Am 7. April fand in Vichten ein Konzert statt, das für mich eine sehr seltene, aber angenehme Eigenschaft besaß: es war nicht mit einer Stunde Fahrt verbunden, sondern befand sich quasi um die Ecke. Für eine Gegend, wo konzertmäßig leider recht wenig los ist, möchte ich deswegen ein Lob an die Organisation aussprechen, dass sie es trotzdem gewagt haben, gleich ein Programm mit sieben Bands anzubieten. Es gab also genug Gründe, die Reise aus jeglichen Ecken Luxemburgs auf sich zu nehmen, immerhin wurden faire Preise, ein guter Sound und hochkarätige Musik geboten.

Den Anfang machte eine Band, die mir bislang vollkommen unbekannt war, obwohl sie bereits seit 1995 mit Unterbrechungen existiert – FARADAY’S CAGE. Nun gut, mit Spannung beobachtete ich also einen Auftritt, der in unserer lokalen Metallandschaft gleich durch seine Andersartigkeit angenehm auffiel. Geboten wurde eine Mischung aus melodischem Hard Rock und Heavy Metal, dazu kam der Einsatz eines Keyboards. Insgesamt fühlte ich mich stilistisch leicht an Voodoo Circle erinnert, zwischen den anderen Bands wirkten Faraday’s Cage also erfrischend altmodisch.
Einerseits sorgte der Gesang für Staunen, denn stimmlich konnten die Opener des Abends definitiv auftrumpfen, auch wenn sich der Frontmann stets in den gleichen Tonlagen bewegte. Ein wenig mehr Abwechslung hätte hier sicherlich nicht geschadet, so richtig festsetzen konnten sich die einzelnen Lieder beim ersten Hörgang nämlich nicht, klangen dafür aber durchweg gut.
Hier trug auch ein gekonntes Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre seinen Teil zum Gesamtbild hinzu. Die beiden Instrumente waren hervorragend aufeinander abgestimmt, wobei die Saiten stets im Vordergrund blieben und von den Tasten unterstützend ergänzt wurden. Ein großes Lob geht dabei gleich an die mitreißende und zu jeder Sekunde melodische Gitarrenarbeit, welche eine klare Linie durch die einzelnen Lieder zog.
Durch den extrem sauberen Sound konnten die Stücke musikalisch ihre volle Wirkung entfalten, dagegen stellte sich allerdings eine weitestgehend fehlende Bühnenpräsenz. Wo der Gitarrist zwar die ganze Zeit über sein Spiel auch mit den passenden Gesten untermalte, nutzte der Sänger die Gelegenheit hierzu quasi nur, wenn er auch gerade seiner Arbeit am Mikro nachging. Vollkommen ruhig verharrten leider der Keyboarder und der Bassist, weshalb auf der Bühne sehr wenig Leben herrschte.
Hierdurch fehlte ein optisches Gegenstück zur Musik, und die Lieder wirkten zäher und langatmiger. Gerade angesichts des gelungenen Sounds und des sauberen Spiels war es eigentlich schade, dass gerade in dieser Hinsicht so viel Potenzial verschenkt wurde, denn auf diese Weise zog der ganze Auftritt zu sehr an einem vorbei. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, während die fehlende Bühnenpräsenz eigentlich unnötig war. Jedenfalls erlebte ich bei Faraday’s Cages Auftritt eine angenehme Überraschung, diese Gruppe werde ich mir nach Möglichkeit in Zukunft öfter anschauen.
Nachdem der Slot von WE KNEW JOHN DOE anfangs von A Mute Appeal eingenommen werden sollte, und nach einer Absage Perish With Pride als zweite Band spielen sollten, konnten auch diese nicht kommen, und We Knew John Doe sprang ein. An zweiter Stelle ging damit die jüngste Band des Abends ihren Auftritt an und beschallte das mittlerweile etwas zahlreichere Publikum mit einer Mischung von melodischem Death Metal und Elementen aus dem Corebereich.
