Saarbangers Metal Festival 2012, Tag 2

Gravety

Bereits um drei Uhr am Nachmittag eröffneten GRAVETY den zweiten Tag des Saarbangers Festivals. So ganz kann ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen, denn wo am vorigen Abend Organic Waste zu einer viel günstigeren Uhrzeit spielen durften, mussten sich Gravety trotz eines starken und professionellen Auftrittes mit einem spärlich befüllten Saal begnügen.

Um nach einer kurzen Nacht wieder richtig wach zu werden, war die Band dagegen eine gute Wahl. Vom Stil her fühlte ich mich dezent an Sacred Steel erinnert, allerdings nicht so penetrant umgesetzt. Einerseits trug dazu die weniger stumpfe Instrumentalkulisse ihren Teil bei, auf der anderen Seite schlug der Gesang nicht so sehr ins Extreme wie bei Sacred Steel teilweise erlebt. Überhaupt fand ich die Leistung des Frontmannes sehr gelungen, er drängte sich nämlich zu keiner Sekunde zu sehr in den Vordergrund, lieferte aber insgesamt eine gute Arbeit ab. Der Gesang wurde an den richtigen Stellen mit Growls ergänzt, sodass auch die nötige Abwechslung ins Spiel kam, während die Lieder trotzdem gut auf den Punkt kamen.

Leider fanden sich unter den Zuschauern nur wenige Leute, die auch aktiv mitsangen, viele der Anwesenden mussten noch warmlaufen oder überhaupt erst so richtig wach werden. Wenigstens tummelten sich in der ersten Reihe ein paar eingefleischte Fans, die dann doch für die nötige Stimmung sorgten und vom ersten Lied bis zum Abschluss mit „Axe Of Execution“ gebührend feierten.

Ebenfalls schade war, dass Gravety im Gegensatz zu allen anderen Bands des Tages nur eine halbe Stunde Spielzeit hatten, ich für meinen Teil hätte diesen Musikern gerne länger gelauscht. Die Songs waren allesamt angenehm kompakt, boten aber auch ein paar schöne Momente, so etwa ein teilweise sehr schön eingesetztes Bassspiel, welches die Gitarren gut ergänzte. Letztere hätten allerdings einen Tick lauter sein dürfen, um ein gelungeneres Gesamtbild abzuliefern.

In Anbetracht der Tatsache, dass Gravety noch nicht auf einen umfangreichen Songkatalog oder eine langjährige Bandgeschichte zurückblicken, fand ich ihren Auftritt wirklich stark. Ich hatte eher das Gefühl, auf der Bühne eine gut eingespielte Gruppe zu sehen, als recht frische Newcomer. Konzerte dieser Band werde ich nach Möglichkeit gerne wieder besuchen.

Luc

Nemesis

NEMESIS waren am zweiten Tag die erste Band, die ich mitbekam. Die Band hatte ihre persönliche Fanbase aus Otzenhausen mitgebracht, die lautstark Rubina und die Band anfeuerten. Höhepunkte des Gigs waren die Ballade, die einem verstorbenen Freund gewidmet wurde, sowie “In Hell Shall Be Thy Dwelling Place”, zudem die Band gerade ein Video auf YouTube veröffentlicht hatte. Mit ihrem “neo-classical influenced power metal” bot die Band jedoch einen starken Kontrast zum restlichen Tagesablauf, wo doch eher der simple Power Metal regierte. Mir persönlich war Rubinas Gesang zu stark in den Hintergrund gemischt, was leider oft den Eindruck erweckte, dass sie gegen den Song anschreien musste. Aber man muss sagen, meine Tasse Tee ist die Musik sowieso leider nicht. Nichtsdestotrotz eine beeindruckende Gesangsleistung, die wohl auch den ein oder anderen neuen Fan anlocken konnte.

Gripweed

Für Nemesis war’s der dritte Gig der Bandgeschichte. Ich hatte das Vergnügen, den ersten Gig miterleben zu dürfen und muss nachfolgend feststellen, dass sich einiges getan hat. Gänzlich ohne spürbare Unsicherheiten ging die Band zu Werke und neo-classical-influenced-prog-power-metalte, was das Zeug hält. Den kleinen Seitenhieb auf die Genrezuordnung möge man mir verzeihen. Ein bisschen kürzer wäre sicher auch gegangen, oder? ;)

