Feuerfänger Bandcontest

Diesen Freitag, den 23. Juli 2010, tagte im Devils Place die Feuerfänger-Fraktion, um den Bandcontest zum diesjährigen Feuerfänger Festival auszurichten. Ziel ist, aus den den fünf spielenden Bands die auszuwählen, die am 18. September 2010 das Feuerfänger Festival eröffnet. Es traten gegeneinander an, in folgender Reihenfolge:

- Affliction
- Endless Void
- North From Here
- Maloik
- Masquerade

Eine bunte Mischung metallischer Spielarten.

AFFLICTION…

beginnen mit einem todesbleihaltigem Brett der Extraklasse und bestätigen erstmal den brachialen Eindruck, den ich vorweg von ihnen hatte. Ich kannte die Band nur von privatem Kontakt in Sachen Konzertakquise und von meinem Lieblingsbassisten (Dennis Roloff), der mit dem ein oder anderen Affliction-Member wohl mal was hatte (wohlweislich musikalischen Kontakt und sonst NICHTS! ;)). Was mir im Gedächtnis blieb war ziemlich viel Härte und kompromissloser Death Metal. Heute frage ich mich, woher diese einseitigen Eindrücke kamen. Spätestens ab dem zweiten Song wissen die Jungs mit ziemlich viel Melodie und gut platzierter Rhythmik zu überzeugen. Das Monster am Mikrofon hatte mich ohnehin schon beim Hallo und verlor auch während des Auftritts nichts von seinem vernichtend tieftönenden Charme. Einfach passgenau zu den Rhythmen und Melodien der Instrumentalisten. Die letzten beiden Songs erinnerten mich zeitweise stark an Amon Amarth – sehr melodische Shredparts und tiefe Growls, allerdings mehr Soli als man von Amon erwarten dürfte. Alles in allem hat mich der Auftritt überrascht, da ich eigentlich nur Geknüppel erwartet hatte, stattdessen aber melodiereiche, zum mitmachen einladende Hymnen bekommen habe. Der Auftritt der Jungs war ein guter Opener für den Contest und gereichte auch zum verdienten ersten Platz am Ende des Abends.

Setlist Affliction:

  1. “El Openero” (Arbeitstitel)
  2. Died for Nothing
  3. High Moon
  4. Hymn of Revolution

ENDLESS VOID…

kannte ich noch vom letzten Jahr aus Losheim (Vorentscheid zum Rock Area Festival 2009) und wenn ich mich nicht täusche hat sich bis auf den Mann am Mikro seitdem nicht viel geändert. Der alte Frontmann grölt jetzt für Killed by Accident (ex-Split Second). Die Mischung aus Deathcore, Mittelalterrhythmik und Geigenmusik kam beim Publikum unterschiedlich gut an. Die Positionierung der Jungs und Mädels auf der Bühne zeichnete schon ein interessantes, dazu passendes Bild: Auf der linken Seite, bzw. der Mitte: Frontmann und Leadgitarrist. Beiden konnte man die Nähe zum Death- und Hardcore ohne weiteres ansehen. Ein moderner Line6 Modeling-Amp unterstrich den jungen und modernen Eindruck, der auf der linken Seite entstand. Rechts dann Rhythmusgitarre, Bass und Geige. Das wirkte schon ganz anders: Der Bassist spielte ein B.C. Rich Warlock-Modell, dann die junge Frau an der Geige mit ihren an Letzte Instanz erinnernden Melodien – das war wohl die eher traditionellere und mittelalterlichere Seite, die sich in den Songs widerspiegelt. Endless Void spielten 4 Songs gemischter Natur. Bei den ersten beiden dominierten die Deathcore-Elemente, untermalt von den Screams und Pigsqueals des Frontmanns. Song Nummer 4 begann dann unerwartet anders mit einem Schlagzeug-Rhythmus, untermalt von einer eingängigen, schnellen Geigenmelodie. Man dachte direkt an Letzte Instanz, Schandmaul oder gar Tanzwut. Der Eindruck blieb auch während des Liedes bestehen. Der Song lud zum tanzen und mitmachen ein, war aber leider auch für die Geigerin das Highlight des Abends, da ihre Parts ansonsten recht dünn ausfielen. Das, so habe ich mir sagen lassen, lag aber daran, dass sie eigentlich im Urlaub sein wollte und nicht sicher war, ob sie am Contest teilnehmen könne. Daher wurden vorab mehr Songs geprobt, die ohne Geige auskommen. Verständlich, dennoch schade.

