Saarbangers Metal Festival 2012, Tag 1

Das SAARBANGERS METAL FESTIVAL 2012 ist vorbei und es gibt viel zu erzählen. 2 Tage wurde im Volkshaus Oberbexbach gemetalt, was das Zeug hält. 15 Bands ließen die Köpfe der Besucher in den zwei Tagen kreisen und sorgten für die optimale Alternative zum samstäglichen Fußball.

Organic Waste

Bei der ersten Band am Freitag hatten schon ein paar Leute nach Bexbach gefunden, die interessiert vor der Bühne standen und zum großen Teil bei ORGANIC WASTE mitzogen. Dazu verhalf natürlich auch die Tatsache, dass ausschließlich Cover dargeboten wurden, bei Klassikern geht das mit der Stimmung ja immer recht schnell. Vor allem aber verblüffte mich das Alter der Band, denn viele der Lieder hatten schon mehr Jahre auf dem Buckel als die Jungs auf der Bühne. Wie auf der Facebookseite der Band zu lesen ist, handelte es sich hierbei um den ersten Auftritt der Band, die vornehmlich aus Schülern der Modern Music School bestand und den Slot auf dem Saarbangers über eine Ausschreibung bei regioactive.de ergattern konnte.

So erklärt sich zumindest, warum die vier jungen Musiker recht steif wirkten und kaum Bewegung an den Tag legten, lediglich der Drummer trat ein ordentliches Stück lockerer auf als seine Kollegen. Was man der Band lassen muss, ist eine Menge Mut bei der Songauswahl, die sich in meinen Augen allerdings nicht ganz ausgezahlt hat. Gerade vom Gesang hängt ja bei Coversongs viel ab, dabei fiel dieser sehr viel rauer und düsterer aus, als von mir erwartet. Klassiker wie „The Trooper“ oder „TNT“ wurden nämlich mit einer Stimmarbeit vorgetragen, die mich frappierend an Lemmy erinnerte, je nach Song aber nicht so recht passen wollte.

Auf diese Weise stieg und fiel der Auftritt damit, wie gut sich der Gesang nun ins eigentliche Lied einfügte. Wo ich mir bei den Liedern von Iron Maiden die ganze Zeit über wünschte, sie hätten das lieber nicht getan, funktionierte beispielsweise das Cover von Megadeth tadellos. Auf jeden Fall war die Stimmarbeit interessant, auf der Gegenseite aber auch wie schon von Lemmy gewohnt ziemlich abwechslungsarm.

Vom instrumentalen Aspekt her war der Auftritt ebenso ein zweischneidiges Schwert. Teilweise war es nett anzusehen, wie die Klassiker von jungen Musikern artgerecht präsentiert wurden, dann gab es allerdings auch Momente, wo scheinbar die Nervosität siegte, so auch am Anfang von „The Trooper“, wo man sich gegenseitig vollkommen im Tempo verlor. Zudem waren die Gitarren von der Lautstärke her nicht unbedingt optimal aufeinander abgestimmt, was den Gesamteindruck etwas trübte.

Der Auftritt an sich war mutig, schließlich sieht man nicht jeden Tag, wie derart junge Musiker sich mit einer stimmlich gesehen recht eigenwilligen Interpretation an den Klassikern versuchen. Dem Publikum hat es als Einstieg aber scheinbar gefallen, so wurde in den vorderen Reihen nach einer Zugabe verlangt, die mit „You Suffer“ von Napalm Death auch humorvoll gespielt wurde. Mit einem lockereren Auftreten und passenderen Liedern wären Organic Waste sicherlich mehr als nur einen Blick wert, für ein erstes Konzert war es aber durchaus sehenswert.

Luc

Trickster’s Day

Extravagant war der Auftritt von TRICKSTER’S DAY, die nicht nur von der Kleidung her sehr stark auffielen, sondern auch eine Show ablieferten, die zum Bandnamen passte. Nach einem ziemlich coolen Intro fiel beim ersten Song gleich die als Nonne verkleidete Frau am Rand der Bühne auf, die mit gefalteten Händen und zum Beten geneigtem Haupt mitsang, was sehr authentisch rüberkam.

