Metalfest 2012, Loreley, Tag 3 & Fazit

Ensiferum

Prinzipiell hatte ich mir von Ensiferum nicht allzu viel erwartet, was aber keinesfalls auf die Qualitäten der Band zurückzuführen ist. Viel mehr waren mit dem letzten Festivaltag auch meine Kraftreserven größtenteils aufgebraucht, außerdem vermied ich aufgrund meines Sonnenbrands jeden Schritt aus dem Schatten unseres Pavillons. Trotzdem kam es für mich auf keinen Fall in Frage, Ensiferum zu verpassen, weshalb ich mich schlussendlich hinschleppte.

Zwei Dinge sorgten dafür, dass es doch ein sehr gelungenes Konzert war: einerseits drückte die Sonne nicht sonderlich stark, weiterhin lieferte die Band einen sehr ansehnlichen Auftritt ab. Dieser erhielt gleich von Anfang an eine enorme Aufwertung durch das durchgehend präzise Spiel, bei dem jeder Ton, jeder Griff und jeder Schlag saß. Hinzu kam ein nahezu optimaler Sound, den ich mir so auch für alle anderen Bands auf dem Metalfest gewünscht hätte.

Zu meiner Überraschung schien ich doch einer der wenigen Zuschauer zu sein, der sich so mitreißen ließ, denn im Publikum war kaum Bewegung zu erkennen. Nicht nur ich war also mittlerweile recht erschöpft, aber Ensiferum verleiteten mich trotzdem dazu, die Mähne kreisen zu lassen. Der gutlaunige Folk Metal war auf jeden Fall genau richtig, um wieder etwas auf Touren zu kommen, wobei die Band ihrer Stilrichtung auch vom Bühnenleben her absolut gerecht wurde.

Voller Engagement feierten sie im Gegensatz zum eher schnarchigen Publikum das Konzert in gebührender Weise, flitzten herum und zeigten, dass sie Spaß hatten. Nur der Drummer wirkte etwas steif, aber darüber lässt sich hinwegsehen, schließlich ist es eher die Aufgabe seiner Kollegen, für ausreichend Stimmung zu sorgen.

Das wurde auch in musikalischer Hinsicht getan, denn während einen die kraftvolle Stimmarbeit angenehm durch die Lieder führte, ließen sich auf instrumentaler Ebene schöne Melodien mitsamt wohldefinierter Songstrukturen ausmachen. So war es eine Freude, den Stücken aus mehreren Schaffensphasen zu folgen und sich an beliebten Nummern wie „One More Magic Potion“ oder „Token Of Time“ zu erfreuen.

Mit „Burning Leaves“ wurde sogar ein vollkommen neues Lied vorgetragen, das vor allem im ohrwurmlastigen Refrain mit mehrstimmigem Gesang punktete. Dieser Song hat auf jeden Fall gleich mein Interesse an der nächsten Veröffentlichung geweckt, wobei auch das bekannte Material durchgehend zu gefallen wusste. Ensiferum hat mir nicht bloß gut gefallen, auch meine Trägheit war danach bis zur Abfahrt gegen Mitternacht wie verflogen, das Zusehen hatte sich also in zweierlei Hinsicht gelohnt.

Hate

Nachdem ich mir am Vorabend bereits Behemoth entgehen lassen hatte, wollte ich Hate als kleine Wiedergutmachung für diese Versäumnis keinesfalls verpassen. So führte mein Weg zum ersten Mal hinüber zur zweiten Stage, die in einem recht großen Zelt zu finden war. Ernüchterung erfolgte dort allerdings, als ich die Bühne näher unter die Lupe nahm, denn diese war alles andere als geräumig. Ich fragte mich einen Moment lang ernsthaft, wie eine Band dort wirklich viel Präsenz zeigen sollte, aber zumindest bei Hate war dieses Problem noch vernachlässigbar, schließlich bleiben Bands mit einer Affinität zum Black Metal ja gerne etwas stationärer.

Durch einen anderen Umstand stellte sich die kleine Bühne dann doch als Nachteil heraus: die Beleuchtung war absolut nicht auf die Show angepasst und baute dadurch keine zusätzliche Stimmung auf, was gerade bei Hate eine enorme Aufwertung bedeutet hätte. An dieser Stelle wurde eine Menge Potenzial verschenkt, um die Musik noch atmosphärischer und dichter zu gestalten.

Immerhin hatten sich die polnischen Musiker für ihr Publikum hübsch gemacht, denn ohne Corpsepaint geht man als Metaller der härteren Gangart doch auch nicht unter Leute. Losgebrettert wurde dann auch mit stattlicher Härte, wobei gerade die Drums mächtig hämmerten, dabei aber einen Tick zu laut waren. Immerhin verstand sich der Mann hinter den Trommeln wirklich gut auf sein Handwerk und ließ abseits der durchgedrückten Bassdrum auch manchmal ein paar Feinheiten durchsickern, die gerade im Zusammenspiel mit den Gitarren schön heraustraten. Sehr selten hatte ich den Eindruck, er sei für einen Moment tempomäßig aus dem Konzept geraten, aber das fing sich schon wieder in der nächsten Sekunde.

