Das war: Goldener Scheinwerfer 2011, Tag II

Tag 2, Samstag, 19.11.2011. Wieder stehen 10 Bands auf dem Plan, diesmal aber 2 außer Konkurrenz – STUDIORANGE, Publikumssieger des Vorjahres, und OVERGROWN, gebuchte Punkrocker aus Holland, die während der Stimmauszählung für Unterhaltung sorgen sollen. Ohne viel Geschwafel: Here we go.

  1. Vorwort
  2. Bands
    1. Ampersphere
    2. Bitter Atonement
    3. Traffic Noise
    4. Harmonic Heyday
    5. Studiorange
    6. Unchained
    7. Glazed Finish
    8. the plot that killed kennedy
    9. Samarah
    10. Overgrown
  3. Allgemeines, Fazit Tag II

1. Vorwort

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2. Bands

2.1 Ampersphere

4-Mann-Alternative-Metal bei richtig, richtig gutem Sound. Die Jungs von AMPERSPHERE eröffneten den Abend mit breiten Gitarrensounds und energiegeladenen Rhythmen und duften schon vor etwa 100 bis 150 Leuten ihrer Musik frönen. AMPERSPHERE weckten leichte Erinnerungen an SURRENDER THE CROWN vom Vortag – nicht nur musikalisch, sondern auch, was die Performance und Erfahrenheit anging. Man merkte deutlich, dass da schon einige Jahre Musik- und Liveerfahrung auf der Bühne stehen. Der Bad-Ass-Look der Band unterstrich die Qualität der Kompositionen  nochmal und vermittelte dem Zuschauer ein bisschen Weltstar-Flair, was, zusammen mit dem stimmigen Stageacting der Band, den Auftritt abrundete und Lust auf mehr macht.

2.2  Bitter Atonement

Inzwischen auch keine Unbekannten mehr. Ich glaube in Summe haben wir 1 Konzert der Band wirklich verpasst. Macht zwar die Statistik kaputt, bedeutet aber auch, dass ich nicht mehr lobhuddeln muss – das haben wir schon oft getan und an dem Eindruck, der nach den BITTER ATONEMENT Gigs bleibt, hat sich nichts geändert.

Die 5 Jungs und normalerweise 2 Mädels (Frontfrau Svenja war leider nicht mit von der Partie, daher nur 1 Mädel) legten mit Strom, Charme und Melodie ordentlich vor und heizten den 150 Männlein und Weiblein vor der Bühne mächtig ein. Schade war, dass die komplette Bandbreite der Band erst beim letzten Song rüberkam – beim ersten waren die Samples, darunter auch Svenjas eingespielter Gesang, zu leise, im zweiten Song hingegen viel zu laut.

Erst der letzte Song, “Forevermore”, kam richtig gut rüber, Gott sei Dank, ist der Song doch von Komposition und Umsetzung her einer der besten, die die Band zu bieten hat. Leider nur 3 Songs konnten die nimmermüden, ständig bängenden BITTER ATOMENERGIE (das ist sowohl eine treffende Beschreibung, als auch ein Produkt der Autokorrektur meines Handys ;)) zelebrieren – die aber mit Leib und Seele.

2.3 Traffic Noise

TRAFFIC NOISE überraschten mich zuallererst mal mit dem pfeilschnellen Umbau. Ratz,fatz waren die Becken am Drumset und die Gitten eingestöpselt. Und so konnten die 3 Mann auch zügig mit ihrem Alternative Rock loslegen, der bisweilen ein bisschen wie die Musik von Placebo klang. Der ziemlich britisch anmutende Rock ging gut ins Ohr.

2.4 Harmonic Heyday

HARMONIC HEYDAY sind 4 Jungs, die, ja, keine Ahnung, Musik machen. Da war von Funk über Ambient bis Ska, Folk, Jazz und Rock irgendwie alles ein bisschen dabei. Was die reine Umsetzung der Songs angeht, hinkten HARMONIC HEYDAY hinter dem Können der meisten Bands deutlich hinterher. Merkliche Einsatz-Fehler und unsauberes Spiel zogen sich durch den ganzen Auftritt. Wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob das an mangelnder Übung oder totaler Kalkulation lag.

Zu Anfang des Auftritts war ich eher erstaunt, wie man sich mit diesem Set auf die Bühne wagen kann. Zum Ende hin war ich durchaus fasziniert. Teilweise verquere Kompositionen, die sich Stilelementen verschiedenster Musikrichtungen bedienen, der recht monotone Sprechgesang, erzwungene Vibratos, echt verrückte Melodien, Saxophon, Querflöte, Keyboard – manchmal dachte ich unwillkürlich an Hippie Musik. Insgesamt waren aber viele schöne Melodien und Kompositionselemente dabei.

