Interview mit Mic Winter

Was für eine Woche! Mein Auto ist kaputt und musste in die Werkstatt. Das ist der absolute Supergau. 80% der Musik, die ich höre, höre ich im Auto. Ohne Auto kein Autoradio und das heisst, auch keine CD Reviews.

Netterweise stand Mic Winter, seines Zeichens Sänger bei Arctic Winter, die als dienstälteste Metalband des Saarlandes gelten, für ein kleines Interview bereit und plauderte dabei fleißig aus dem Nähkästchen. So konnte ich diese Woche doch noch einen kleinen Artikel für euch verfassen  :-)

Hallo Mic. Du spielst seit über 20 Jahren bei Arctic Winter und der Erfolg ist, nun nennen wir es mal eher bescheiden. Langweilt dich das nicht? Wann habt ihr genug davon und hört auf?

Von Langeweile kann keine Rede sein, geschweige denn vom Aufhören! Ich habe ja in den letzten gut  21 Jahren nicht nur bei AW geträllert  sondern auch noch in anderen Bands performed. Der Erfolg war da eigentlich auch nur mäßig und bescheiden aber es hat Spaß gemacht und war einfach nur Geil! Ich musiziere, weil es  mir Freude bereitet, mich erfüllt und Musik für mich als Ventil fungiert! Der Lohn (der für mich dabei herausspringt) ist Entspannung und das Gefühl „ Uch Alder, denne geht das gudd ab“ Wenn sozusagen der berühmte Funke bei einem Konzert überspringt und postwendend zurückkommt. Ist der Applaus nicht das größte Brot für einen Musiker?

Ganz zu schweigen von der Erfahrung, die ich in all den Jahren gesammelt habe und die ich jetzt bei AW einbringen kann! In besagter Vergangenheit hatte ich phasenweise 3 Bands gleichzeitig am Start (mind. 2 Combos über Jahre hinweg) die unterschiedlicher nicht sein konnten. Da war von Death/Thrash Metal über Alternative NU-Metal alles am Start. Zwischendurch nahm ich mir noch für 2 Jahre  Gesangsunterricht. In der Zeit habe ich nur Pop-Sachen (hauptsächlich Elton John) performt und so meine Stimme in der Richtung ausgebildet. Wobei wir auch gleich bei meinem musikalischen Spektrum sind. Ich wage mal zu behaupten, dass ich in der Band die größte Bandbreite habe, denn ich höre mal abgesehen vom Metal und  Schlager aus den 70’ern auch elektronische Mucke, was bei meinen Mitstreitern öfters nur für Kopfschütteln sorgt. Was für mich aber von großem Vorteil ist, denn ich lasse mich natürlich auch davon inspirieren.

Ziel für mich und meine Jungs von AW ist es, möglichst geile Konzerte zu spielen. Wenn dann natürlich mehr dabei herausspringt wie nur “Der Applaus“ wird das natürlich gerne genommen. Außerdem wollen wir uns nichts vorschreiben lassen, wann wir was und wie zu machen haben, bzw. wie viele CD’s  wir veröffentlichen müssen. Meiner Meinung nach legt man letztendlich bei so etwas nur drauf, denn man bekommt bei einem Deal nichts geschenkt. Das kommt natürlich auch auf den Vertrag an, aber man ist ja nicht Michael Jackson.

Du fragst ob wir genug davon haben und wie lange wir das machen wollen? Wir werden das so lange betreiben, bis nichts mehr geht bzw. unser Nachwuchs uns an den Instrumenten ablöst. Immerhin spielen wir fast noch in der original Besetzung! Das zeugt für mich von tiefer Freundschaft und dem nötigen Respekt den man sich gegenseitig zollt. Es macht einfach Spaß, in die Probe zu gehen und mit den Jungens abzuhängen bzw. einen zu trällern. Es gibt auch bei uns keinen „Größenwahnsinnigen Chef“ und somit eine Diktatur. Wir regeln alles mit dem nötigen gegenseitigen Respekt. Das ist so unser Geheimnis und vielleicht auch als kleiner Geheimtipp zu verstehen. Aber letztendlich muss jeder selbst für sich entscheiden was gut und schlecht ist.

Also wenn ich aufhören sollte,  Musik zu machen, werde ich irgendwo im Zinksarg weggetragen und pfeife noch den Radetzkymarsch dabei. Spaß beiseite, es ist für mich essentiell wichtig, Musik zu machen und ich kann und will nicht damit aufhören! Da es bei AW jedem so geht und wir als unheilbar erkrankt vom „Virus Musik“ gelten, wird es immer weiter gehen!

Wie sieht es mit euren Studioaktivitäten bei Arctic Winter aus. Wann können wir damit rechnen, etwas neues von euch zu hören?

In Sachen CDs haben wir es noch nie so richtig krachen lassen. Es gibt außer unserer 3 Track Demo CD „How to use an open fire“ von 2008 nur noch ein Demo Tape von 1994 – „Songs From The Avalanche Zone“, das aber leider schon lange vergriffen bzw. verschollen ist.

