Neu-Eröffnung Perfect Pain, 30.06.2012, Saarlouis

Heute war in vielerlei Hinsicht eine Art denkwürdiger Tag, der die ein oder andere Premiere mit sich brachte. Wir waren heute auf der Neu-Eröffnung des Perfect Pain Tattoo- und Piercing-Studios und Saarlouis. Die Herren Körperkünstler sind in eine ziemlich opulente Villa direkt gegenüber der Feuerwehr gezogen und haben sich dort ihr neues Studio eingerichtet. Zur Feier des Umzugs hat das Perfect Pain richtig aufgefahren. Und mit richtig meine ich richtig. Und dann irgendwie doch nicht. Aber dazu gleich mehr.

Der ganze Tag stand wohl voll im Sinne der Selbstverherrlichung. So ging die Party schon früh (etwa 14 Uhr) los. Es wurden im Vorfeld Bands gebucht, die über den Tag hinweg die Schaulustigen unterhalten sollen. Geplant waren SADDEST MESSIAH und PALE HORSE RIDER. Saddest Messiah mussten aus persönlichen Gründen absagen, wodurch der Slot kurzfristig an AGAINST REMAIN aus Merzig ging. Ebenso kurzfristig wurde das Lineup (meiner Meinung nach unnötigerweise) um eine dritte Band, ZWEIBLUM aus Saarlouis, erweitert.

Man brachte also Punk, Progressive Metal à la Tool und Opeth und Deutsch-Pop an einem Tag/Abend auf die Bretter. Ziemlich konfus. Wir haben den Mittag mit Einkäufen und sonstigem Unnotskram des täglichen Lebens verbracht, insofern gilt dieser Artikel nur der abendlichen Hälfte des Tages. Gegen 20 Uhr trafen wir auf dem neue Grundstück des Perfect Pain ein – und die Party war schon in vollem Gange.

Vor Ort konnte man direkt mal einige Leute von Saddest Messiah ausmachen, so zum Beispiel Sänger Nicolas und Drummer Chris. Trotz der Tatsache, dass die Band nicht spielte, war man vor Ort, um zumindest den Abend als Gast genießen.

Against Remain

Als wir ankamen, waren Against Remain schon schwer damit beschäftigt, das Ende ihres Sets zu erreichen. Wir kamen noch in den Genuss dreier Songs der, ich bleibe dabei, Punker aus Merzig, deren aktuelle EP es übrigens zum kostenlosen Download gibt.

Insgesamt sagten die drei Songs recht viel über die Band und ihre “Message” aus. Sängerin und Gitarristin Nina verkörpert durch ihren Look und vor allem durch ihre raue, wenngleich gut klingende Stimme wohl alles, was es braucht, um als Punk-Frontfrau durchzugehen. Man hat ihr durchaus abgekauft, was sie da zu vermitteln versuchte.

Rein musikalisch bedienen Against Remain weniger das typische Punk-Klientel, als viel mehr ein anspruchsvolleres Publikum, das auch Wert auf die Musik legt. Denn, mal ehrlich, der typische 3-Akkord-Punkt lebt doch viel mehr von den Inhalten als von der Musik.

Soundtechnisch war bei Against Remain alles im grünen Bereich – ne solide Nummer, die auch mit 3 Tracks von der Band als solches zu überzeugen wusste. Und that’s it.

Zweiblum

Irgendwie überraschend kam der Auftritt von Zweiblum. Erwartet hatten wir eigentlich Pale Horse Rider. Die Deutsch-Popper wurden wohl irgendwie kurzfristig dazwischengeschoben – auch PHR wussten das erst seit ihrer Ankunft vor Ort.

Insgesamt eine komische Entscheidung. Das Lineup war ja schon mit Against Remain und Pale Horse Rider mehr was für musikalisch breit gefächertes Publikum. Das einstreuen von völlig unmetallischem und unrockigem Gedöns wie Zweiblum wirft da gewissen Fragen auf.