Zwar wagten sich hier etwas mehr Leute nach vorne, ein so gelungenes Soundbild wie bei Faraday’s Cage fehlte aber diesmal. Die Gitarren waren nicht optimal aufeinander abgestimmt, sodass mir eine teilweise zu leise erschien, weiterhin hätte auch die Stimme einen Tick lauter sein dürfen. Die wütenden Growls und Screams verloren nämlich etwas ihren Effekt, da sie nicht deutlich genug durch die restlichen Klänge tönten. Trotzdem ließ sich eigentlich alles klar heraushören, und von diesen kleinen Problemen ließ sich die Band natürlich nicht beirren.
Stattdessen wurde das Gaspedal voll durchgedrückt, was sich in erster Linie durch ein temporeiches und sehr sauberes Spiel an den Drums äußerte. An der Gitarre schlichen sich vereinzelte Fehler ein, die allerdings nicht ins Gewicht fielen. Ansonsten war der Auftritt eigentlich sauber, bloß bei „Just One Step“ gab es ein größeres Problem: der Cleangesang des Drummers hätte diesem Titel eigentlich im Refrain seinen Anstrich verleihen sollen, zu dessen Nachteil war sein Mikro viel zu leise eingestellt, und seine Stimmarbeit ließ sich nur erahnen.
Angesichts der gelungenen Darbietung war es schade, dass aus Zeitmangel ein Lied von der ohnehin kurzen Setlist gestrichen werden musste. So wurde „Dead Trees“ übersprungen, und aus dem halbstündigen Auftritt wurden magere 25 Minuten. Schade, denn es war mit Sicherheit nicht der beste Auftritt der jungen Band, Spaß gemacht hat es aber trotzdem, weshalb ich gerne noch etwas länger zugehört hätte.
An dieser Stelle fasse ich mich jetzt sehr kurz, immerhin habe ich in letzter Zeit bereits öfters über SLEEPERS’ GUILT geschrieben. Vom Auftritt her war wie gewohnt alles stark, Bassist Philip bewegte sich krankheitshalber diesmal weniger agil über die Bühne, das machte Sänger Raf aber mit seiner angestauten Energie wieder wett. Leider gab es beim Sound ein paar Probleme, weshalb die Stimmarbeit manchmal einen sehr unangenehmen Nachhall hatte, der sich ziemlich störend auswirkte. Ansonsten ein wie gewohnt gelungener Auftritt, dem die Probleme mit dem Gesang leider teilweise sehr schwer zur Last fielen.
Als vierte Band trat eine Gruppe auf, die ich zuletzt vor einer Gefühlten Ewigkeit mit ihrem alten Sänger gesehen und für weniger gut befunden hatte – AN APPLE A DAY. Während des Soundchecks wurde ich durch die neue Stimme aber gleich neugierig, diese gefiel mir nämlich ausgesprochen gut. Auch im späteren Auftritt erklangen die Growls auf sehr dichte und saubere Art, wobei der Sänger auf Töne in den extrem hohen oder tiefen Bereichen verzichtete und seine Stimmarbeit lieber der Musik möglichst zuträglich gestaltete.
Damit war bei mir zumindest schon ein Stein im Brett. Einen weiteren Trumpf spielten An Apple A Day mit ihrer extremen Beweglichkeit aus. Es verging kaum eine Sekunde, wo ein Bandmitglied stillstand. Die jungen Musiker bewegten sich ohne Unterlass über die Bühne und sorgten dafür, dass ihre Darbietung niemanden langweilte. Leider zog das Publikum an dieser Stelle kaum mit, die wenigen Zuschauer in den vorderen Reihen ignorierten auch die Aufforderung zum Circle Pit, während im hinteren Teil des Saals doch recht viele Leute das Spiel der jungen Gruppe aufmerksam begutachteten.
Allerdings gab es auf musikalischer Ebene ein paar Dinge zu bemängeln. Vor allem der Sound machte An Apple A Day einen Strich durch die Rechnung, denn eine Gitarre ließ sich kaum heraushören. Dabei war zu erkennen, dass einem gerade dadurch ein paar interessante Passagen entgingen. Zumindest hielt die Band dadurch entgegen, dass die Lieder in allen Belangen mit guten Ideen aufwarteten. Trotzdem fehlte mir irgendwo die Struktur, welche die einzelnen Stücke für mich unterscheidbar macht, vielleicht ging diese allerdings auch mit den fehlenden Gitarrenklängen unter. Ideenlosigkeit kann man der Band jedenfalls nicht vorwerfen.