Endless Void polarisieren definitiv. Die Mischung aus modernen und traditionellen, bzw. mittelalterlichen Elementen ist nicht jedermanns Sache, der eigentlich völlig unverständliche deutsche Gesang ist auch oft schwer zu verdauen – alles in allem ist es aber eine mutige Sache, sich musikalisch an was Neuem zu probieren und es zu präsentieren und für die Band selbst sicher auch eine große Leistung, die vielen Einflüsse und Ideen konzeptionell zu verarbeiten. Mir hat’s sehr gut gefallen und ich bin auch für die Zukunft gespannt, was aus Endless Void wird. Sie bespielen eine Nische, die wahrscheinlich nicht den Geschmack der Masse trifft – aber welcher Metaller tut das letzten Endes schon?

Setlist Endless Void:

  1. Violence and Hate
  2. Endless Void
  3. Dein Sturm
  4. Wolf im Manne
  5. Tag der Sünden

NORTH FROM HERE…

wurden hier ja mit ihrem Album “Demonic Token” vor einigen Tagen gereviewt. Von der Platte spielten sie am Freitag leider nur einen Song, “Demonic Token”, als Opener. Nachdem die Band ja laut Myspace-Seite nach wie vor einen Schlagzeuger sucht, war ich schon ein bisschen gespannt, wie sie das live dann meistern würde. An den Kesseln saß dann das Mastermind, das auch für Gitarre und Synths bei North From Here verantwortlich ist – die zweite Gitarre wurde von einem Bekannten der Band gespielt, der für einige Gigs aushelfen wird, bis die Jungs einen festen Gitarrero gefunden hat. Gemerkt hat man jedenfalls nicht, dass da jemand von außerhalb mitspielte: Die Performance war fehlerfrei und gut. Nach dem Opener folgten drei neue Songs, die ich noch nicht kannte, die aber ordentlich reingingen. Schnell und eingängig, da musste man mitmachen. “Destination X”, “North” und “Over the Line” sollen wohl aufs neue Album und kamen beim Publikum ziemlich gut an. Insbesondere “Over the Line”, der mich schon wieder an einen Song für gebrochene Herzen erinnert, lud auch zum Mitsingen ein. Einziger Negativmoment an dem Abend waren einige Vocoder-Samples, die dermaßen laut waren, dass man sich den Gehörschutz mit Gewalt ins Ohr rammen musste, um keinen Trommelfellriss zu riskieren. Ich bin ja ohnehin der Meinung, dass die Stimme des Sängers völlig ausreicht und man die Vocoderparts schlichtweg streichen könnte. Der Frontmann klingt nämlich auch live einfach nur genial. Mich haben North From Here live ebenso begeistert wie auf CD und ich hoffe in Zukunft noch mehr von ihnen sehen und hören zu können.

Setlist North From Here:

  1. Demonic Token
  2. Destination X
  3. North
  4. Over the Line

MALOIK…

spielten letzte Woche schon im Devils Place auf, dazu gibt’s ja auch nen Schrieb von mir. Diesmal mit kürzerem Set, 5 Songs insgesamt, waren sie aber nicht weniger geil. Der Frontmann kam dezent gekleidet im langen schwarzen Mantel mit Sonnenbrille. Zumindest letztere fiel irgendwann den Lichtverhältnissen im Devils Place zum Opfer. Der Mantel blieb – muss ganz schön heiß gewesen sein. Maloik haben sich bravourös durch ein gut gewähltes Set gespielt und mit “Threshold” einen Knaller ans Ende gesetzt, der im Gedächtnis blieb. Charmant immer wieder die kurzen Einlagen des Bassisten, der das Publikum mit Zoten und einiger Ironie bei Laune hält ;) So viele Langhaarige online…Auch wieder massiv faszinierend für mich war der (junge) Mann an der Schießbude, der fehlerfrei um sein Leben geknüppelt hat. 15 Jahre jung und bestimmt vom Dämon besessen. Da ich ja letzte Woche schon recht ausführlich berichtet hatte, will Ichs mal nicht übertreiben, denn an der Qualität des Auftritts hat sich nicht viel geändert. War einfach genial und hat, ebenfalls verdient, zum ersten Platz des Abends geführt. Ja. Es gab zwei erste Plätze. Dazu später mehr. Ganz großes Kino, freue mich aufs nächste Mal!