Gerade im bespielten Genre muss ich schon sagen, dass Hate eine sehr hohe Qualität leisteten: die Musik drückte schön und wirkte dennoch keineswegs zu platt oder verwickelte sich in unüberschaubare Songstrukturen. Stattdessen wurde Härte und ein gelungener Aufbau innerhalb der Lieder geboten, sodass auch ich mich zurechtfand, obwohl diese Stilrichtung für mich noch weitestgehend Neuland ist.

Leider hatte ich es im Voraus versäumt, mich wirklich hineinzuhören, weshalb mir sämtliche Lieder neu waren. Dennoch hat sich der Gang ins Zelt gelohnt, denn mit dem hohen Tempo und der gelungenen Stimmarbeit in hasserfüllten Tiefen wurden Hate meinen Erwartungen durchaus gerecht. Bei dieser polnischen Kapelle werde ich in Zukunft auch gerne einmal in die Alben hineinhören.

Heidevolk

Und wieder die zweite Bühne, diesmal für die niederländischen Stimmungskanonen von Heidevolk. Ich war bei weitem nicht der einzige Festivalbesucher, der auf diese Idee kam, denn das Zelt war rappelvoll. Gerne hätte ich diese Band mit vollem Bewegungspotenzial auch auf der Hauptbühne erlebt, aber man muss die Dinge nunmal so nehmen, wie sie sind, also habe ich gespannt den Anfängen ihres Auftritts gelauscht.

Eine große Stärke der Band ist natürlich der klare, zweistimmige Gesang, wobei hier wohl noch mehr Kehlen am Werk waren. Das Publikum hat nämlich bis in die letzte Reihe die Texte mitgesungen, obwohl nur ein Bruchteil überhaupt die Sprache verstanden haben dürfte. Dies unterstreicht nicht nur den Kultstatus, welchen Heidevolk genießen, sondern auch die hervorragende Stimmung unter den Fans.

Gerade bei den beiden Gassenhauern „Saksenland“ und „Vulgaris Magistralis“ gab es für viele kein Halten mehr, und es kam ordentlich Bewegung ins Spiel. Gelegentlich bot der Gesang mit schmetternden Growls auch einen angenehmen Kontrast, der ein wenig mehr Härte ins Spiel brachte und auch von instrumentaler Seite her aufgegriffen wurde. Das Wechselspiel wusste zu gefallen und trat durch den gelungenen Sound klar heraus, was den Auftritt sehr abrundete.

Manchmal lustig, manchmal ernst erspielte sich die Band eine Menge Gegenliebe und blieb dabei instrumental auf ganzer Linie sauber und präzise. Lediglich beim Gesang kam mir manchmal der Eindruck, dass sich die beiden Sänger gegenseitig nicht ganz in ihrer Tonlage wiederfanden. Bei nahezu durchgehend zweistimmigem Gesang fällt dieser Mangel aber nicht sonderlich schwer ins Gewicht, denn eine solche Leistung muss in dieser Form erst einmal erbracht werden.

Nach zehn Liedern verließen Heidevolk schließlich die Bühne und konnten sicherlich zufrieden auf ein gelungenes Konzert zurückblicken, bei dem die Eigenheiten der Band klar herausgetreten waren. Die Leute wussten es zu schätzen und spendeten eine Menge Applaus, wobei auch ich überrascht war, dass der starke Auftritt vom Paganfest einige Monate zuvor nicht nur ein Glückstreffer gewesen war. Heidevolk sind live definitiv eine Wucht und entlohnen einen gebührend für das Interesse an einer sehr eigenwilligen Stilrichtung.

Brainstorm

Den Abschluss vom Metalfest hat für mich schließlich Brainstorm gemacht. Auch hier fanden sich ordentlich viele Leute ein, wenn auch weniger als zuvor bei Heidevolk. Mit der Bühne gab es außerdem das gleiche Problem, da kaum Freiraum für Bewegung blieb. Über diesen Umstand trösteten Brainstorm allerdings gekonnt hinweg, indem sie durch sympathische Ansagen punkteten und somit einen guten Draht zum Publikum aufbauten.

Für viele war es wohl das letzte Konzert des Festivals, daher haben die Zuschauer noch einmal absolut alles gegeben. Nicht nur bei „All Those Words“, wo das Publikum im Chor die Melodie tragen durften, wurde fleißig mitgesungen. Die Band wusste auf jeden Fall, wie sie sich zu dieser besonderen Spielzeit ganz am Ende der Running Order präsentieren musste, um ein Maximum auf ihrem Auftritt herauszuholen.

