstant saubere Leistung punktete. Ebenso waren die Texte in deutscher Sprache eine schöne Abwechslung, zumal sie wirklich gut zur Musik passten und ein rundes Gesamtbild erzeugten. Auch der Sound war bei Gernotshagen eigentlich sehr gut, lediglich die Bassdrum war zu Beginn des Auftritts deutlich zu laut, fügte sich mit der Zeit aber besser ein, sodass man alle Instrumente schön heraushören konnte.
Den Löwenanteil an der Show übernahm der Sänger, welcher sich durchaus agil über die Bühne bewegte und sehr häufig das Publikum dazu anstachelte, Initiative zu zeigen. Leider waren die restlichen Bandmitglieder verhaltener, lediglich der Keyboarder wagte häufigeren Blickkontakt zum Publikum, wirkte aber recht starr. Die Saitenfraktion dagegen schien neben etwas Headbanging auf ihr Spiel konzentriert und versäumte es, die Zuschauer zum Mitmachen zu motivieren.
Gerade an dieser Stelle wurde doch etwas Potenzial verschenkt, denn die langsamen Passagen wirkten manchmal etwas schleppend, da hier die optischen Reize fehlten. Viel hat es nicht ausgemacht, doch Luft nach oben besteht in dieser Hinsicht durchaus, wobei das Publikum trotzdem gut mitgezogen ist. Manche Passagen wurden auch mitgesungen, ein paar Fans hatten sich vor der Bühne also durchaus versammelt.
Mir persönlich haben Gernotshagen durchaus gefallen, da man eine derartige Band nicht alle Tage hört. Gerade die deutschen Texte waren eine angenehme Bereicherung, da sie sich gut einfügten und mit der vergleichsweise härteren Aussprache gut zur Stimme passten. Ich hatte erwartet, dass Gernotshagen live wohl nicht ganz meine Baustelle sind, obwohl ich sie von den Alben her eigentlich mag, aber da wurde ich definitiv eines Besseren belehrt. Guter Auftritt, der mich gerne noch öfter zu dieser Band führen wird.
Deadlock
Richtig blöd erwischt hat es Deadlock gleich zu Beginn der Show: einer der Gitarristen, Gert Rymen, war nicht dabei, und den anderen Saitenhexer suchte gleich beim ersten Song ein Ausfall der Gitarre heim. Nun, immerhin dröhnte die eine Gitarre noch vom Band, während fleißig daran gearbeitet wurde, auch die andere wieder funktionstüchtig zu machen. Es war halt ein ziemlich ungewohntes Bild, keine Gitarre auf der Bühne zu erspähen, als ich mit etwas Verspätung angekommen war.
Zum Glück wurde schnell Abhilfe geschaffen, und zu meiner Erleichterung entpuppte sich der Sound als sehr sauber und transparent. So machte der Auftritt gleich viel mehr Spaß, wobei das Wechselspiel zwischen Growls und klarem, weiblichem Gesang wie gewohnt einen schönen Kontrast mit sich brachte. Beide Stimmakrobaten legten eine absolut ansehnliche Leistung an den Tag und hatten das Publikum innerhalb weniger Augenblicke fest im Griff, wobei sich hauptsächlich der männliche Fronter um die Ansagen kümmerte.
Der ehemals am Bass positionierte Sänger fügte sich aufgrund der Ähnlichkeit seiner Stimme zum vorherigen Frontmann gut in die Lieder ein und punktete mit seinen ausgelassenen und humorvollen Sprüchen bei den Zuschauern. Besser hätte die Stimmung kaum sein können, was sich spätestens dann bemerkbar machte, als auch männliche Festivalbesucher eifrig den weiblichen Gesang aufgriffen und bei beliebten Titeln wie „Awakened By Sirens“ und „The Brave/Agony Applause“ ordentlich feierten.
Der Sänger war sich dabei auch nicht zu schade, um ab und zu hinunter zum Publikum zu steigen und dort weiter die Meute anzustacheln, während oben eine saubere Instrumentalkulisse mit superben Soli aufgefahren wurde. In derart guter Form hatte ich die Band bislang selten erlebt, wobei ich schon ein paar ihrer Auftritte begutachten durfte.
Bevorzugt wurden das aktuelle Album und das etwas ältere „Wolves“ bespielt, von dem immerhin drei Titel ihren Weg in die Setlist fanden. Darunter war natürlich auch das obligatorische „End Begins“, dessen Mittelteil mit einem Technopart immer für ordentlich Stimmung sorgt, und das sich als Rausschmeißer außerordentlich gut geeignet hat. Leider hat es nur knappe vierzig Minuten gedauert, bis die Bühne geräumt wurde, denn außer dem Fehlen eines Gitarristen hat eigentlich alles gestimmt.
Freedom Call
Zu diesem Konzert habe ich eine Theorie: vor Freedom Call hat das Wetter sich noch einmal so richtig von seiner schlechtesten Seite gezeigt, aber nachdem das sonnige Gemüt der deutschen Power Metal Truppe die Zuschauerreihen erblickt hat, verflüchtigten sich die Wolken mitsamt der nervigen Regenschauer für den Rest des Tages. Ich denke, Freedom Call haben mit ihrer lustigen Art die Sonne zurückgebracht.
