Ammit – Eine Metaloper

Aye. Also Freitag war es dann soweit. Ammit ging an den Start. Wohoo :) Hab ja nun seit Anfang April drauf gewartet und so haben wir uns an diesem absolut gar nicht verregneten Freitag auf den Weg nach Wadern (letzter Halt kurz vorm Arsch der Welt) gemacht. Bis auf einmal verfahren kurz vorm Ziel lief das sogar richtig rund.

Wie auch immer. Raus ausm Auto, rein ins Tiefwaldgymnasium Wadern, Karte koofn und Theater kucken. Kamen leider etwa 10 Minuten zu spät und mussten somit mit einem kleinen Handlungsdefizit in die Story einsteigen. War aber kein Problem, man fand schnell rein. Also mal was zum Plot:

ACHTUNG SPOILER

Ammit ist in der ägyptischen Mythologie die Seelenfresserin, die die Herzen jener Verstorbenen fraß, die das negative Schuldbekenntnis nicht bestanden. In diesem Sinne widmet auch Ammit als Protagonist des gleichnamigen Stückes sein Tun den Herzen schlechter Menschen. Nach der Ermordung seiner Frau betätigt sich Ammit als Rächer und ausführende Gewalt der Gerechtigkeit und jagt Verbrecher um sie zu läutern – also zu töten.

 

Ammits Gegenspieler ist Kommissar Cresto, ein rechtschaffener Polizist – zu Anfang – mit dem Ziel, den Serienmörder Ammit zur Strecke zu bringen. Im Laufe des Stückes bringen Kommissar Cresto und seine Mitarbeiter Einzelheiten über Tun und Sein von Ammit zu Tage und lernen die Beweggründe des Rächers zu verstehen.

Kommissar Cresto und seinem Team gelingt es Ammit dingfest zu machen, woraufhin dieser in einer eher weniger fairen Verhandlung zu lebenslänglicher Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt wird. Allerdings, wie Ammit später gegenüber Kommissar Cresto einwirft, für 6 Morde, statt der 5 die er zugibt begangen zu haben.

Während Ammit hinter Gittern sitzt und somit für die Unterwelt keine Gefahr mehr darstellt, wird Kommissar Crestos Tochter vom sogenannten Rattenfänger entführt . Kommissar Cresto kämpft um seine Tochter, stößt jedoch bei der Staatsanwaltschaft und der Justiz, der er selbst so lange diente, auf wenig Unterstützung, weswegen er den Schritt wagt und Ammit, der einen Verdacht in Bezug auf den Entführer hat, zur Flucht aus dem Gefängnis verhilft.

Ammit und Kommissar Cresto machen den Rattenfänger ausfindig und stoßen in dessen Versteck nicht nur auf Crestos Tochter sondern auch den Staatsanwalt, der Ammits Verurteilung bewirkte. Jetzt lüftet sich auch das Geheimnis um die Ermordung von Ammits Frau: Der korrupte Staatsanwalt brachte sie um, weil sie ihm bei seinen Machenschaften auf die Schliche kam.

In einem abschließenden Kampf sterben sowohl der Staatsanwalt als auch Ammit.

SPOILER ENDE

Ammit – im Zwielicht der Gerechtigkeit beschäftigt sich, wie der Titel schon zu verstehen gibt, mit dem Thema Gerechtigkeit und dem unterschiedlichen Verständnis, das verschiedene Charaktere von Gerechtigkeit haben. Großes Thema sind die Ideale, die die Protagonisten zu dem machen was sie sind – Polizist und Rächer. Während der eine das Gesetz vertritt und durchsetzt und an die Idee einer staatlichen Justiz glaubt, hält der andere selbige für korrupt, zerstört und untauglich, wirkliche Gerechtigkeit zu schaffen.

Während der überwiegenden Schauspielszenen ist Ammit als Oper natürlich gespickt von musikalischen Einlagen. Im Sinne einer Metaloper natürlich mit Schmackes: elektrische Gitarre, Bass und brachiales Schlagzeug.

Die musikalische Umsetzung war sehr gelungen. Die drei lässigen Musiker im oberen Teil der Bühne, teils mit Sonnenbrille, leisteten gute Arbeit und trugen mit guten Kompositionen zur Dramaturgie und Action des Stückes bei.

Für mich musikalisch einziger Kritikpunkt war die oft nicht zusammen passend wirkende Mischung aus Gesang und Musik. Das mag aber auch schlichtweg ein technisches Problem gewesen sein. Manchmal kam ich mir jedenfalls vor wie in einem Stück über Nachkriegsliteratur mit musikalischer Untermalung.

Wirklich herausragend war die stimmliche Leistung von Angela Biesel, der Justitia – Ammits ermordeter Frau – die immer wieder als Göttin der Gerechtigkeit auftauchte – stilecht in weißem Kleid und mit Waage – und teils mit Ammit zusammen, teils alleine sang. Absolutes Highlight war das ruhigste Stück – eine Szene, in der Ammit im Gefängnis sitzt und Justitia erscheint. Von wunderbarem Klavierspiel (großes Lob an den Schlagzeuger ;)) begleitet sang Justitia eine Solonummer, die echt unter die Haut ging.

Ich durfte ja Freitag die Uraufführung genießen – entsprechend durfte ich mich mit den anderen Zuschauern auch über den ein oder anderen Patzer während der Umbauarbeiten amüsieren, die aber mehr als verzeihlich waren, ist doch die Gesamtleistung für eine Laienspielgruppe schlichtweg der Wahnsinn.

Ebenfalls viel Eindruck hinterlassen hat Stefan Müller von Heididei, der als tolpatschiger Polizist eine Rolle hatte, die wie auf ihn zugeschnitten war. Wunderbar tolpatschige und des Todes witzige Szenen – habe sehr gelacht! Kommissar Festivalbändchen lässt grüßen ;)

Aber genuch gehaspelt. Summa summarum ein erfolgsversprechendes Konzept und definitiv etwas, das ich mir im Herbst gerne nochmal ansehen würde. Yannic Trampert, seines Zeichens Autor, Regisseur und Hauptdarsteller (Ammit) des Stückes hat großartiges geschaffen und mit seinem Theater der härteren Klangart umgesetzt. Wer das verpasst hat, hat was verbrochen! Ich hoffe, es ging sich für die Theatergruppe gut genug aus, um das Stück noch mehrere Male aufzuführen.

Insgesamt also großes Lob an die Theatergruppe und die Helfer, die es ermöglichten, ne richtig pralle Uraufführung für die erste saarländische Metaloper vom Stapel zu lassen :) Cheerio!

 

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