Nemesis spielten ein rundes Set, das sowohl die beiden veröffentlichten Songs “When God’s Are Calling” und “In Hell shall be thy Dwelling Place”, als auch eine schöne Ballade enthielt. Herzstück neben der wie schon letztes Mal herausragenden Performance von Frontfrau Rubina sind bei Nemesis natürlich die Prog- und Orchester-Elemente. Letztere fielen leider oft dem doch eher homogenen Sound des Mischers zum Opfer, der die Samples, wie auch den Gesang, teilweise stark in den Hintergrund mischte. Ebenso meist kaum hörbar waren die Gitarrensoli von Lead-Gitarrist Patrick. Insgesamt tat das aber weder der Spielfreude der Band noch dem wuchtigen Gesamtsound der teilweise recht komplexen Kompositionen keinen Abbruch. Aller guten Dinge sind drei, sagt man, und so war es auch. Es war einfach gut.

Fabian

Hellowed

Mit HELLOWED dürfte es für Feinde hohen Gesangs wieder eklig geworden sein. Zumindest gehöre ich nicht zu dieser Kategorie, weshalb ich mir den Auftritt mit Interesse angeschaut habe. Dabei stach mir gleich das Fehlen eines zweiten Gitarristen ins Auge, zumindest haute der Sänger ab und zu auf die Tasten seines Keyboards.

Anfangs war ich zugegebenermaßen etwas ernüchtert: die Stimmarbeit war sauber und gut vorgebracht, entfaltete dabei aber kaum Alleinstellungsmerkmale, ebenso fiel das Fehlen einer zweiten Gitarre zwar kaum ins Gewicht, das lag aber vor allem an den recht einfachen Songstrukturen. Immerhin steuerten die Keyboardeinlagen an manchen Stellen zu einem eigenständigeren Gesamtbild bei, allzu häufig kamen sie allerdings nicht vor.

Nach ein paar Liedern konnte ich mich schon mehr mit Hellowed anfreunden, nicht sehr originell war hingegen das Cover von „The Trooper“. Das Intro war mit dem Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre gut eingefangen, und auch die Stimme passte an dieser Stelle recht gut, allerdings ist es nunmal so eine Sache, dieses Lied zu covern, denn es passiert einfach zu oft. Leider scheiterte schlussendlich die Umsetzung, doch hier war keinesfalls die Band schuld, der Bass fiel nämlich aus. Mit nur einer Gitarre und ohne Bass klingt es einfach ziemlich dünn, was der Sänger auch im Nachhinein so kommentiert hat.

Kaum war der Ausfall mit ein paar Scherzen überbrückt, ging es auch wieder weiter und zugleich aufwärts. Das eigene Material gefiel mir recht gut, vor allem der Gesang des Drummers erwies sich durch den erzeugten Kontrast als enorme Hilfe, um die Songs nach altbekanntem Muster stark umzusetzen.

Wirklich überzeugt hat mich dann lustigerweise das zweite Cover. Lustig finde ich es, weil mich Cover eigentlich eher kalt lassen, schließlich wird meistens bloß davon profitiert, dass auch in der hintersten Reihe jeder das Lied kennt und mitziehen kann. In diesem Fall wurde allerdings eine Nummer von Savatage gewählt, was ich ziemlich mutig fand.

Der Entschluss hat sich allerdings voll und ganz ausgezahlt, denn trotz der Verschiedenheit beider Sänger passte die Stimme des Frontmannes gut ins Lied hinein, außerdem konnte er auf diese Weise sein Keyboard auch endlich gänzlich ausreizen. Höhepunkt war zum Schluss der dreistimmige Gesangsteppich, wo Drummer, Gitarrist und Frontmann zeitgleich die verschiedenen Textstellen vortrugen. Dies war meiner Meinung nach mit Abstand der Höhepunkt des Auftritts, den ich allerdings am Ende plaziert hätte, statt noch eine eher schnöde Mitsingnummer zu liefern. Für mich wäre es allerdings schön gewesen, wenn sich auch das eigene Material mehr in die Richtung des ausgereiften Covers von Savatage bewegt hätte.

Luc

Hellowed … was soll ich sagen… was die saarländische Metalszene angeht, sind Hellowed seit Jahren meine Favoriten, was an dem doch unverwechselbaren Gesangsstil von ihrem Sänger und der durchweg sympathischen Art liegt. Wie viele Gigs der Band begann auch dieses Konzert mit schlechten Vorzeichen, offensichtlich gehetzt begann man mit dem ersten Lied vom ersten Album, um dann mit dem ersten Lied vom zweiten Album (“Mirror of Wisdom”) und dem Maiden-Cover “Trooper” weiterzumachen.

