Deadlock, Exhaus Trier, 29.04.2012

An einem Sonntag ein Konzert zu geben, ist immer so eine Sache. Die Leute müssen am nächsten Tag arbeiten oder zur Schule gehen, ebenso sieht es vergleichsweise schlecht mit dem öffentlichen Transport aus. Wenn es sich dann auch noch um einen recht kleinen Saal handelt, und entsprechend wenig Werbung gemacht wird, dann kann es gerne einmal vorkommen, dass auch eine namhafte Band vor einem sehr überschaubaren Publikum spielen muss. So ging es am vergangenen Sonntag auch Deadlock, die mit Devastating Enemy und We Knew John Doe als Vorbands das Exhaus in Trier stürmten.

We Knew John Doe

Als Opener vor einem spärlichen Publikum zu spielen, ist immer so eine Sache. Viel Mitmachbereitschaft kann man nicht erwarten, ebenso muss man die Leute irgendwie anstacheln, damit sie doch am Ende mitziehen. Noch schwieriger wird es, wenn auch die Bühne ziemlich klein ist, und daher wenig Spielraum für die Band bleibt. WE KNEW JOHN DOE hatten also nicht sonderlich gute Karten für ihren Auftritt, doch wer lässt sich von so etwas schon unterkriegen?

Die Luxemburger freuten sich, ihre Musik auch einmal dem nahen Ausland zugänglich machen zu dürfen, weshalb sie munter den Kontakt zum Publikum suchten. Aus diesem Grund entschied sich die Saitenfraktion dazu, einen Teil des Auftritts vor der eigentlichen Bühne zu verbringen, damit einerseits mehr Platz für die fünf Musiker war, andererseits näherte man sich so auch den anwesenden Zuschauern.

Das Spiel an den Instrumenten war nahezu durchgehend sauber und präzise, lediglich am Anfang des Liedes „Just One Step“ kam es zu einem kleinen Fehler bei der Koordination, der mir eigentlich auch nur deshalb auffiel, weil ich das Lied bereits kannte. Ansonsten gab es außer ein paar Unstimmigkeiten beim Sound keinen wirklichen Grund zur Klage. Die beiden Gitarren waren von der Lautstärke her nicht optimal aufeinander abgestimmt, heraushören ließ sich aber alles.

Mit der gelungenen Darbietung ließen sich schließlich auch ein paar Gäste zum Mitmachen animieren, damit erreichten We Knew John Doe immerhin mehr, als ich vom überschaubaren Publikum erwartet hätte. Einen Großteil dazu trug auch Sänger Sven bei, der anfangs etwas unbeholfen, dafür aber erfreulich hartnäckig versuchte, einen Draht zu den Leuten aufzubauen. Im direkten Vergleich zu früheren Auftritten der Band war seine Leistung am Mikrofon sogar einen Tick stärker und druckvoller.

Bei manchen Gesangspassagen griff ihm auch Drummer Sacha unter die Arme, der einerseits unclean, und im Refrain von „Just One Step“ auch mit cleaner Stimmarbeit aushalf. Hierbei wäre anzumerken, dass sowohl Gesang, wie auch Drumming während dieser Passagen sauber und fehlerfrei blieben, wobei die Zweistimmigkeit zu deutlich mehr Volumen verhalf.

Gegen Ende des Auftritts wurde klar, dass We Knew John Doe eine gute Arbeit geleistet hatten. Die Leute waren zum Teil doch mitgezogen, und auch im hinteren Teil des Saales wurden ihnen interessierte Blicke zugeworfen. Natürlich wäre unter besseren Bedingungen ein lebendigeres Konzert möglich gewesen, dafür überzeugte die Band durch eine musikalisch reife Leistung, sowie die nötige Entschlossenheit, um auch bei so wenigen Besuchern seiner Aufgabe als Opener gerecht zu werden.

Devastating Enemy

Für DEVASTATING ENEMY war es mit Sicherheit nicht sonderlich erfreulich, dass ausgerechnet das letzte gemeinsame Konzert mit Deadlock derart wenig Leute anzog. Noch dazu brachten sie im Gegensatz zu We Knew John Doe niemandem aus dem Freundeskreis mit, der gleich von Beginn an mitzog. So kam es, dass sie das erste Lied quasi ohne aktives Publikum vortrugen. Die Leute lehnten entweder an der Bar oder saßen irgendwo in der Gegend rum, was Devastating Enemy keineswegs auf sich sitzen ließen.