Manche Passagen wurden zweistimmig gesungen, wobei auch der Bassist zum Einsatz kam. Dessen Stimme ähnelte jener des Sängers allerdings ziemlich stark, weshalb diese Teile etwas ihre Wirkung verloren. Diesen Umstand hätte man eigentlich für ein paar interessante Ideen in den Gesangspassagen nutzen können, was eher nicht getan wurde.
Wo die Drum präzise hämmerte, kam es den Gitarristen manchmal vor, dass sie sich gegenseitig etwas verloren. Dieses Problem fiel aber nicht sonderlich auf, schließlich war einer der beiden nur mit Mühe hörbar. Zum Glück spielte die Band ihre größte Stärke, nämlich das agile Bühnenleben, gekonnt aus, indem sie auf eine sehr präzise abgestimmte Beleuchtung setzten. Man muss natürlich davon profitieren, wenn der Mann hinter dem Mischpult die eigene Musik fast auswendig kennt, so wurde optisch teilweise ein wirklich erstaunliches Feuerwerk geboten. Nach dem Auftritt war ich doch positiv überrascht, die Band hat sich seit meiner letzten Erfahrung stark verbessert.
Wo es An Apple A Day trotz massiven Einsatzes auf der Bühne nicht so recht gelungen war, im Publikum für Bewegung zu sorgen, gelang dieses Unterfangen COSMOGON ohne größere Mühe. Wie gewohnt schlug die Band mit einem teils treibenden, teils sehr langsamen Groovehammer auf die Meute ein, die sich dem kaum entziehen konnte. Dabei sorgte ein sehr weit in den tiefen Tönen angelegtes Zusammenspiel von Bass und Gitarre für einen mitreißenden instrumentalen Hintergrund.
Der Sound war anfangs etwas problematisch, in den Basssound hatte sich nämlich ein störendes Wummern eingeschlichen, zum Glück war dieses Manko schnell beseitigt. Ansonsten hätte die Stimme vielleicht etwas mehr im Vordergrund stehen können, viel mehr war an dieser Stelle aber nicht zu beanstanden. Insgesamt waren Cosmogon also mit einem gelungenen Sound gerüstet und dazu bereit, den Leuten etwas einzuheizen.
Wie es sich für die erfahrenen Musiker gehörte, blieb der Auftritt quasi fehlerlos, auch die Bühne wurde von den knapp vier Bandmitgliedern gut ausgefüllt. Etwas an Reiz verloren dagegen Sänger Fabrices Ansagen, die sich leider sehr oft wiederholten. Nachdem bereits über zehnmal gefragt wurde, wie es den Anwesenden geht, ist ein zurückgehender Enthusiasmus beim Publikum nicht unbedingt verwunderlich, zumal es sich wirklich immer um genau den gleichen Ausruf handelte.
Für gute Laune unter den Zuschauern sorgten dafür ein paar spaßige Passagen, sowie Kultbösewicht Darth Vaders Melodie als Intro. Gepaart mit der eigensinnigen Musik war es daher kein Wunder, wie ausgiebig manche Leute in den ersten Reihen Cosmogon feierten. Die Band verstand sich nämlich ausgezeichnet darauf, durch ein sehr schönes Wechselspiel von schnellen und langsamen Passagen ein interessantes Klangbild zu erschaffen, das hauptsächlich von der absoluten Präzision der Musiker lebt.
Wo mir beim ersten Auftritt eher negativ aufgefallen war, dass sich gegen Schluss des Auftritts bevorzugt langsamere Passagen zeigten, kann ich damit mittlerweile ganz gut leben. Auf diese Weise werden nämlich zu beginn die Mähnen kreisen gelassen, damit möglichst viele Leute hineinfinden, anschließend drosseln Cosmogon das Tempo und hüllen die Zuschauer mit ihrem eigenwilligen Stil ein, sodass sich ihnen niemand mehr entziehen kann. Für mich ein durchweg gelungener Auftritt, der Cosmogons Qualitäten nur noch einmal unterstrichen hat.