Die Band bügelte ihr 45 Minuten Programm ziemlich fachmännisch runter, mit den üblichen Witzen über die eigenen Bandmitglieder, die zu lange für das Stimmen ihrer Instrumente brauchen (und mal ehrlich – das findet doch nur ihr witzig. Und vielleicht noch eure Homies. Der unbeteiligte Zuschauer empfindet da eher etwas zischen Langeweile und Unverständnis über den Umgang mit den eigenen Leuten) und mehreren ohrenbetäubenden Rückkopplungen, die einfach dazugehören. Immerhin war es das einzige, was den handelsüblichen Rocker oder Metaller aus seiner Lethargie riss. Die Band performte zwar recht energiegeladen und gab sich bewegungsfreudig auf der Bühne – nur die Musik dazu fehlte irgendwie. An Stellen, wo man normalerweise wummernden Bass und drückende Gitarren erwartete, war dann einfach mal gar nichts. Bzw. Geschrammel auf Bund 9 bis 12 der drei helleren Saiten.

Rein textlich muss man für Zweiblum jedoch eine große Lanze brechen. Entgegen der üblichen Grammatik-Versager auf  deutschen Bühnen, wusste die Band vernünftig zu texten und zu reimen, ohne dabei wie der typische Rap-Immigrant zu klingen. Ist schonmal viel wert.

Das einzig andere, das mich vermutlich lange an Zweiblum erinnern wird, war der ziemlich auf neon-grün fixierte Bassist mit dem völlig unnötigen Mega-Rack und natürlich dieser Zweiblum, der erste Tourist der Scheibenwelt, erdacht von einem der besten Autoren unserer Zeit: Terry Pratchett. Ob es da nun konkrete Zusammenhänge gibt, kann ich nicht sagen.

Pale Horse Rider

Den Abschluss des Abends in musikalischer Hinsicht bildeten Pale Horse Rider, die Band von unserem guten Dennis. Musikalisch, für einen Laien wie mich, angesiedelt irgendwo zwischen Tool und Opeth und für mich am besten mit proglastigem Doom zu beschreiben, durfte der Vierer aus Lebach gegen halb 10 dann endlich die Bühne entern.

Traurig indes die Tatsache, dass um 20 Uhr schon der erste grüne Partybus das Event frequentierte und dezent auf die gesetzliche Ruhezeit ab 22 Uhr verwies, womit PHR insgesamt noch gut 30 Minuten für Songs und Aufbau blieben. Straffes Programm. Wäre vielleicht mit einer Band weniger auch weniger strapaziös gewesen.

Nachdem der Soundcheck schon ein echtes Hindernis für Band und Tontechnik war, ging es dann irgendwann mit einem Cover von Porcupine Tree los. Ich muss gestehen, ich kenne weder Song noch Band, muss aber zumindest Pale Horse Rider nahelegen, den Track künftig zu streichen. Für Narkose-Ärzte sicher brauchbar, bringt der Song unwissendes Publikum maximal bis kurz vor die REM-Phase, wenn nicht an den Rand der Verzweiflung, weil die Songstrukturen einfach zu undurchsichtig sind. Weiteres Manko des Songs: es wird clean gesungen. Definitiv etwas, womit sich Fronter Arthur künftig zurück halten sollte. Konnte man sich noch an die nur zaghaft aufkeimenden Songstrukturen gewöhnen, war der cleane Gesang, wenn man das so nennen will, eher wenig förderlich für’s Gesamtbild.

Rein musikalisch sind Pale Horse Rider für mich ne harte Nummer, da ich diesen angeproggten Kram maximal als Hintergrundmusik zu mir nehmen würde. Live keimte da einfach zu oft der Wunsch nach einem Sessel und nem Glas Whiskey auf, da die Songs einfach zu vertrackt und an vielen Stellen einfach nur redundant und langweilig waren. Für daheim auf der Anlage sicher super, live muss ich das eigentlich nicht haben.

Nichts desto trotz ließ sich die Band die Freude am Spielen nicht nehmen, wenngleich der einzige, dem man die Freude angesehen hätte, Dennis, der Mann am Bass, war, der am aktivsten auf der Bühne war.

Man muss diese Musik einfach mögen. Ich mag sie nicht. Das ganze verbesserte sich auch nicht, als Frontmann Arthur irgendwann von Clean auf Gegrowle umstieg. Entweder sind die Songs und Rhythmen zu anstrengend oder zu eintönig. Ziemliche Zielgruppenmusik, die meiner Meinung auf Mischmasch-Events wie diesem nur schwer zündet.

Perfect Pain

Die Jungs vom PP haben richtig massiv aufgefahren. Neben Live-Musik gab es auch kostenloses Futter und – vor allem – FREIBIER! Also eigentlich gab es alle Getränke frei, aber damit lockt man doch keinen. Freibier ist da der ultimative Grund. War eigentlich eine Rund-Um-Versorgung. Man konnte die Villa besichtigen, wurde unterhalten und abgefüllt. Loift!

