Nach etlichem Hickhack hat’s endlich geklappt. Ich konnte mir Dr. Geek and the Freakshow für ein Interview schnappen. Was die Horror-Punker aus dem Saarland so zu sagen haben, lest ihr hier bei uns!
iamhavoc.de: Hallo und Danke für das Interview! Nach über einem Jahr und dem ein oder anderen Fehlstart hat es ja dann doch geklappt.
Immerhin war’s ein netter Kneipenabend.
iamhavoc.de: Dr. Geek and the Freakshow – wie kommt ihr zu diesem doch recht außergewöhnlichen Bandnamen?
Zuerst war ein anderer Name geplant, der war allerdings schon vergeben. Der Doc kam dann eines Tages vor einer Probe auf diesen Namen, da er mit seiner Sammelsucht was Comics, Spielsachen und anderen Kram angeht, ein echter Geek ist und die Jungs wurden kurzerhand zu „seiner“ Freakshow.
iamhavoc.de: Und welche Art Musik kann der Patient vom Doktor erwarten?
Ein Querschnitt durch alles, was uns Spaß macht. Schubladen sind nicht unser Ding. Bei uns gibt es Einflüsse von Punk bis Metal, von Rock’n’Roll bis Psychobilly.
iamhavoc.de: Horror Punk – was kann man sich darunter vorstellen?
Horrorpunk ist melodiöser, düsterer Punkrock garniert mit Texten, die sich alle im Horrorgenre bewegen. Ansonsten gibt es viele Freiheiten, die man sich nehmen kann, da der Begriff alles nur nicht statisch ist.
iamhavoc.de: Ihr durftet dieses Jahr auf dem großartigen WGT spielen. Wie kam es dazu und wie war es für euch?
Wir wurden über unsere Booking Agentur FrightNight Booking dahin vermittelt. (Ja, die Mythen sind wahr, Bands können auch direkt auf nen Gig gebucht werden ohne Voting UND bekommen Geld dafür!^^)
Es war grandios, von der Technik über Hotel bis hin zum Catering durften wir selten etwas so professionelles erleben. Auch das Publikum war klasse und man konnte mit einigen befreundeten Bands das eine oder andere Bierchen trinken! Gerne wieder.
iamhavoc.de: Zwei Platten habt ihr nun schon veröffentlicht. Wann können wir mit einer dritten rechnen?
Wir schreiben gerade neue Songs und so wie es aussieht, können wir Anfang/Mitte nächsten Jahres mit einer neuen Scheibe aufwarten. Vorher wird es vielleicht noch ein kleines Schmankerl geben; dazu können wir jetzt aber noch nichts sagen. Lasst Euch überraschen.
iamhavoc.de: Gibt es Bands, denen ihr euch besonders verbunden fühlt und deren Musik euch vielleicht als Vorbild oder Inspirationsstütze dient?
Innerhalb der Horrorszene sind das auf jedenfall die Jungs von Holy Madness aus Erfurt! (Gruß an dieser Stelle!) Inspiration bekommen wir von sovielen Bands, die uns schon immer beeinflusst, bzw. sogar zur Musik gebracht haben. Jeder von uns hat andere Favoriten und bringt seine Einflüsse mit in die Songs ein.
iamhavoc.de: Als St. Wendler Band gehört ihr zur saarländischen Musik-Szene und natürlich zu selbigem Underground. Wie empfindet ihr die lokale Szene?
Unseres Wissens nach sind wir die einzige Horrorpunkband des Saarlands und haben dementsprechend einen gewissen Exotenstatus. Die Metalszene kennt jeder von uns natürlich aus den Erfahrungen mit früheren Bands. Allerdings gibt es im Saarland ja nicht nur Metalbands unterschiedlichster Richtungen, sondern auch viel spannendes im Rock- und Rockabilly-Bereich. Alles in allem schätzen wir die familiäre Atmosphäre der lokalen Szene, auch, wenn manchmal das Konkurrenzdenken vielleicht etwas zu ausgeprägt ist.
iamhavoc.de: Wie steht ihr zu Gigs in eurer Region? Eher mehr oder eher weniger?