HARMONIC HEYDAY haben meiner Meinung nach nicht in das doch recht schubladengerechte Nachwuchsfestival gepasst. Und doch bleiben sie definitiv in Erinnerung – vermutlich mehr als andere,  schubladenkonformere Bands, die an beiden Tagen spielten. Und mit schubladenkonform meine ich nicht “Mainstream”, sondern will damit ausdrücken, dass sich die meisten Bands zumindest für eine Musikrichtung entscheiden. HARMONIC HEYDAY offenbar nicht. Und ich frage mich, ob sie sich ihrer “Außenseiterposition” nicht voll bewusst waren – die 4 Jungs spielten, als gäbe es für sie nichts anderes und als wüssten sie genau, wie sie auf das Publikum wirken.

Also alles in allem schwer, das brauchbar zu resumieren. Müsste ich mir nochmal ankucken – würde ich aber definitiv auch gerne tun. Seltsam, aber cool.

2.5 Studiorange

Die 4 Jungs haben beim letzten Scheinwerfer den Publikumspreis abgeräumt und durften daher, so wie am Vortag THE GAIN, im Mittelfeld der Bands ein bisschen für Zerstreuung sorgen. Natürlich außer Konkurrenz.

Der Frontmann der Band spielte glaube ich auch 2 Songs an der Gitarre, verweilte aber die meiste Zeit hinter dem Keyboard, welches leider im Gesamtsound zu sehr unterging und kaum hörbar war, wenn Gitarre und Bass reinspielten.

Auch STUDIORANGE erinnerten stellenweise an Placebo. Insgesamt würde ich die Musik der Band in die Ambient-Rock Ecke stecken. Es gab viele lange, gesangslose Parts mit, naja, Ambiente schaffenden Melodien. Dann und wann meldete sich auch der Sänger zu Wort, der mir persönlich aber ein bisschen zu emotionslos vor sich hin säuselte. Nach dem Intro-Song kam quasi ein ziemlich langer Song, der auch 2 oder 3 einzelne mit lückenlosen Übergängen gewesen sein könnte. Garniert wurde das alles von vielen spannenden Gitarreneffekten.

Effektiver Kritikpunkt: STUDIORANGE haben zugunsten eines eher langweiligen letzten Stückes ohnehin schon überzogen und legten dann noch ein 2-3 minütiges, ziemlich cooles, aber ebenso egoistisches Outro hin, während die nächste Band schon in den Startlöchern stand.

2.6 Unchained

Noch ein Quartett, diesmal aber nen Zacken härter. Mit ihrem Metalcore konnten UNCHAINED vor gut 200 Leuten performen, die zum ersten Mal in 2 Tagen richtig begeistert zu sein schienen. Im Vergleich zur Vorband war deutlich mehr Publikum im Raum und rückte bis auf etwa 1 Meter an die Bühne ran, um mitzufeiern.

Wirklich episch war aber jemand anderes: In erster Reihe vor der Bühne tanzte ein junges Mädchen, bzw. eine junge Frau in ihrem Rollstuhl zur Musik von UNCHAINED, indem sie ihren elektrischen Rollstoll hin und her steuerte. Definitiv der beste Moment beider Abende.

UNCHAINED präsentierten sich spiel- und bewegungsfreudig und schaffte es sogar, das Publikum zum mitklatschen und mitgröhlen zu bewegen. Leider verabschiedete sich irgendwann während des Auftrittes das Bassdrum-Mikro. Nach mehrmaligem Neuaufstellen und Fixieren musste der Rest des Gigs leider ohne hörbare Bassdrum gespielt werden. Ebenfalls schade war, dass auch UNCHAINED stark grelle Gitarren hatte. Die hellen Soli taten teilweise echt weh. Allerdings tat das alles weder der Feierlaune der Band, noch der des Publikums irgendwie abbruch und so wurde bis zur letzten Note gerockt.

2.7 Glazed Finish

Das nächste Quartett: GLAZED FINISH boten einer immer noch gut gefüllten Halle angeproggten Indie-Rock vom Feinsten, bei wieder recht gutem Sound. Mit 2.500 Facebook-Fans waren GLAZED FINISH auch eine der bekannteren Bands des Abends. Entsprechend professionell und energiereich war auch der Auftritt der 4 Jungs aus Saarbrücken, die erst kürzlich ihr Album “Many Faces” releaseten.

2.8 …the plot that killed kennedy

Mit …THE PLOT THAT KILLED KENNEDY betraten 5 eingefleischte Crossoveraner die Bühne, die mit jeder Note an Rage against the Machine erinnerten – auf die denkbar positivste Weise. Mit 2 Sängern und der mitunter bewegungsreichsten Show des Abends gingen die 5 Jungs zügig zu Werke und sorgten für ordentlich Bewegung auch im Publikum. Im Schnitt wohl deutlich älter, als die Mehrheit der Musiker des Abends, aber auch entsprechend liveerfahren legte die Band ein Crossover-Brett vom Feinsten hin.