Gespielt wurde leicht metallisch anmutender Hard Rock, der sich vor allem durch die Stimmarbeit auszeichnet. Bei Trickster’s Day wurde der Gesang nämlich schön untereinander aufgeteilt, wobei meist zweistimmig gesungen wurde. Mit der weiblichen Stimme als Ergänzung war auch die nötige Abwechslung vorhanden, um nachhaltig im Ohr hängenzubleiben. Die Lieder waren genretypisch darauf ausgelegt, durch mitreißende Refrains und einprägsames Gitarrenspiel zu punkten, was auch ziemlich gut funktionierte. Ich bin mir allerdings sicher, dass mir der Auftritt mehr Freude bereitet hätte, wenn ich mich im Vorfeld einmal mit den beiden Alben der Band beschäftigt hätte.

Klare Stärke der Band war die überaus gelungene und charakterstarke Show. Neben altbekannten Einlagen wie der Vernichtung einer Flasche Jack Daniels auf der Bühne, wobei ein Bandmitglied passenderweise auch ein Tshirt der Marke trug, sowie einem Überschuss an Motivation, Bewegung und Spielfreude gab es noch mehr zu bestaunen. Einerseits wären da natürlich die bereits angesprochene Kleidung, sowie die weibliche Stimme als Ergänzung beim Gesang. Hinzu kamen kleine Spielereien wie eine explodierte Konfettikugel oder ein Blaulicht an den Drums, das zu derart früher Stunde allerdings wenig Effekt hatte.

Rückblickend war Trickster’s Day für mich eine der interessantesten Bands auf dem Saarbangers. Zwar war die eingeschlagene Marschrichtung mit ohrwurmlastigem Hard Rock jetzt nichts Besonderes, dafür wirkte der Auftritt als Ganzes sehr professionell und durchdacht auf mich. Gerade auf die Show mit vielen kleinen Überraschungen sollte die Band ihrem Namen entsprechend zukünftig noch weiter aufbauen, ebenso empfinde ich die Spielereien mit mehrstimmigem Gesang als klare Aufwertung. Trickster’s Day haben definitiv gut gerockt und eindrucksvoll gezeigt, wie man live artgerecht vorträgt.

Luc

Nion

Als dritte Band des immer noch recht jungen Abends durften NION ran. Die Mystic-Metaller kamen als erste Band des Events mit Frontfrau und ohne Bassist auf die Bühne. Ersteres ist für mich sowieso immer ein kleines Highlight, letzteres Tat dem Gig durchaus einen kleinen Abbruch.

Mit ihren pompösen Orchestral-Elementen, der hellen, oftmals schrillen Frauenstimme und dem gesampleten Bass hatte man es vor der Bühne teilweise echt schwer, der Show problemlos zu folgen. Im Interview nach dem Gig wurde schnell klar, wie das kommt: Die wenigsten Mischer, gerade auch einer Veranstaltung, bei der es viele Bands zu mischen gilt, kommen mit der enormen Bandbreite und Vielfalt von Nion klar. Die Orchester-Samples werden oft in den Hintergrund gestellt, weil sie fälschlicherweise als typische Background-Keys interpretiert werden. Der gesamplete Bass bekam ebenso wenig Spielraum, wodurch ein Großteil des Auftrittes von Nion ein Hochton-Gewitter war.

Der Stimmung auf der Bühne tat das keinen Abbruch. Wie man es von ihm gewöhnt ist, gab sich Lord Siggi spiel- und bewegungsfreudig und wusste die Aufmerksamkeit des Publikums durch die schnellen Links und Riffs zusammen mit teilweise akrobatischem Gepose auf sich zu ziehen. Frontfrau Marzena zog das Publikum durch wiederkehrende Bauchtanz-Einlagen und eine ausgefallene Kostümierung in ihren Bann.

Musikalisch sind Nion sehr melodisch, sehr schnell und sehr verspielt unterwegs. Mit Musik, die weniger zum mitgrooven als zum Staunen über das spielerische Können der Musiker anregt und einer energiegeladenen Bühnenperformance präsentierte sich Nion als würdiger Vertreter des Mystic-Metal auf dem Saarbangers Metal Festival 2012.