Leider war ich an diesem Tag ziemlich müde und wollte bei Scarred nicht vollkommen erschöpft sein, aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, bei MILES TO PERDITION lieber an der frischen Luft wieder Kräfte zu sammeln. Über sie kann ich also nichts schreiben.
Zu sehr weit fortgeschrittener Stunde betraten schließlich SCARRED die Bühne, wobei viele Zuschauer zwischenzeitlich den Heimweg angetreten hatten, trotzdem blieb noch ein harter Kern übrig. Eigentlich verwunderte es mich, wieviele Leute noch anwesend waren, immerhin war schon nach ein Uhr, und mir verging selbst allmählich die Lust. Ein paar Bier hätten daran sicherlich etwas geändert, aber ich musste ja fahren, wobei die vorderen Reihen bereits genug getrunken zu haben schienen.
Zumindest die fünf Männer auf der Bühne waren keineswegs verschlafen und heizten ordentlich mit ihrer Musik ein. Dass Scarred alles andere als leichte Kost bieten, kam für mich zu dieser Stunde wenig gelegen, zumindest erleichterte mir der astreine Sound ihren Auftritt. Wie von dieser Kapelle gewohnt, blieb das Spiel an sämtlichen Instrumenten nahezu fehlerfrei und abwechslungsreich. Hierbei drängte sich mir auch der Vergleich zwischen Album und Livedarbietung der Lieder auf. In dieser Hinsicht bevorzuge ich klar die zweite Variante, denn durch den druckvollen Sound konnten sich die Besonderheiten der einzelnen Lieder viel besser aufzeigen, und die Musik war weitaus weniger anstrengend als von den Aufnahmen her gewohnt, konnte aber weiterhin alle Stärken ausspielen.
Natürlich befand sich die Band bei bester Laune, was sie den ganzen Auftritt über zum Ausdruck brachten. Aus diesem Grund ließen sie sich auch dazu hinreißen, ein bislang nie gespieltes Lied vom neuen Album dazubieten. Stilistisch blieben sich Scarred dabei treu, allerdings ließen sich in der Musik schon ein paar Akzente mehr ausmachen, die mir dabei halfen, mich gleich am Material festzugreifen.
Auch zwei Gastsänger fanden ihren Weg auf die Bühne, so halfen Fabrice von Cosmogon und Bördi von KRATON bei zwei Liedern mit, die verbliebenen Zuschauer zusätzlich anzustacheln. An sich war das eine gute Sache, nur hat man diese beiden Herrn in letzter Zeit ziemlich oft als Gaststimme bei lokalen Konzerten erlebt, allmählich geht der Reiz etwas verloren. Gerade bei Fabrice, den man mit seiner eigenen Band bereits bestaunen durfte, und der dem Frontmann von Scarred stimmtlich recht ähnlich ist, hielt sich die Euphorie bei mir doch in Grenzen. Bördi wusste an dieser Stelle zumindest mit seiner Stimmarbeit das Klangspektrum zu erweitern. Gegen den Einsatz der beiden Sänger ist eigentlich nichts zu sagen, nur nutzt es sich ab, auf jedem Konzert die gleichen Gastauftritte zu erleben.
Als nach zwei Uhr die letzten Klänge gespielt waren, und gegen Schluss mit „Ground Zero“ nochmal alles dem Erdboden gleichgemacht wurde, war ich doch irgendwie froh, dass es vorüber war. Der Auftritt war eigentlich vollends gelungen, das Material stark, nur hat man es mit der Uhrzeit doch etwas zu gut gemeint. Eine anspruchslosere Kapelle hätte ich mir zu so später Stunde lieber gegeben, etwas früher am Abend hätten mich Scarred dafür mit Sicherheit eher begeistert. Immerhin spricht es für die Band, dass ich das Konzert trotz allem mit Interesse verfolgt habe, dieses war nämlich sehr stark und blieb über seine ganze Dauer hinweg spannend.
Luc Francois - Originalbeitrag auf Lucs Blog - Lucs Profil bei Facebook


Hier gibts Videos von allen Bands: http://www.youtube.com/playlist?list=PL3B4582FBFCB6EF8C
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