Spätestens bei “Number” war’s um das Publikum geschehen. Die Ansage der Sänger “Tell me a Number” resultierte in der wild gebrüllten Antwort “386″, wieder und wieder. Es wurde getanzt, gemosht und mitgesungen. Trotz leider eher mittelmäßigem Sound ein definitv denkwürdigiger Auftritt.

2.9 Samarah

SAMARAH waren die letzte gewertete Band des Abends. Die 4 Jungs sind im Saarland ja keine Unbekannten mehr und bewiesen einmal mehr ihre Livequalitäten. Definitv der beste Sound beider Abende, drückend und doch klar, garniert mit einer absolut stimmigen Liveperformance. Herr Eggs, wie gewohnt bewegungsfreudig, erweckte mehr als einmal den Eindruck, als sei die Gitarre sein verlängerter Arm.

Insgesamt sieht man der Band einfach an, dass sie liebt, was sie tut und die Musik mit jeder Note lebt. Einziger Kritikpunkt liegt wohl im Songwriting – für Samarah-Einsteiger fällt es oft schwer, Song A von B zu unterscheiden, weil diese kompositorisch teilweise sehr nah beieinander angesiedelt sind.

Persönlich schade fand ich, dass “Demon” nicht gespielt wurde ;) Ist aber verschmerzbar.

2.10 Overgrown

Während die Jury sich beriet und die Publikumsstimmen ausgewertet wurden, enterte OVERGROWN aus Holland die Bühne, um den Abend zu Ende zu bringen. Die 4 Punker aus Holland hatten starke Highschool-Musik-Attitüden, typischer Happy-Punk, der mit 3 Akkorden ganze Hallen zum Kochen bringen kann. Persönlich nicht meine Welt, kamen sowohl Band als auch Songs beim Publikum mehr als gut an. Es wurde getanzt, mitgesungen und ausgelassen gefeiert. Auch OVERGROWN spielten außer Konkurrenz, nahmen die weite Reise für ihre Freunde vom Devil’s Place auf sich.

3. Allgemeines, Fazit Tag II

Jau. Vorbei. Erst in 2 Jahren wieder. Der Goldene Scheinwerfer 2011 war ein großartiges Event. Sehr gut durchdacht, wenn man jetzt mal die Votinggeschichte betrachtet, und sehr gut umgesetzt. Als Zuschauer kam man sich gut umsorgt vor. Die Umbauphasen waren der einzige wirkliche Kontakt zwischen Publikum und Stage-Team, da der Backstageraum hinter dem Publikum lag. Organisatorisch in jedem Fall ein schönes Erlebnis für Gäste und Zuschauer. In diesem Sinne lieben Dank und ein großes Kompliment an die Crew, die mit Sicherheit zu großen Teilen oder gar ganz ehrenamtlich Dienst geleistet hat – und das gewiss deutlich länger, als man es als Zuschauer mitbekommt.

Ein paar Fakten am Rand:

  • Es wurde ausschließlich saarländisches Bier ausgeschenkt, nämlich Bruch Bier in allen Formen und Farben. Cool!
  • Statt Wiener mit Senf gab es Rigatoni, Pizza und irgendwas Chinesisches vom lokalen Pizzamann. Cooler!
  • An beiden Tagen absolut meiste Resonanz bekam keine Band, sondern der Hühn, bzw. das Team vom Devil’s Place. Die pure Erwähnung des Namens ließ beim Publikum Begeisterungsstürme losbranden. Da seht ihr mal, was ihr bewirkt :) Noch Cooler!
  • Die Veranstalter des Asta Open Air  halfen nicht nur beim Event mit, sondern spendeten auch 500 Euro im Rahmen der Veranstaltung für die Initiative Rocker mit Herz. Am Coolsten!

Alles in allem waren das 2 fantastische Tage voller Rock- und Metalmusik, mit vielen Freunden und Bekannten. In diesem Sinne nochmals DANKE für die Einladung und bis in 2 Jahren!

PS: Da ich ja offiziell drauf angesprochen wurde: Erste Reihe stehen und Handy in der Hand? Ja. Irgendwo muss ich mir den ganzen Kram, der hier verbaut wird, ja notieren, oder? :) Und auf einem Konzert ist mir Papier und Stift einfach zu unpraktisch. Also nicht denken, ich hätte kein Interesse an der/eurer Mucke. Im Gegenteil. Cheers!

Zum Abschluss noch Olis Vor- und Nachbericht vom Scheinwerfer. Lassts euch schmecken!

Und ganz zum Schluss: HIER gibts die Fotos vom Event :)

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