Fabian

Kryzees

Mit KRYZEES war die erste Band aus dem Ausland am Start. Die Franzosen haben recht klassischen Heavy Metal mit einem kleinen Hang zum Power Metal gespielt, wobei an dieser Stelle gleich gesagt werden muss, dass die Band wohl damit steigt und fällt, wie man zur Stimme steht. Der Frontmann hat sehr saubere Gesangsarbeit geleistet, allerdings war mir persönlich doch etwas zu viel Helium in seiner Lunge, er hat nämlich durchgehend sehr hoch gesungen. Wer damit leben kann, sollte auf jeden Fall einmal reinhören, denn sowohl vom Songmaterial, wie auch vom Bühnenleben her waren Kryzees ziemlich stark.

Instrumentale Glanzpassagen waren ebenso auszumachen wie ein gutes und motiviertes Auftreten. Die Band hat es definitiv genossen, im Ausland vor einem größeren Publikum zu spielen, was man ihnen zu jeder Sekunde angesehen hat. So wurde auch keine Gelegenheit ausgelassen, um sich den Zuschauern schmackhaft zu machen, denn unter anderem wurde spontan ein Album verschenkt, ebenso hat der Sänger nach dem Auftritt fleißig Setlists und dergleichen verteilt und den Kontakt zu den Gästen gesucht.

Während der Show war unter anderem ein Cover des Klassikers „War Pigs“ zu vernehmen, das eine Menge Zustimmung erntete. Weiterhin trumpfte das eigene Material mit angenehm druckvollen Passagen und der sauberen Gesangsarbeit auf. Bewegung gab es auf der Bühne mehr als genug, hier hat mir aber ein bisschen die Eigenständigkeit gefehlt, denn der Show fehlte es gerade mit dem Auftritt von Trickster’s Day im Hinterkopf ein wenig an Alleinstellungsmerkmalen.

Auch hier wäre es sicherlich nicht verkehrt gewesen, wenn ich mich im Vorfeld einmal reingearbeitet hätte, denn die Lieder waren allesamt kompromisslos auf den Punkt gebracht und luden zum Mitmachen ein. Manchmal wurde es mir persönlich zwar einen Tick zu repetitiv, viel mehr lässt sich aber nicht an den einzelnen Stücken aussetzen, denn die stilistische Marschrichtung haben Kryzees gut umgesetzt.

Auch eine Portion Humor fand ihren Weg auf die Bühne, so war ich erst leicht verwundert, als der Sänger am Gürtel herumgefummelt hat, nachdem er dann aber stolz sein Hinterteil mit bandeigener Unterwäsche präsentiert hat, musste ich doch herzlich lachen. Zum Schluss kam dann auch eine richtig gelungene Zugabe zum Mitsingen, welche den Auftritt gebührend abgerundet hat. Dank ihrer sympatischen Art konnten Kryzees auf jeden Fall ordentlich Punkte bei mir sammeln.

Luc

Wie immer freitags machte ich mich arg verspätet zum Saarbangers auf, wohlwissend wohl nur noch zwei Bands sehen zu können. Etwas seltsam war es dann schon, direkt vor der Hütte einen Parkplatz zu bekommen, aber naja, einem geschenkten Gaul…

Drinnen waren schon Kryzees hart am werkeln. Die Franzosen aus Bronvaux gaben ihre Bestes, um dem zahlreich erschienen Publikum zu zeigen, dass auch der Metal aus Lothringen seine Berechtigung hat (oder besser: überhaupt existiert). Erste-Klasse-Power-Metal, der recht eigenständig klang. Auch Striptease gabs zu sehen. Ich dachte schon, der Sänger wäre mit dem Publikum unzufrieden und würde uns seinen nackten Hintern präsentieren. Aber nix da: auf der Unterhose stand “KryZees Rocks”. Und das taten sie wirklich.