Natürlich sind Heimspiele immer geil! Allerdings bringen unserer Meinung nach 7 Gigs im selben Laden innerhalb von 12 Monaten nix. Dann ist irgendwas das Besondere weg. Dann lieber nur 2-3 Gigs in der Heimat, dafür aber feste Feste!
iamhavoc.de: Bei unserem letzten Interview-Versuch hatten wir uns auch über Pay-To-Play und Contests auf Facebook unterhalten. Diese Thematik ist irgendwie immer aktuell. Wie steht ihr dazu, für Gigs zu bezahlen oder an Like-Votings auf Facebook teilzunehmen?
Fuck pay to play! Wir haben Zeit und Arbeit in unsere Musik gesteckt und möchten dann nicht noch dafür bezahlen, sie irgendwo darbieten zu dürfen, damit sich ein anderer kostenoptimiert die Taschen vollmachen kann!
Und diese Votinggeschichte…Was soll das bringen?! Da votet die Oma für den Enkel, die Tante für den Neffen und die wissen meistens weder a) was der für ne Mucke macht und b) sind sie vermutlich an dem Gig nichtmal vor Ort. Es ist also eine total verwässerte Art und Weise, ohne viel Arbeit sein Billing aufzustocken und Werbung für seinen Event zu machen. Dabei fallen oft Bands durchs Raster, die eigentlich, was die Qualität angeht, dir ein Brett vor die Nüsse knallen, dass dir selbige abfallen! Deren Problem ist in dem Moment, dass sie nicht so eine große Anhängerschaft haben, als Band XY die zwar gewinnt, aber noch nicht einmal fähig ist, die Instrumente richtig zu stimmen.
Sämtliche Gigs und Festivals, die wir dieses Jahr gespielt haben, kamen ohne all diesen Schabernack aus und es ist schön zu wissen, dass es immernoch Veranstalter gibt, die auf diesen Zug nicht aufspringen, sondern absolut hinter den Bands stehen, die sie buchen.
iamhavoc.de: Was steht für euch 2013 auf dem Plan? Konzerte, Platten, Videos? Lasst hören!
Eine neue Platte definitiv. Die wird wohl im Frühjahr kommen – vielleicht gibt’s vorab auch noch ein Video. Mal sehen. Natürlich wird es dafür auch ne dicke Releaseparty geben und diesmal auch unter Garantie wieder in der Heimat! Ansonsten sind bereits 2-3 Festivalgigs in der Pipeline aber noch nicht spruchreif. Besucht uns einfach regelmäßig auf unserer Webseite oder auf Facebook und bleibt auf dem Laufenden.
iamhavoc.de: Ihr habt ein sehr cooles Video zu “Dr. Jekyll & Mr. Hyde” abgedreht. Wo und mit wem ist das Teil entstanden?
Das Video haben wir unseren guten Kumpels von Goreholio zu verdanken. Denen fehlte noch eine Band für eine Filmszene zum Streifen “El Guitarista” und so kam eins zum andern. Gedreht haben wir das ganze im Flexibel in Saarwellingen mit nem Haufen Freunde und Fans. War ein sehr schöner Tag, an dessen Ende keiner von uns den Song mehr hören wollte
iamhavoc.de: Außerdem profitiert euer Image sehr von dem geilen Artwork – immerhin gibt es euch auch in gezeichneter Form. Wie kams dazu?
Comics gehören genau so zum Horrorgenre wie die Filme und Bücher, deshalb war’s gedanklich keiner weiter Weg, die Optik dieser Hefte auf unser Outfit zu übertragen. Dabei hat ein langjähriger Freund des Docs, namentlich Patrick Glaßl, schon zweimal fantastische Arbeit geleistet, wofür wir ihm auch mehr als dankbar sind.
iamhavoc.de: Was man natürlich nicht unterschlagen darf: Euer Bühnenoutfit. Dem Horror Punk Rechnung tragend, seid ihr auf der Bühne auch entsprechend gestylt. Bemalt ihr euch selbst oder habt ihr dafür “Personal”?
Mittlerweile sind wir Gott sei Dank alle selbst in der Lage, uns zu bemalen. Anfangs gab es da noch reichlich Rückendeckung und Nachhilfeunterricht von unseren Frauen.
iamhavoc.de: Last but not least: Urpils oder Bitburger?
Becker’s!
iamhavoc.de: Yeah! Danke für das Interview und eure Zeit!
Was sind schon ein paar Monate im Angesicht der Endlichkeit? Wir danken iamhavoc.de für das Interesse und den Support der saarländischen Musikszene und natürlich allen Lesern. Vielleicht trifft man sich ja mal auf einem Gig.