Nunja, das mag Unfug sein, aber für ordentlich viel gute Laune haben die selbstbetitelten Happy Metaller dennoch gesorgt. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht wurden Lieder aus mehreren Alben der Band zum Besten gegeben, wobei die neue Scheibe wohl den Löwenanteil eingenommen hat. Titel wie „Hero On Video“ oder „Rockstars“ waren live ungemein stärker als auf dem Album und haben die gute Laune der Band in rasantem Tempo auch unter die Zuschauer gebracht.
Zum Glück war auch bei Freedom Call der Sound richtig gut, nur schien mir die Musik im Allgemeinen reichlich laut aufgedreht zu sein, da wäre etwas weniger doch mehr gewesen. Nach den ersten Liedern hatte man sich allerdings daran gewöhnt und sang eifrig mit, was so auch ziemlich oft von der Band gefordert wurde. Gerade angesichts der eingängigen Songstrukturen war das nicht sonderlich schwierig, wobei mit „The Quest“ auch eine epischere Nummer ihren Einzug in die Setlist fand.
Gassenhauer wie das nach der Band benannte „Freedom Call“, das beliebte „Warriors“ oder der Rausschmeißer „Land Of Light“ durften natürlich nicht fehlen, damit alle Fans auf ihre Kosten kamen. Besonderes Highlight waren meiner Meinung nach die durchgehend lustigen und animierenden Ansagen des Sängers, sowie seine herrliche Gestik, die allen Songs Leben einhauchte und das Konzert zu einer riesigen Party machten.
Gerade am letzten Tag des Festivals waren Freedom Call genau das Richtige, um nach all dem Regen und den zurückliegenden Anstrengungen mit guter Laune die Musik zu genießen und gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verbringen. Manch einem mag es auf dem Album zu viel des Guten sein, aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir kaum eine besser geeignete Band vorstellen können als Freedom Call. Richtig großes Kino, das auch den musikalischen Anspruch nicht vermissen ließ, gerne wieder!
Knorkator
Mit einem freundlichen Gruß an das Auditorium hat es angefangen, und geendet hat es mit johlendem Beifall und dem Verlangen nach mehr. Knorkator sind eine Sache für sich und gleichzeitig auch eine halbe Sensation, was man nicht nur anhand der überaus hohen Zuschauerzahl gemerkt hat. Seit sie mit Aufhören aufgehört haben, machen Knorkator wieder die Bühnen Deutschlands unsicher und sind dabei so frisch und amüsant wie eh und je.
Was da für ein Feuerwerk an Absurditäten auf der Bühne aufgefahren wurde, lässt sich schwer in Worte fassen. Man muss es einfach erlebt und darüber gelacht haben, den ganzen Gags kann man schriftlich einfach nicht gerecht werden, so herrlich spontan und durchgeknallt waren die Showeinlagen und Ideen der Band. Wer sonst außer Stumpen und Alf Ator fangen aus heiterem Himmel plötzlich damit an, sich auf der Bühne mit einem Ball und Federballschlägern zu amüsieren? Wer sonst fordert das Publikum auf, kurzerhand alle Crowdsurfer in die Richtung des Mischpultes zu werfen? Wer sonst bittet eine Hand voll korpulenter Leute auf die Bühne, wo sie sich hinlegen sollen, nur um mit ordentlich Anlauf auf sie zu springen?
Nun, Knorkator haben sich ihren einzigartigen Status mit viel Mut zu neuen Ideen erarbeitet und ernten nun die Früchte, denn das Konzert war von der Stimmung her einfach nur unglaublich. Die vorgetragenen Klassiker, sowie das neue Material wurde fast durchgehend mitgesungen, manche Leute waren schon von Anfang an vollkommen aus dem Häuschen, und die Band hat das alles mit den typisch sinnlosen Ansagen gebührend kommentiert. Mal in feinem Tonfall, mal absichtlich beleidigend hat Stumpen seinen Status als Rampensau ohne gleichen noch einmal unterstrichen und dabei auch das Musikalische nicht zu kurz kommen lassen.
Der Mann kann singen, und das hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt, genau so wie es Alf Ator bei seinen Nummern wie „Böse“ getan hat. Der Rest der Band hat sich bis auf die Gastgitarristin Jen wie gewohnt im Hintergrund gehalten und Hits wie „Alter Mann“ oder das simpel betitelte „A“ artgerecht in Szene gesetzt.
Eines kann ich mit Sicherheit behaupten: nach diesem Konzert waren nahezu alle Besucher ausgepowert. Eine solche Stimmungsexplosion erlebt man eigentlich nur bei Knorkator, und das will etwas heißen. Wo auch immer diese Truppe spielt, sorgt sie bei Freunden des absurden Humors für ein Übermaß an Begeisterung, alle anderen werden sich dagegen wohl nie mit ihnen anfreunden können. Aber nicht bloß die Witze wussten zu gefallen, sondern auch das Spiel an sich, weshalb Knorkator zweifellos eines meiner Highlights waren.