Als letztes Lied gabs noch eine eigenwillige Coverversion von Twisted Sisters “I Wanna Rock”, die nicht immer textlich treffsicher war, aber super zum Mitbangen animierte. Die Franzosen haben aber sowieso bei mir gewonnen: später fotografierte ich ihre Auslage, weil ich dort ein “KryZees”-Kondom entdeckte. Das bekam der Guitarrero mit und schenkte mir kurzerhand ihr Debüt “The Wheel of Fate” und das Kondom nenne ich jetzt auch mein eigen. Sehr nette Geste. Mittlerweile ist übrigens ihr zweites Album “Unchained” erschienen.

Gripweed

Französische Zusammenfassung:

Voici un petit resumé pour les lecteurs francais que j’ai adressé direktement aux artistes de Kryzees, ainsi le texte n’a pas la forme typique d’un review, mais vous pouvez lire ce que moi et Gripweed ont écrit à partir du concert:

Moi j’ai écrit que vous avez joué très proprement, en plus vous étiez très sympa avec les trucs que vous avez donné aux gens pendant et après le concert. J’ai eu un peu de difficultés avec la voix comme elle était vraiment très haute, mais propre en ce qui concerne l’aspect technique, alors ceux qui aiment cette sorte de voix ont sûrement eu beaucoup de plaisir pendant votre concert. Les titres joués étaient forts, seulement un peu répétitifs pour mon gout, mais je n’ai pas eu l’occasion de les écouter avant le concert ce qui explique cette opinion peut-être. À la fin c’était un concert fort que les gens ont bien aimé.

Le review de Gripweed dit à peu près la même chose, le gars a encore dit qu’il était vraiment surpris positivement d’avoir recu une CD de votre guitarriste quand il a fait des fotos de votre merch. Il a bien honoré ce geste sympa dans son texte.

Ansi deux reviews très favorables de part d’Iamhavoc.de

Luc

Torian

Mit den fünf Musikern als Paderborn stand nun schon der erste Co-Headliner auf der Bühne. Bestens gelaunt teilten TORIAN dem Publikum gleich mit, weshalb für sie ein besonderer Tag anstand: an diesem Abend war erstmals ihr neues Album „Dawn“ (Review, 9/10) zu erwerben, von dem auch gleich drei Lieder gespielt wurden. Den Anfang machte dabei das Bassinstrumental „Anthem To Ignorance“ als Intro, wobei Bassist Bengt lustigerweise seinen Teil mitklimperte, obwohl eigentlich ein Band lief.

Mit „Thunder Battalions“ folgte dann auch gleich der erste Song von der neuen Scheibe, der gerade durch seinen machtvollen Refrain ordentlich zum Mitsingen anstachelte. Die vorderen Reihen waren auf jeden Fall gut gefüllt, ebenso schienen mir bei Torian die meisten Leute an diesem Tag vor der Bühne gewesen zu sein. Das kam natürlich nicht von ungefähr, denn mit „Lords Of Babylon“ zeigten die Paderborner erneut, dass sie ihr Handwerk verstehen. Stampfende Gitarren luden zum Headbangen ein, und Frontmann Paras Gesangsleistung verlieh den Songs mit einem hohen Variantenreichtum, sowie einer Menge Kraft die nötige Würze. Gerade beim angesprochenen „Lords Of Babylon“ war er aber noch nicht so richtig warmgelaufen, denn teilweise wirkte er bei diesem Titel etwas kurzatmig, wovon später absolut nichts mehr zu merken war.

Bandklassiker wie „Stormbringer“ oder „Dragonfire“ fruchteten beim Publikum, das begeistert den Auftritt feierte, zudem zeichnete sich der Auftritt durch ein makelloses Zusammenspiel, sowie gewohnt starke Melodien aus. Bei „Into The Winter“ wurde der Einstieg im Gegensatz zur Albumversion ruhig gestaltet, wobei die Feuerzeuge gezückt werden durften, anschließend wurde natürlich wieder amtlich losgebrettert. Wie bereits gewohnt stand am Ende der Setlist die Bandhymne „Torian“, bei der noch einmal ordentlich Stimmung aufkam.

