Integrity am 26. Februar 2012 im Kleinen Klub

Am 26. Februar 2012 fand im Kleinen Klub ein Event der Extraklasse statt. Denn an diesem Abend sollte eine satanische Straight-Edge-Band in Saarbrücken gastieren. Die mächtigen Integrity! “Satanisch, bitte was?”, werden jetzt einige denken und ja, die Band hatte sich zumindest temporär (obs heute noch so ist, weiß ich nicht), dem Verzicht auf berauschende Substanzen und meines Wissens auch dem Verzicht auf Tierkadaver gewidmet und das ganze mit satanischer Ideologie gewürzt. Das führte dann zu solch lustigen Plattentiteln wie Humanity Is the Devil. Sänger Dwid von Hellion scheint auch nicht unbedingt der netteste Zeitgenosse zu sein, immerhin gab es laut Wikipedia-Artikel ein paar Querelen und Namensänderungen. Aber andererseits: Das ist im Hardcore Punk ja nun nicht so unüblich.

Und sie sollten nicht alleine kommen. Mitgebracht haben sie Bitterness Exhumed aus Dead City K-Town, die ja mittlerweile öfter im Saarland gastieren. Diese durften auch den Abend eröffnen und präsentierten Songs ihrer neuesten EP, die im Januar auf dem sympathischen saarländischen Label Wooaargh erschienen ist. Demnächst soll dort auch ein Rerelease des Doomridden-Albums herauskommen. Leider war Hauptsänger Seb nicht so ganz fit und musste mit Krücken vor der Bühne stehen und teilweise im Sitzen singen. Musikalisch boten Bitterness Exhumed eine sehr interessante Mischung verschiedener Punk-Stile des härteren Genres, die aber meist im Midtempo angesiedelt waren und durch dieses doch eher gemäßigte Tempo gut als Eröffnung geeignet waren. Die Kaiserslauterner Urgesteine zeigten sich außerdem traurig über den viel zu frühen Abgang von Bleed Into One, die einen Tag vorher im gleichen Club ihr letztes Konzert gaben. Nach einer knappen halben Stunde war Schluss und…

Rot in Hell setzten dort an, wo Bitterness Exhumed aufgehört haben. Für diese Band dürfte wohl ein Traum wahr geworden sein. Denn ganz offensichtlich sind Rot in Hell von Integrity beeinflusst, verwenden ebenfalls das Process-Cross-Logo der Holy Terror Church of Final Judgement und haben einen ähnlichen, wenn auch etwas schnelleren Musikstil. Die Briten aus Innsmouth zeigten jedenfalls dem halbgefüllten Kleinen Klub, wo der Hammer hängt. Insbesondere der Sänger zeigte sich auf der Bühne sehr bewegungsfreudig und konnte die wohl hierzulande recht unbekannte Band ins rechte Licht rücken. Dem angereisten Publikum schien es jedenfalls zu gefallen. Vereinzelt zeigte sich etwas Bewegung, auch wenn der Sänger doch immer wieder zum Nachvornekommen aufrufen musste.

Das hatten wiederum Integrity nicht nötig. Bei denen wurde es zunehmend voller vor der Bühne, vereinzelt gabs auch ein bisschen Pogo, wobei das Ganze aber noch im Rahmen blieb. Ich muss sagen: Integrity haben eine unheimliche Power. Zwar etwas langsamer als der Rest der Bands an diesem Abend, dafür sehr fette Riffs und einen Wall of Sound, dass man einfach Angst bekommt. Sänger van Hellion machte seinen Namen alle Ehre. Ich hoffe die Fotos zeigen ein bisschen, wie krass nach vorne die Band drauflos zockte. Zu hören gab es Klassiker wie In Contrast of Sin, Incarnate 365, Rise, Sarin und den Oberhammer Psychological Warfare. Vereinzelt mogelten sich auch ein paar neue Songs wie Jagged Visions of True Destiny ins Set, doch insgesamt war es eine Klassiker-Setlist. Und wie großartig Integrity live sind, zeigte nicht zuletzt, dass die komplette Besetzung von Rot in Hell den Gig hinter der Theke beobachtete und einmal der Gitarrist sogar einsprang. Leider war die ganze Chose nach 45 Minuten ohne Zugabe dann auch vorbei, so dass wir schon um 21:45 in die frostige satanische Kälte von Saarbrooklyn entlassen wurden. Dennoch: wunderbares Konzert.

Links: IntegrityRot in HellBitterness Exhumed

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de, veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier und nutzt seinen alten Blog http://gripweedsgems.blogspot.de/ nur noch selten.

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