Setlist Maloik:

  1. Ghost of Revolution
  2. Holy Law
  3. Payback
  4. Otherworld
  5. Threshold

MASQUERADE…

waren mir bis dato völlig unbekannt, womit ich aber scheinbar einer Minderheit angehöre. Die Jungs hatten die merklich größte Fanmasse an Bord und damit zu später Stunde als Headliner das Devils Place nochmals richtig zum Kochen gebracht. Der deftige Rock der dem Publikum ins Ohr tönte, hatte es in sich und das nicht zuletzt wegen der markanten Stimme des Frontmannes. Für mich leider beim ersten Song schon fast durchgefallen für diesen Abend, weil ich es einfach unseriös finde, einen (Underground-)Bandcontest mit Coversongs zu bestreiten.

Von den 5 gespielten Songs waren drei gecovert. Die Performance war hammer, soviel muss einfach gesagt werden. Die Songs kamen gut an und wurden auch gut umgesetzt. Aber, und scheinbar bin ich mit dieser Meinung nicht alleine, wenn man das Endergebnis berücksichtigt, es geht bei so einem Wettbewerb um Eigenleistung und ich denke man nimmt sich viel Arbeit und letzten Endes Respekt, wenn man auf Werke anderer Künstler zurückgreift. Gegen einen Coversong hätte ich nix gehabt – besonders, wenn er viel eigene Note enthält. Drei sind mir einfach zuviel, vor allem, wenn sie fast 1:1 nachgespielt werden. Das stellt einfach den Sinn des Wettbewerbs in Frage. Wie gesagt, das hat sich wohl auch in der Bewertung niedergeschlagen. Aber dennoch waren die Jungs megageil und haben ordentlich Stimmung gemacht und das ist die Hauptsache. Ich hatte viel Spaß während des Auftritts und ich denke, der Rest des Publikums ebenfalls.

Setlist Masquerade:

  1. Leather Rebel
  2. Primal Instinct
  3. Evil
  4. Demon’s Dance
  5. Old School
  6. Paranoid

Das Ende vom Lied…

Gewinner des Contests sind somit also Affliction und Maloik, die aller Wahrscheinlichkeit nach gemeinsam auf zwei Bühnen das Feuerfänger Festival eröffnen werden. Für mich eine gute Lösung, die so hoffentlich auch umgesetzt wird. Beide Bands werden sich wohl kaum Zuhörer nehmen, dafür sind die Stilrichtungen einfach zu verschieden. Zu gönnen ist es beiden Bands auf jeden Fall, dass sie an dem Tag volle Spielzeit bekommen, dafür haben sie auf dem Contest auch hart geschuftet ;)

Die Idee, den letzten zu vergebenden Slot des Festivals über einen Contest zu besetzen ist ja nun nichts neues, aber gerade in diesem Fall etwas einvernehmlich gutes, das auch gut umgesetzt wurde. Da der Gewinner nicht nur vom Publikum, sondern auch von einer Jury mitbestimmt wurde, war schonmal gesichert, dass die angekarrte Fanmasse alleine nicht für einen Sieg ausreicht, wie das zum Beispiel auf dem Rock Area Battle of Metal 2010 der Fall war. Jedem Besucher zwei Stimmen einzuräumen war aber der eigentliche Clou. Ich denke mal fast jeder ist für seine Lieblingsband angereist und hatte damit eine von zwei Stimmen ohnehin verplant. Die zweite Stimme jedoch konnte man rein nach Leistung der Bands vergeben, ohne seinen Favoriten damit zu übervorteilen. In jedem Fall eine gute Idee, die auch Erfolg hatte. Für mich spiegelt das Ergebnis auch wirklich die Leistungen der 5 Bands wider und das will mal was heißen. Ein Wahlverfahren, dass man sich so auch für zukünftige Wettbewerbe wünscht.

Alles in allem wars ein geiler Abend, in einer geilen Location mit geilen Bands, die gemeinsam die Hütte gerockt haben und die es auch alle verdient hätten, das Feuerfänger Festival zu eröffnen. Gereicht hat es schlussendlich für Affliction und Maloik. Die beiden dürfen wir dann hoffentlich gemeinsam am 18.9.2010 auf dem Feuerfänger Festival bestaunen.

Hiermit dann ein Dankeschön an alle teilnehmenden Bands für die guten Shows, an die Veranstalter des Abends (Feuerfänger, Devils Place) und die Jury, die nen guten Job gemacht hat. Ich persönlich freue mich auf weitere Events dieser Art. Das macht Laune. Cheers.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schönes Review :-)
    Das stimmt wieder versöhnlich mit mir selbst, ich dabke vielmals ;-)

    Bis zum September dann!

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