Mit sieben Liedern war der Auftritt leider nicht sonderlich lang, dessen ungeachtet haben Torian wieder einmal gezeigt, dass sie live eine absolute Macht sind und mit dem neuen Material so schnell nicht wieder von der Überholspur herunterkommen. Ebenso bot sich stilistisch mit ihrem kernigen Power Metal im Gegensatz zu den eher im Heavy Metal angesiedelten Bands des Abends ein schöner Kontrast, den das Publikum zweifellos zu würdigen wusste. Nach diesem Auftritt dürften Torian nun auch im Saarland eine Menge Fans hinzugewonnen haben, vielleicht sieht man sie ja demnächst mit einem längeren Set in dieser Region wieder.

Luc

Als nächstes waren Torian am Start, deren Bandlogo ich mit dem von Toxik verwechselte und die Band kurzerhand in Toxian umtaufte. Da war ich wohl auch nicht alleine, schließlich soll der  Sänger die Band auch so angekündigt haben ;-) Spaß hatten sie an der Sache, denn just an diesem Tag erschien auch ihr Album “Dawn”. Mittlerweile ihr drittes Album und das zweite bei Sound Guerilla.

Die fünfköpfige Formation aus Paderborn spielte Power Metal wie es sich gehört, mit typischen Sword & Sorcery-Texten, wie bei dem Banger “Dragonfire”. Aber auch ihre Herkunft vergaßen die Metaller nicht: “You saw the signs when you crossed the Rhine/Your world empire´s not here!” riefen sie den römischen Truppen bei “Stormbringer” zu, um dann in genretypische Haus-Maus-Reimen “night – light – fright” zu reimen. Mein Highlight war das ruhig beginnende “Into the Winter”, das sich trotz Feuerzeugeinsatz am Anfang noch rasant entwickelt und mit dem klasse Chorus

Into the Winter- We march and we´ll stand

Into December –The Spring´s in your hands

Cold is the Winter- Our dreams under ice

Dark is December- No star heals the Night

zum Mitsingen animierte. Der letzte Song war dann ein Theme-Song mit dem schlichten Namen “Torian”.

Gripweed

Majesty

Bei MAJESTY, dem Headliner des ersten Tages, hatten leider schon viele Leute die Heimreise angetreten, denn wegen eines Verzugs im Zeitplan betraten die Musiker erst zu fortgeschrittener Stunde die Bühne. Die verbliebenen Gäste ließen sich dagegen keine Anzeichen von Müdigkeit anmerken, denn bei Majesty zog es quasi alle Leute nach vorne, wo kräftig mitgesungen und gefeiert wurde. Dazu muss man sagen, dass Majesty ziemlich stark in die gleiche Kerbe schlägt wie Manowar, sie polarisieren also enorm und folglich liebt man sie entweder, oder man verlässt gleich den Saal.

Passend zu den vor Pathos nur so triefenden Liedern erschienen Majesty stilgetreu im Lederoutfit, wobei sie nicht so sehr übertrieben, wie man es von Manowar gewohnt ist. Keinen Grund zur Kritik lieferte der Auftritt selbst, denn die Musiker waren allesamt bei der Sache, zeigten eine enorme Spielfreude und begeisterten durch makelloses und präzises Handwerk. Entsprechend war die Stimmung am kochen, nur wenige Leute schafften es, bei den unzähligen Metalhymnen ruhig stehen zu bleiben.

Natürlich legen es Majesty auch genau auf diese Art Auftritt an, denn quasi alle gespielten Lieder zeigen starke Ähnlichkeiten was die Struktur anbelangt, ebenso gab es immer wieder Querverweise auf Manowar. Nicht nur einmal wurde ein ruhiger Mittelteil gespielt, der mich an „Warriors Of The World“ erinnerte, aber mir soll es recht sein, denn funktioniert hat es. Persönlich hätte ich aber nichts dagegen gehabt, auch ein paar Lieder zu hören, die nicht dem gleichen Schema folgen, denn auf den Alben sind diese durchaus zu finden.