Dieser Beginn wirkte doch sehr gehetzt, wenig Zeit, zu viel Druck auf den Schultern? Man kann schon fast sagen, dass “zum Glück” bei “The Trooper” der Bass ausfiel. So konnte sich die Band nämlich auf das konzentrieren, weswegen wir doch alle hergekommen sind: die großartigen Ansagen von Sänger Olli. Nein, natürlich sind wir alle wegen der Musik hergekommen, aber diese technische Panne machte den Gig um einiges freundlicher und entspannter, als es zu Beginn ausgesehen hatte.

Der weitere Gig beinhaltete Lieder vom neuen Album “Hellowed Ground”, nämlich “All My Dreams”, das Titelstück und “For the Crown”, bevor danach die obligatorische Savatage-Coverversion folgte, diesmal “Chance”, das ich beim letzten Gig-Review unterschlagen hatte. Und zum Abschluss gabs das fantastische “Beer for My Horses”, zu dem Olli auch wieder das Publikum mit einbezog. Er war glaube ich auch der einzige, der auf diesem Festival “unten”, bei uns, dem gemeinen Fussvolk, performte (Anm. d. Red: Die Fotos stellen de Gegenbeweis ;)). Das Lied stammt im Original von Toby Keith zusammen mit Willie Nelson, wie uns die Band später im Interview gestand…

Gripweed

D.B. Stroyer

D.B. Stroyer aus Italien hatten danach einen schweren Stand. Offensichtlich nicht ohne Grund. Auch im Rahmen der Review-Entstehung ist es mir mit all meiner journalistischen und wikipedia-technischen Ausbildung (immerhin hab ich dem Eder Franz  ein Original aus Bexbach, sei Artikel zum behalle gebrung) nicht gelungen, auch nur ein Fitzelchen an Information über die Band herauszufinden.

Ok, ein dubioses Bild mit “Gengis Khan Was a Rocker” hab ich gefunden und den Blaze haben sie wohl auch mal supportet. Scheint jedenfalls noch eine recht junge Band zu sein. Gespielt haben sie über die Anlage ihrer Kollegen von Skanners, die direkt nach ihnen dran waren. Es handelte sich wohl auch um die erste Show auf deutschem Boden. Von dem nicht so regen Zuspruch ließen sie sich jedenfalls nicht beirren und legten einen souveränen Gig hin, der mit dem Twisted-Sister-Cover “The Kids Are Back” ein schönes Highlight hatte. Wird selten gecovert das Teil! Db. Stroyer, ein Name, den man sich mal merken sollte…

Gripweed

Skanners

Skanners habe ich nicht so genau mitbekommen, auch weil ein Interview anstand und der Magen nach was Festem verlangte. Als Vegetarierer musste es da zur nahe gelegenen Pizzeria gehen, da das Volkshaus wohl auf tierliebende Gäste nicht eingestellt war. Dort traf man dann auch tatsächlich ein paar weitere Vertreter der Sorte “wir essen eurem Essen das Essen weg” und so gabs dann ne Grünkern-Party…nein, aber ein Salat war schon drin.

Zurück bei Skanners war offensichtlich wieder mehr los. All zu viele waren wohl noch nicht zum Fußball abgewandert. Die Profis aus Italien schafften es, das Publikum zu animieren. Seit 1983 gibts die Band schon, krass. Da merkt man mal, wie wenig präsent die italienische Heavy-Metal-Szene in Deutschland ist. Ich zumindest hatte noch nie etwas von der Band gehört.

Gripweed

Alltheniko

Alltheniko habe ich dann leider wegen Interview verpasst und war nur beim letzten Song wieder präsent. Wieder deutlich weniger los. Die einzige Thrash-Metal-Band des Abends aber. Vom Gesang her recht anstrengend, wie ich beim letzten Song mitbekam… Würde mal sagen, alte Destruction und Living Death standen Pate. Im Nachhinein schade, dass ich sie verpasst habe. (Anm. d. Red.: Leider waren auch alle anderen Schreiber mit dem Interview verplant. Sorry!).

Gripweed

The Mystery

The Mystery waren musikalisch leider nicht so mein Fall. Ihre Frontröhre hatte aber Power und war schon eine ziemliche Rampensau. Für die Freunde des female-fronted Metal sicherlich ein Highlight des Festivals. Vollprofis, das merkte man sofort. Vier Alben bereits im Gepäck, feierten an diesem Abend auch einige neue Songs Premiere, die auf dem demnächst erscheinenden Longplayer “Apocalypse 666″ enthalten sein werden. “Nailed to the Press” und “Cash Come” hießen die beiden Kleinode, die an diesem Tag einer Weltöffentlichkeit präsentiert wurden, die langsam zum Fußball abwanderte.