Das beruht natürlich auch auf unserer kreativen Schaffenspause, die wir zwischenzeitlich einlegten und in der jeder von uns anderen Projekten nachging. In den letzten 1,5 Jahren ist dann die Idee entstanden, endlich mal einen richtigen Longplayer mit einer Retrospektive über die letzten 20 Jahre einzuspielen. Das ist so weit gereift, dass schon ein CD Cover existiert und wir Songs auch schon ausgesucht haben. Ich kann nur eins versprechen: Das Ding wird der Knaller. Wir haben alles draufgepackt was, Arctic Winter auszeichnet. Es wird mächtig abgehen un ihr dürft gespannt sein! Kurzum: die Scheibe wird mit sehr viel Schweiß und Herzblut produziert. Ich freue mich jedenfalls tierisch darauf, wenn es los geht!

Wer hat deine Art zu singen geprägt? Wer sind deine Vorbilder?

Da ich schon in frühester Kindheit bzw. seit  meiner Geburt mit Musik in Kontakt kam (mein Vater war Sänger und Schlagzeuger in einer Schlager-/Tanzkapelle), war ich schon sehr früh der Musik verfallen. Ich bin mit den Schlagern der 70’er/80‘er Jahre groß geworden. Es gibt viele gute Songs aus der Zeit, die mir auch heute noch Gefallen und die ich zu Hause für mich auch mal ganz gerne Revue passieren lasse, vor mich hin trällere bzw. zu Ehren meines 2007 verstorbenen Vaters auch mal ganz gerne noch anhöre.

Metal fing ich an mit 14 Jahren zu hören und natürlich sorgte das damals  für Reibereien, denn mein Paps war keinesfalls gut auf Slayer und Napalm Death zu sprechen, die er sich aber trotzdem anhören musste. Als ich 1990 bei Arctic Winter einstieg hörte ich nur Grindcore und Death Metal und grunzte fröhlich vor mich hin. Im Laufe der Jahre, auch hinsichtlich meines immer größer werdenden musikalischen Spektrums, prägte sich dann mein heutiger  Gesangstil. Ich stehe immer unter dem Einfluss von Musik. Wenn ich selbst nicht tätig werde, höre ich welche! Das geht auch nicht anders! Das muss so sein!

Meine Vorbilder sind Burton C. Bell, Lemmy, Max Cavalera, Elton John und Adrian Hates von Diary of Dreams. Meine Devise: “Sei dein größter Kritiker und arbeite immer weiter an deiner Performance und versuche das Bestmögliche herauszukitzeln“.

Was benutzt du an Technik auf der Bühne? Bevorzugst du bestimmte Mikrofone, Monitore oder andere Sachen?

Das wichtigste Teil in meinem Equipment ist mein Shure SM58S, welches ich von meinem toten Paps geerbt habe und das bisher bei jedem Gig von AW am Start war. Das bedeutet mir sehr viel! Natürlich darf auch sein Mikroständer nicht fehlen, der auch regelmäßig zum Einsatz kommt. Normalerweise gehe ich mit dem Mikro in einen Splitter und von dort in die PA und direkt in meinen aktiven Monitor. Somit kann ich den Monitorsound selber regeln und bin nicht von externen Tecnikern abhängig.

Des weiteren habe ich zum proben einen Yamaha EMX 640 Power Mixer, der schon viele Jahre gute Dienste leistet, einen Autocom Pro XL Compressor und 2 Satboxen + Subwoofer! Ich habe auch noch ein Headmikro von AMG mit Sender, das ich aber so gut wie nicht einsetze, bzw. resultiert das Mikro noch aus meiner Zeit bei Inner Logic. Das Headmikro war damals mein Markenzeichen. Mal sehen, werde ich bestimmt irgendwann bei einem Konzert wieder hervorholen.

Zur Zeit ist das Thema Contests und Pay To Play bei uns in der Diskussion. Wie stehst du dazu?

Eigentlich war pay to play früher nichts anderes wie die Bestechung von DJs, um die Plattenverkäufe für die Plattenfirmen anzukurbeln. Mittlerweile steht es dafür, dass Bands dafür  bezahlen, um an Konzerten teilzunehmen zu dürfen. Bezahlung id dem Fall als Abnahme eines bestimmten Kontingentes an Tickets. Wird das Konzert  schlecht besucht, bzw. der Ticketverkauf  über die Bands läuft schlecht,  ist nur der Veranstalter fein raus und die Bands tragen das Risiko. Ich finde, das System ist einfach nur Müll und AW wird so etwas nicht unterstützen!

Contests stehe ich ein wenig zwiespältig gegenüber. Oft fließt der Faktor pay to play mit hinein und zum anderen geht es nicht immer fair zur Sache. Soll heißen, wenn man genug Vitamin B hat, kann man ohne Probleme erfolgreich sein. Auf der anderen Seite kann es aber auch sehr schön sein sich zu batteln ;-). Wenn, dann aber fair und möge der Bessere gewinnen!

Wann werden wir euch wieder live sehen. Gibt es konkrete Termine?

Im Moment machen wir uns etwas rar, weil wir in den Vorbereitungen für die neue CD sind. Am 08. Oktober findet aber wieder unser Wintermetal Fest im Devils Place statt, mit 2 tollen Bands und einigen Überaschungen. Also kommt alle vorbei.

Hast du zum Schluss n0ch einen Tipp für junge Metalbands?

Freunde sollt ihr sein! Keine Konkurrenten. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

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