This Gift is a Curse – I, Guilt Bearer

Dieses Review wird wohl ein Exempel dafür, wie sich die Bewertung von Musik alleine durch die Genrebezeichnung ändert. Als das vorliegende Album an mich herangetragen wurde, ging ich von Black Metal aus. Nach einigen Probedurchläufen dachte ich nur: was für eine komische Mucke. Viel zu schlecht für Black Metal, das wird ein Verriss. So, dann war erst einmal Morast dran…Für das Review habe ich dann das Album wieder hervorgezaubert und im Auto gehört, als meine Mitfahrerin plötzlich meinte: “Ist das wirklich Black Metal? Das hört sich so unstrukturiert an, dass erinnert mich eher an Hardcore.” Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte das Album die ganze Zeit unter den falschen Vorzeichen gehört. Eine Fahrt später ging es für meinen Vater zum Arzt. Der meinte nur: “Sag mal, ist das wirklich Musik?” Da war mir auch klar, dass das Review gut ausfallen muss… Aber jetzt einmal der Reihe nach:

This Gift is a Curse ist, wie bereits oben erwähnt, eine Hardcore-Punk-Band, die Einflüsse aus dem Crustcore, dem Sludge und ganz besonders aus dem Black Metal bezieht. Die Band wurde 2008 in Stockholm gegründet und veröffentlichte zunächst ein Demo und 2009 eine selbstbetitelte EP. Jetzt 2012 ist die Zeit reif für das Debütalbum I, Guilt Bearer. Serviert von Discouraged Records mit okkultem Artwork erschien das Album vor vier Tagen (11. Mai). Durch die Black-Metal-Brille betrachtet handelt es sich bei dem Debütalbum um unstrukturierten Krach mit schnellen Riffs, harten und vielen Breaks, die den Songs einen sehr diffusen Charakter verleihen. Für Black-Metal-Anhänger definitiv zu wenig Struktur, nicht ernst und hart genug. Nun kommen wir zur Hardcore-Punk-Brille: bei dem Debütalbum der Schweden handelt es sich um eine Songansammlung, die hochstrukturiert und abwechslungsreich Einflüsse aus dem Black Metal und harte Crust-Attacken miteinander verbindet, mit schnellen Riffs, harten und vielen Breaks, die den Songs einen sehr abwechslungsreichen und tiefen Charakter verleihen. Hehe, zwei Reviews in einem, dafür werde ich nur für eins bezahlt… Unglaublich, wie sich die eigene Meinung ändern kann. Was aber unterm Strich bleibt: Die Musik ist schon anstrengend, nichts für gemütliche Kaffeefahrten oder Spaziergänge im Wald. Die Drone-Doom-Ausflüge hat die Band für das letzte Lied I Will Swallow All Light aufgehoben. Ansonsten regiert der Presslufthammer. Wer auf diese Art von Musik steht, wird hier sicherlich keinen Fehler machen. Wer die Welt allerdings in Genregrenzen sieht, sollte um das Album einen großen Bogen machen. Hart, aber reichlich!

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de, veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier und nutzt seinen alten Blog http://gripweedsgems.blogspot.de/ nur noch selten.

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