Eine schöne Abwechslung war da ein ruhiger Titel, untermalt von akkustischen Gitarrenklängen gegen Ende der Show. Letztere hat übrigens knappe zwei Stunden gedauert, was ich als ziemlich herausragende Leistung ansehe, schließlich war im Vorfeld keine feste Spielzeit festgelegt. Ebenso wundert es mich, dass die strukturell teilweise sehr ähnlich aufgebauten Songs nicht langweilig wurden.

Einerseits mag das selbstverständlich an der sympatischen und zugleich professionellen Art liegen, wie die Musiker aufgetreten sind, andererseits wurden auch ein paar meiner Favoriten gespielt, bei denen ich selbst kräftig mitsingen konnte, so unter anderem „Sons Of A New Millenium“ oder „Hellforces“. Besonders stachen mir die sehr kompakten, dafür aber umso wirkungsvolleren Gitarrensoli ins Auge, ebenfalls brachte die stark eingesetzte Charakterstimme des Frontmannes eine enorme Aufwertung mit sich. Auf diese Weise haben Majesty das nötige Feingefühl bewiesen, um aus prinzipiell simplen Nummern schlussendlich doch Lieder zu machen, die einen über Stunden hinweg fesseln können.

Leider wurde es mir gegen Ende doch zu viel zu dieser späten Uhrzeit ohne ausreichend Alkohol im Blut, sodass ich kurz nach zwei Uhr den Saal verließ und mir vor der Tür etwas die Füße vertrat. Insgesamt wurden meine Erwartungen an Majesty übertroffen, allerdings muss man diese Art von Musik einfach mögen, denn ansonsten kann die Band einen noch so gelungenen Auftritt abliefern und trotzdem wenig Gegenliebe ernten. Bei mir und den übrigen Gästen hat es zumindest reibungslos funktioniert.

Luc

Nach Torian folgte eine lange Umbauphase, die viele Besucher offensichtlich überforderte. Vertraute Gesichter waren plötzlich weg. Naja, so konnte man sich besser auf das Kommende vorbereiten. Um 0:15 Uhr standen dann Majesty mit über einstündiger Verspätung auf der Bühne. Mitgebracht hatten sie ihr Best-of-Album “Own the Crown” und so entwickelte sich das Konzert zu einem ebensolchen Best-Of-Programm. Aus allen Schaffensperioden einer vierzehnjährigen Geschichte wurden die besten Songs ausgewählt, so zum Beispiel Lieder wie “Hail for Majesty”, “Metal on the Road”, “Children of the Storm” und “Heavy Metal Battlecry”.

Erfreut zeigte sich die Gruppe auch über die Standfestigkeit der verbliebenen Saarländer. “Im Saarland lebt der Metal noch“, ließ sich von der Bühne vernehmen. Einen eigenen Schlachtruf hatten sie auch mitgebracht: “Hey Hey Majesty“… naja, gab wohl schon klügere Schlachtrufe, aber wenigstens konnte man dann nix falsch machen.

Überflüssig fand ich das Drumsolo nach “Reign in Glory”, danach kam die Band aber mit “Fields of War” zurück und brachte um kurz nach eins noch einmal Bewegung in die müden Knochen. Wer nun dachte, es geht dem Ende zu, war jedoch auf dem Holzweg: “Hellforces”, “Sons of the New Millenium”, “Own the Crown” und “Into the Stadium”, das Repertoire der Band war schier unerschöpflich.

Mit “Sword & Sorcery” war dann erstmal Schluss, doch die Band kam noch für drei Zugaben zurück: “Epic War” und “Keep It True”, das Lied nach dem ein ganzes Festival benannt wurde, durften natürlich nicht fehlen. Mit “Metal to the Metalheads” um kurz nach zwei war dann Ende Gelände. Ein krass geiler Auftritt – aber schon anstrengend. Und ich hatte nicht mal was getrunken. Ich frage mich, wie das die restlichen Festivalbesucher durchgestanden haben…

Gripweed

Bilder: Gripweed; Reviews: Luc, Gripweed, Fabian.

Hier gehts zur Galerie beider Tage, hier zu Tag 2.

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