Komisch insgesamt die konstante Anzahl von ungefähr 100 Besuchern. Da muss doch was mit der Werbung nicht geklappt haben. Hallo? Freibier? Da waren eigentlich kaum Freibiergesichter, sondern viel mehr typisches Tattowierer-Klientel. Da hätte definitiv mehr gegen können, was wohl auch den Bands zu Gute gekommen wäre. Immerhin war das ja keine geschlossene Gesellschaft.

Wie gesagt, gegen 8 kam der erste grüne Partybus und sprach die üblichen, gesetzlich fundierten Drohungen aus. Klar – das ganze spielte sich mitten im Wohngebiet ab. Umliegend lauter Wohnhäuser. Trotzdem. Aktuell steigt die EM, nachts um 3 fahren dummbrotige Fußballfans durch die Gegend und hupen sich die Membranen kaputt, was niemanden stört, weil es im öffentlichen Interesse liegt (angeblich!). Aber ein bisschen Eröffnungsparty mit Kultur (Musik!) geht nicht. Merkwürdens.

Viel merkwürdiger wurde es dann, als um halb 11 das Feuerwerk losging. Nicht nur, dass man sich fragte, warum ein um 22:30 angemeldetes (na hoffentlich angemeldet!) Feuerwerk völlig in Ordnung sei, aber punkt 22 Uhr die Band die Amps abdrehen muss, nein, man fragte sich auch, wieviele Leute aktuell am Fenster oder auf dem Balkom stehen und sich denken: “Öh? Emmes war doch erst?”. Dazu muss man sagen, das Feuerwerk des Perfect Pain war von dem der Emmes gar nicht mal so weit entfernt.

Im Zuge der Ruhestörungs-Verhinderungs-Maßnahmen wurde der letzten Band, Pale Horse Rider, übrigens mitten im letzten Song Musik auf die Monitore gespielt und irgendwann die Mikrofonierung abgedreht. Sehr, wie sagt man, abgefuckt. Irgendwie. Hätte man auch cooler lösen können, nachdem man der Band diesen letzten Song zusicherte.

Auch ein bemerkenswertes Bild gaben die vielen Kleinkinder auf dem Event ab. Das an sich ist gar nicht mal so unnormal – Metal-Eltern nehmen ihre Kids ja oft mit zu Konzerten. Aber die sind wenigstens so schlau, ihnen Ohrenschützer zu verpassen. Als das erste Kind dann auf dem Platz rumstand und sich halb weinend die Ohren zuhielt (wohlgemerkt ohne Ohrenschutz), fragte man sich schon, ob da noch alle Elternteile normal ticken.

Zum Abschluss des Abends gabs noch eine Feuershow der Societas Draconis..oh, sorry..der Truppe “Elements of Fire”, die für Laien wie mich eigentlich das selbe Personal führt, aber jetzt anders heißt. Die war ziemlich cool. Wie sie es auch die letzten 3 Mal war, dass man sie gesehen hat. Dadran ändert sich wohl nix. Feuer rockt halt. Loift!

Das Event war grundsätzlich cool. Eröffnungsfeier halt. Aber irgendwie auch nicht. Musikalisch (und das gilt ja hier bei uns einiges) wurde da schlecht geplant. Im Umgang mit der Stadt, bzw. dem Ordnungsamt und der Polizei wohl auch. Und ich komme nicht drüber hinweg, dass alles umsonst war und keine 20000 Leute vor Ort waren, um kostenlos zu saufen. Persönliches Fazit? Joa. Grundidee cool, Umsetzung verbesserbar. Zuviel auf einmal. 3 Bands, Freibier, Feuerwerk, Feuershow – für die Eröffnung eines Tattoostudios? Üppig, meine Herren, üppig. Und vermutlich etwas oversized. Aber das ist, wie auch der musikalische Teil, vermutlich einfach Geschmackssache. Das Bier war jedenfalls super.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wir haben als Band mit Songs von überlänge IMMER das Glück irgendwo nur noch ne halbe Stunde Spielzeit zu haben, was im Endeffekt dann 2-3 Lieder bedeutet. Ansonsten muss ich sagen, dass du dir die Lieder öfter anhören musst, dann schläfst du auch nich ein und kennst dich in den Strukturen aus xD…

  2. Ja, das muss man leider in Kauf nehmen, wenn man sich für Musik entscheidet, die halt “anders” ist ^^°.

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