Amon Amarth
Die letzte Band vor meiner Abreise war dann auch der Headliner des Abends. Reichlich erschöpft von Knorkator und mit Hinblick auf die zähe Rückreise in der Nacht freute ich mich doch auf die schwedischen Todesmetaller, gerade da mir das zurückliegende Konzert auf dem Graspop eigentlich sehr gut gefallen hatte.
Nachdem noch kurz die Danksagungen der Festivalorganisation erfolgt waren, betraten die bärtigen Musiker die Bühne und legten mit ordentlich viel Härte los. Leider war es wieder einmal der Sound, der diesmal absolut nicht stimmte. Der Bass war viel zu laut und wummerte stark, sodass sich die ersten Lieder wirklich sehr in die Länge zogen, bis ich mich allmählich daran gewöhnte. Dieses Problem zog sich zu meiner Bestürzung durch den ganzen Auftritt, was mir doch sehr die Freude nahm.
Dabei spielte die Band eigentlich richtig gut, und man merkte ihnen eine Menge Spaß an ihrem Auftritt an. Auch die Auswahl der Lieder war durchgehend gelungen, so wurden neuere Titel wie etwa „Destroyer Of The Universe“ oder das melodische „For Victory Or Death“ neben Klassikern wie „Victorious March“, „The Pursuit Of Vikings“ oder „Twilight Of The Thunder God“ zum Besten gegeben, die erheblich unter dem Sound litten.
Zumindest in den hinteren Reihen schien es vielen Leuten ähnlich wie mir zu ergehen, denn dort schüttelte kaum einer die Mähne, von motiviertem Mitsingen war überhaupt keine Spur zu sehen. Immerhin motivierte die Show, denn Amon Amarth hatten Flammen und Feuerwerkskörper im Gepäck, die üppig eingesetzt wurden und neben der gelungenen Kulissen ein optisches Highlight darstellten.
Es ist schade, dass ich die Qualitäten der Band an dieser Stelle nicht mit einer von Begeisterung durchsetzten Kritik angemessen loben kann, denn sie haben eine durchgehend gute Arbeit abgeliefert, nur wollte der Funke an diesem Abend einfach nicht überspringen. Immerhin war es nicht das Verschulden der Musiker, weshalb ich sie mir zu einem späteren Zeitpunkt zweifellos noch einmal ansehen werde. Ich bin mir sicher, dann wird es klappen, hier war es mir mit der Müdigkeit in den Knochen und dem schlechten Sound einfach nicht möglich, das Konzert gebührend zu genießen.
Abreise und Rückblick auf das Festival
Der Regen hatte seine Spuren hinterlassen, weshalb wir mit dem Auto nur schwer vorankamen, außerdem war der ursprüngliche Ausgang mittlerweile überhaupt nicht mehr befahrbar, und die Abreisenden mussten an einer anderen Stelle das Gelände verlassen. Die Bedingungen stellten das Personal nicht zum ersten Mal im Verlauf des Festivals auf eine harte Probe, doch die Umstände wurden eigentlich recht gut gehandhabt, sodass wir uns schnell wieder auf festem Untergrund befanden.
Auch während des Festivals gab es für mich kaum Grund zur Kritik, vom suboptimalen Sound teilweise einmal abgesehen. Das Rockharz war trotz der unschönen Wetterbedingungen ein sehr gemütliches Festival, das ich gerne noch oft besuchen werde. Mit zehntausend Besuchern lässt es sich gut feiern, ohne dass alles zu groß wird. Stattdessen wirkt das Rockharz von seiner Art her eher familiär und entspannt, bietet ein starkes Lineup und kostet nicht zu viel.
Nur ein Punkt hat mich zeitweise wirklich gestört, denn der Geldautomat war eine Weile außer Betrieb, und eine Alternative dazu gab es nicht. Aufgrund meiner leeren Brieftasche mit nichts als Plastikgeld im Inneren war das ziemlich fatal, da ich auf die Finanzen meiner Begleiterin ausweichen musste, statt mein Essen an den zahlreichen Buden selbst zu bezahlen. Hier würde ich mir für das nächste Jahr eine weitere Station wünschen, wo sich das Portemonnaie wieder füllen lässt.
Außerdem habe ich mich ein paar Stunden lang fragen müssen, wo es diese praktischen Running Orders gab, die jeder mit sich trug, da ich bei der Bändchenausgabe wohl die Kisten übersehen hatte, wo man eine solche abgreifen konnte. Auch eine Karte vom Camping hätte darin nicht geschadet, da ich am ersten Abend vergebens nach einer Essensbude auf dem geöffneten Abschnitt des Festivalgeländes gesucht habe. Etwas mehr Information für die Besucher hätte ruhig sein dürfen, ansonsten fiel zumindest mir persönlich nichts auf, was ich wirklich bemängeln würde. Das Rockharz hat sich beim zweiten Besuch seinen Platz als eines meiner Lieblingsfestivals gesichert, und es ist mir auch in den nächsten Jahren wieder die sechsstündige Anreise wert.