Das war auch bitter nötig, denn beim Sound gab es einige Unstimmigkeiten. So schallte etwa die Drum viel zu laut, und auch der Bass war sehr weit im Vordergrund angesiedelt. Dadurch gewann der akustische Rahmen zwar an Druck, leider kamen so aber die Gitarren nicht sonderlich gut durch, und der Sänger musste die Melodieführung quasi im Alleingang stemmen.

Seine Leistung war mit Sicherheit über jeden Zweifel erhaben, allerdings muss man anmerken, dass seine Stimme recht speziell ist und so nicht jedem gefallen sollte. Technisch gab er sich dafür absolut keine Blöße und fing sich somit den Zuspruch der anwesenden Gäste gekonnt ein. Einzig am gezeigten Spektrum ließe sich feilen, denn er bewegte sich weitestgehend in der gleichen Tonlage, was zumindest mir auf Albumlänge zu anstrengend ist. Live macht das natürlich weit weniger aus, zumal ohnehin das wuchtige Kopfnicken im Vordergrund stand.

Auch am Drumspiel ließe sich feilen, denn zwar saß bis auf wenige Ausnahmen jeder Schlag absolut präzise, allerdings drängte sich mir der Eindruck auf, dass jedes Lied vom Getrommele her ungefähr gleich klang. So versäumte es ein Instrument leider gänzlich, mein Interesse zu wecken, während aufgrund des eher schlechten Sounds ohnehin der Gesang ausschlaggebend war.

Gelungen war schlussendlich, wie sich der Fronter unzählige Male beim Publikum für das kräftige Mitmachen und das zahlreiche Kommen bedankte. Dem Mann war seine Freude auf jeden Fall anzusehen, sein Grinsen reichte fast bis hinter die Ohren, und es tut einfach gut, mit einem derartigen Bild im Hinterkopf die Heimreise anzutreten. Der Auftritt war stark, die gröbsten Probleme waren nicht der Band zuzuschreiben, also gibt es von mir einen Daumen nach oben für Brainstorm.

Mein Fazit zum Festivalbesuch

Nachdem ich ja die Probleme mit dem Campinggelände bereits im ersten Teil meines Artikels angesprochen hatte, wollte ich mich nun noch ein paar anderen Punkten widmen. Erst einmal geht doch ein großes Lob an die Organisation, denn das Wichtigste, der Sound, war weitestgehend gut, wobei ein Amphitheater sicherlich so seine Tücken mit sich bringt. Die Musik ließ sich in angemessener Atmosphäre genießen, wobei sich in allen Stilrichtungen ein paar Juwelen ausmachen ließen.

Weiterhin war der Preis für das Ticket mehr als fair, wenn man sich einmal die großen Namen vor Augen hält, und auch das Personal agierte stets freundlich und kompetent. Selbst beim großen Besucheransturm am Eingang ließen sich die Sicherheitsmänner keinen Stress anmerken, allerdings hätten derartige Probleme bereits im Vorfeld bei der Planung berücksichtigt werden müssen.

Ebenfalls nicht optimal gelöst war die zweite Bühne im Zelt. Einerseits bot sie der Band nicht ausreichend Platz, andererseits gab es nur einen kleinen Eingang, welcher auch als Ausgang fungierte. Die restlichen Seitenwände waren bis auf einen Notfallausgang verschlossen, weshalb es meist sehr stickig, dunkel und warm war. Es fühlte sich einfach nicht angenehm an, in diesem Zelt über längere Zeit zu stehen, weshalb hier im nächsten Jahr dringend für frische Luft gesorgt werden muss.

Leider gab es auch einen kleinen Wechsel in der Running Order, weshalb die Slots von Fear Factory und Kyuss Lives vertauscht wurden. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen es dazu gekommen ist, allerdings bedauerte ich diesen Umstand, da ich Fear Factory eigentlich gerne gesehen hätte. Zu diesem Zeitpunkt spielten auch Hate, denen ich schlussendlich den Vorzug gab. Zum Glück hatte ich nach deren Auftritt noch die Gelegenheit, einmal kurz zur Hauptbühne hinüberzugehen und zu merken, dass der Sound bei Fear Factory ohnehin nicht zumutbar war, denn die Drums überdeckten nahezu alles. So hatte ich zumindest nichts verpasst.

Auch beim Müllpfand hätte einfach klarer kommuniziert werden müssen, wo man seine Tüte bekam, und wo sie abgegeben werden musste. Beim Erhalt unserer Pfandmarken wurde uns nämlich keine Tüte gegeben, wie es ansonsten üblich ist. Im Großen und Ganzen war es doch ein sehr gelungenes Festival, das ich gerne wieder besuche, denn die Qualitäten haben im Endeffekt doch die Mängel überwogen, und Spaß hat es trotz allem gemacht. Nächstes Jahr also gerne wieder und gerne noch besser!

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