Kaum waren die ersten Noten gespielt, machten die drei Saitenhexer wie auf Kommando den Saal unsicher und stachelten sämtliche Zuschauer einzeln dazu an, mehr als nur einen Schritt nach vorne zu wagen. Diese Aktion war den Musikern vor allem durch die Tatsache möglich, dass sie auf kabelloses Equipment setzten, was sie auch im weiteren Verlauf des Konzertes zu ihren Gunsten einsetzten.

Die erhoffte Wirkung ließ nicht lange auf sich warten, denn nach und nach begaben sich die Leute nach vorne und machten schnell mit. Dies war allerdings weniger ein glücklicher Zufall, als ein verdienter Erfolg, denn Devastating Enemy glänzten gleich in mehreren Hinsichten. Die vier Musiker verstanden sich nämlich hervorragend auf ihr Handwerk und konnten dazu durch ausgereiftes Material punkten. Geboten wurde melodischer, zuweilen auch sehr technisch angehauchter Death Metal, der hin und wieder einen stilistischen Verweis zu den Headlinern machte. Insofern haben Deadlock ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Vorband bewiesen.

Kaum kreiste die erste Mähne vor der Bühne, zeigten sich die Musiker bestens gelaunt und ließen einen nicht los, indem sie häufig ihre Runden durch den Saal drehten, einzelne Leute anspielten und vor allem dafür sorgten, dass sich niemand langweilte. Das kam bei den größtenteils schnellen und mit interessanten Melodien angereicherten Liedern sowieso nicht in Frage. Neben einem antreibenden Gitarrenspiel glänzten Devastating Enemy nämlich auch durch eine machtvolle Stimmarbeit und einen agilen Drummer. Die Gitarre des Sängers hätte allerdings deutlich lauter sein müssen, ebenso fehlte es dem Bass etwas an Druck, viel mehr ließ sich am Sound allerdings nicht beanstanden.

Höhepunkt des Auftritts waren meiner Ansicht nach ganz klar die gezeigte Spielfreude vor kleinem Publikum, die mitreißende Show durch ein Übermaß an Beweglichkeit, sowie ein paar sehr schöne Passagen an der Gitarre. Die Band gab sich größte Mühe bei ihrer Darbietung, lediglich bei den Ansagen kamen sie sich manchmal selbst in die Quere. So forderte der Drummer beispielsweise zu einem kleinen Spiel auf, das wohl niemand im Saal so richtig verstanden hatte, da einfach zu schnell und daher undeutlich erklärt wurde. Der Gag wollte daher nicht so richtig zünden, der Versuch an sich dagenen war löblich. Insgesamt gefielen mir Devastating Enemy mit ihrer energiegeladenen und sympatischen Art und Weise wirklich gut. Auch hier bedauerte ich eigentlich die geringe Zuschauerzahl, dafür konnte sich die Band gerade aus diesem Grund durch den Saal bewegen, wie es sonst nicht möglich gewesen wäre.

Deadlock

DEADLOCK höre ich schon seit einer ganze Weile ganz gerne, daher hatte ich das Konzert voller Vorfreude besucht. Trotzdem wuchs meine Skepsis im Laufe des Abends ziemlich stark an. Einerseits hatte vor kurzer Zeit ein Wechsel am Mikrofon stattgefunden, die neue Stimme kannte ich daher noch nicht. Zudem war nicht absehbar, wie sie auf die geringe Zuschauerzahl und die nahezu winzige Bühne reagieren würden. Zu allem Übel fehlte auch noch ein Gitarrist, wobei „Übel“ hier an sich das falsche Wort ist, schließlich ist es doch eine schöne Sache, wenn der Mann Vater wird.