Schade eigentlich, ich frage mich echt, wie man solche Prioritäten setzen kann. Da bangt man einen Tag vorher zu Sachen wie “Bring Metal to the Stadiums/That’s where it belongs” und wenn es darum geht, den Worten Taten zu verleihen und die lokale Szene zu unterstützen, dann ist plötzlich der Verein, den man jahrelang mit Dreck beworfen hat, wichtiger. Supi Einstellung, unter der…[Achtung, künstlerisch wertvolle Überleitung]

Gripweed

Dragonsfire

…Dragonsfire wohl am meisten zu leiden hatten. Aber gut aufgelegt betraten die vier Mannen die Bühne und zeigten, wo der “Fun” im “Heavy Metal” steht. Selten eine so gut aufgelegte Band gesehen. Die Hessen hatten eine überdimensionale “Pommesgabel” mitgebracht und hatten auch an das leibliche Wohl ihrer Gäste gedacht: Äppelwoi reichten sie ins Publikum, dieser wurde auch in Windeseile ausgetrunken. Damit nicht genug: zum Essen und Trinken gehört auch das Spiel und so gabs für die anwesenden Gäste auch fünf Anglerspiele gratis.

Also, wenn man sie auffangen konnte. Wie das Ganze aussieht, gibts auf dem beiliegenden Foto zu sehen. Speis und Trank und, ach ja Mucke gabs auch noch bei dem ganzen Trubel auf der Bühne. Material aus den ersten beiden Alben “Visions of Fire” und “Metal Service”, sowie zwei neue Lieder, “Ask for More” und “The Prophet”.

Meinen Favourite, “Dragonsfire Rockxxx”, gabs schon gleich zu Anfang. Also Speis, Trank und Gesang, da fehlt doch noch was? Naja, Weib gab es nur im Publikum, dafür durfte es beim Mitsingen von “Raging Fire” aber (Zitat) “so richtig schwul werden“. Ein Highlight nach dem andern. Leider war das Ende etwas abrupt, offensichtlich hatte man die Zeit unterschätzt und statt einer Zugabe gabs nur die Ankündigung: “Outro”. Für mich das Highlight des Festivals und beste Band der beiden Tage!

Gripweed

Messenger

Headliner des zweiten und letzten Festivaltages waren Messenger, die zugleich natürlich auch die Veranstalter des Events waren. In diesem Sinne also mehr als “nur” ein Heimspiel, das die Power-Metal-Instanz um Lord Siggi hier bestritt – man spielte vor und für Familie.

Wie üblich gingen Messenger top professionell zu Werke und gaben von der ersten Sekunde an mächtig Gas, um die nicht dem Fußball anheim gefallenen, standhaften Metalheads wach und in Bewegung zu halten. Es wurden Songs der beiden Langeisen “Unter the Sign” und “See you in hell” dargeboten – inclusive des Helloween-Covers “Dr. Stein”, das beim Publikum auf ordentlich Gegenliebe stieß.

Trotz forteschrittener Stunde (wenngleich es nicht so spät war wie am Vortag bei Majesty) hatte das Publikum mit Messenger einen fitten Gastgeber und feierte ausgelassen und mit viel Bewegung mit der Band.

Nach den ersten paar Songs nahmen sich Messenger Zeit, um einige Ankündigungen zu machen. So wurden unter anderem die Miss Messenger 2012, Mister Kutte 2012 und der neue Name des armen DJs, den Lord Siggi üblicherweise einmal pro Auftritt köpft, verkündet. Mister Kutte ist Sprengie (http;//www.sprengies-world.de), den Titel Miss Messenger tragen A, B und C und der neue Name des DJs, der von unseren Lesern ersonnen und bei Messenger eingereicht wurde, lautet “Vic Tim” (Bilder weiter unten).

Ohne viel Getöse gings danach gewohnt energiegeladen und schwermetallisch weiter bis tief in die Nacht.

Für mich etwas schwer zu verfolgen, da ich Messenger zwar musikalisch und gemessen an den Kompositionen echt gut finde, der Gesang mir aber gefühlte 3 Oktaven zu weit oben ansetzt. Ist einfach Geschmacksache.

Fabian

Bilder: Gripweed; Reviews: LucGripweedFabian.

Hier gehts zur Galerie beider Tage, hier zu Tag 1.