Ich war also auf die Band gespannt, versuchte aber gleichzeitig, meine Erwartungen klein zu halten. Als Freund ihrer Musik fand ich natürlich schnell in die gespielten Lieder hinein, ein kleiner Stolperstein war dabei aber der Sound: Beide Stimmen hätten lauter sein müssen, die zweite Gitarre kam zwar vom Band und ergänzte so das Klangbild, hätte aber ebenfalls mehr Druck vertragen können. Auf diese Weise fiel es mir manchmal schwer, mich innerhalb der Musik zurechtzufinden, zumindest für mich fiel das aber nicht so sehr ins Gewicht, da ich wie bereits erwähnt die Lieder allesamt im Kopf hatte.

Einen großen Pluspunkt sammelten Deadlock bei mir für ihre Offenheit. Sie bemühten sich gleich vom Anfang der Show an um viel Kontakt zum Publikum. Zwischen den Liedern erzählte der neue Sänger John ein paar Anekdoten, wobei er seine Ansagen stets interessant hielt, und keineswegs wie ein Plappermaul oder dergleichen rüberkam. So entschuldigte er sich etwa auch dafür, dass er und Sängerin Sabine nicht sonderlich viel Beweglichkeit an den Tag legen konnten. Die Dame hatte es am Knöchel erwischt, während er sich eine Verletzung am Rücken zugezogen hatte.

Ganz ehrlich: so agil wie Devastating Enemy zeigten sie sich natürlich nicht, ohne einen entsprechenden Hinweis wäre mir allerdings nicht einmal aufgefallen, dass die beiden körperlich nicht den gewohnten Einsatz zeigen konnten. So wurde etwa beim Technoteil in „End Begins“ fröhlich gehüpft, wobei Sabine eben auf nur einem Bein sprang. Dabei könnte man meinen, dass man sich als namhafte Band der Bequemlichkeit halber vor einem Publikum von knapp dreißig Leuten unter diesen Bedingungen eher schonen würde. Was Deadlock hier an den Tag legten, war eine Eigenschaft, die ich sehr respektiere, nämlich bedingungslose Fantreue.

Die paar Leute waren ihretwegen gekommen und sollten daher auch gut unterhalten werden. So wurden vor allem die letzten drei Alben bespielt, lediglich „Awakened By Sirens“ reicht noch ein paar Jahre weiter zurück, hat dafür aber vor allem mich begeistert, da es sich bei diesem Song um einen meiner Favoriten handelt. Ansonsten wurden natürlich auch Publikumslieblinge wie „The Brave/Agony Applause“ oder das Lied „Virus Jones“ vom aktuellen Album dargeboten.

Die Auswahl war gut, ebenso begeisterte die Band durch sauberes Spiel, sodass die Zuschauer ausnahmslos mitmachten. Deadlock lieferten einen Auftritt ab, der so vor einem großen Publikum einfach nicht möglich gewesen wäre, da er durch die Nähe zur Band einfach mitreißender und ausgelassener rüberkam. Beide Seiten hatten eine Menge Spaß, was nicht zuletzt der Kreativität der Band zu verdanken war. Der Einsatz einer Discokugel war dabei nur das i-Tüpfelchen, natürlich hielten Deadlock trotz aller spaßigen Einfälle auch das musikalische Niveau konstant hoch. Sebastians Soli saßen ebenso wie Sabines Gesang, wobei sie im direkten Vergleich zu früheren Konzerten deutlich präsenter auf der Bühne wirkte. Auch für alle Skeptiker bezüglich des Wechsels am Mikrofon kann ich Entwarnung geben, denn stilistisch ähnelt John dem ehemaligen Frontmann ziemlich stark. Immerhin hatte er auch genug Zeit, um sich etwas abzuschauen, denn bislang war er in der Band für das Bassspiel zuständig gewesen.

Es war schade, dass der Sound nicht optimal war, und eine Gitarre bloß vom Band kam, denn das Konzert an sich war überaus gelungen. Stimmung und Bewegung waren im Endeffekt beim Publikum doch im Überfluss aufgekommen, außerdem zeigten sich Deadlock von einer sehr sympatischen Seite, wenn man sich ihre enorme Spielfreude vor knapp dreißig Zuschauern einmal vor Augen hält. Selbst ich als Fan hatte ehrlich gesagt mit deutlich weniger gerechnet, weshalb mich das starke Konzert wirklich sehr begeistert hat.

Luc Francois - Originalbeitrag auf Lucs Blog - Lucs Profil bei Facebook

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